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Der Israelit · 1894-06-07 · Heft 45-46 (7.6.1894) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 45-46 (7.6.1894)
Date
1894-06-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Zweite Beilage?u M 45 S.- 46 des „Israelis. Leitender Artikel. Musikalische Hsiettoöitder. Von Dr. A. Ackermau«. (Schluß.) Das höchste Interesse bietet Salomo de Rosst deswegen für uns, weil er seine großen musikalischen Fähigkeiten in den Dienst des Judenthums stellte. Es mag wohl nicht richtig sein, wenn alte Bibliographen aus ihm einen Rabbiner in Mantua machen, aber daß er von wahrer Liebe zum Judenthum erfüllt war, zeigt seine innige Freundschaft mit Leon da Modena, mit dem er sich zur Verschönerung des jüdischen Gottesdienstes vereinigte. Zu diesem Zwecke schrieb Salomo de Rosst eine Anzahl mehrstimmiger Gesänge auf Texte aus dem hebräischen Gebetbuche. Er betitelte sein Werk, welches 1623 in Venedig erschien: ivn on»rn. Dem Werke voraus ging eine Widmung Salomo's, im reinsten Hebräisch geschrieben. Sie ist an seinen Protector, Moses Sullain gerichtet, einen reichen Juden aus Mantua, dem er feine künstlerische Erziehung und die Mittel zum Druck seines Werkes verdanke. In einem Wortspiele vergleicht er die Wohlthätigkeit Sullain's mit der Jakobsleiter (dVd), deren Füße auf der Erde ruhen und deren Spitze in den Himmel reicht. Nicht um seinen Namen zu verherrlichen, so fügt er hinzu, habe er diese Gesänge veröffentlicht, noch um den Menschen zu gefallen, sondern zum Ruhme des Ewigen und zum Andenken seines Vaters. Dieser Widmung folgt eine Vorrede von Leon da Modena. Aus seinen Worten geht hervor, daß Salomo de Rossini ein Musiker ersten Ranges war, als Gesanglehrer im Dienste des Herzogs von Mantua angestellt. Leon da Modena ist stolz, sich seinen Freund zu nennen. Er habe mit Freude die Correctur des Textes und das Anpaffen der hebräischen Worte an die Melodie übernommen. Ec spricht von dem tiefen Eindruck, den die Gesänge auf die Glaubenstreuen hervorgerufen und proklamirt den Componisten als den würdigen Nachfolger des Königs David: „Wie der Psalmist wird er Harfen und Freudengesänge im Volke ertönen lassen." Ferner ist dann dem Werke das oben besprochene Gutachten Leon's mit den rabbinischen Bestätigungen beigedruckt. Dort wird am Schluffe des Gutachtens die Androhung des Bannes gegen denjenigen ausgesprochen, der es versuchen würde, sich dem rabbinischen Urtheil zu widersetzen. Das jüdisch-musikalische Werk de Rossi's ist nur in zwei Exemplaren vorhanden, deren eines die Staatsbibliothek in Parts, deren anderes die in Wien besitzt. Leider war es mir nicht möglich, ein Exemplar zur Benutzung zu bekommen, da der hohe Werth der alten Drucke die Bibliotheken veranlaßt, dieselben nicht einmal auf diplomatischem Wege zu verleihen. Um ihre Transkription hat sich besonders Naumburg verdient gemacht. Welches Schicksal den Gesängen Salomo de Rossi's weiterhin beschieden war, wird uns nicht berichtet. Allein sein Auftreten ist an sich interessant genug; denn er hat es vermocht, die Thore des Ghetto zu sprengen und durch sein Talent eine Stelle und einen Namen unter den besten italienischen Musikern erobert. In seiner Gestalt krystallisirt sich das hohe Interesse an Musik, das die italienischen Juden zu einer Zeit beseelte, in der noch finstere Nacht auf dem Geschick der Juden in allen Ländern lastete. Das Bild, das wir entrollt haben, es ist im wahren Sinne ein „musikalisches Ghettobild." Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen. Deutschland. Gießen, 4. Juni. Wer den religiösen Jndifferentismus der beiden Gemeinde-Lager der hiesigen Judenheit kennt, muß sich gleich jenem König Janai fragen:? rvty Nnn no min, „Was wird mit der Thora", zu welchem Ende führen solche Zustände, wie wird das enden? Die Erwachsenen, in religiösen Gebräuchen indifferent, ja selbst über 'mim oid'h sich leichthin hinwegsetzend, ziehen die Jugend ahnungslos in's Verderben mit hinein. Selbst jenes Mittel, welches der Jugend im reiferen Alter Gelegenheit zur Emancipation vom traurigen Stchgehenlaffen geben könnte, der freiwillige Religionsunterricht wird ihr entzogen, no^i ho' nsnn m ppa nmiöi nana nn „die Thora bleibe in der Lade geborgen und eingehüllt und jeder, der will komme und lerne". Dies ist die Antwort, welche auf die erste Frage gegeben wird. Nun hier ist auch der Wille abhanden gekommen; denn die Alten wollen nicht und der Wille der Kinder ist von dem der Eltern bedingt. Hier heißt es blos, jeder, der mnß, d. h. jeder Bar Mizwoh, der zur Thora gerufen wird und die „Berocho" lernen muß, der komme und lerne, aber nur das Nöthigste, was zu dieser heil. Handlung erforderlich. Vorher jedoch, werden die jüdischen Lehrkräfte, die Gießen besitzt, nicht in Anspruch genommen und nachher ist's ja nicht nöthig. So wächst ein Geschlecht heran, das dem

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