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Der Israelit · 1894-06-07 · Heft 45-46 (7.6.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 45-46 (7.6.1894)
Date
1894-06-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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834 und Raub agitiren, „Gesinnungsgenossen" um sich sammeln, eine besondere Mord- und Raubpartei bilden, vorausgesetzt natürlich, daß sie, so vorsichtig wie Herr Schneider, dabei „den legalen Weg betonen". Auch Herr Joh. Most, dem die internationale Polizei seine Agitation für den Tyrannenmord so sehr erschwert, und die anderen Herren, welche durch Dynamit die Welt von ihren Uebeln erlösen wollen, könnten dann hier bei uns eine gemüthliche Heimstätte finden, vorausgesetzt natürlich, daß sie den Grafen Coronini und 'seines Geistes Genossen eine kleine, nichtssagende Konzession machen: nämlich „den legalen Weg betonen". So gut wie Herr Schneider für ein Schußgeld auf die Juden, könnten sie auch für ein Schußgeld auf Millionäre, Fideikommißbesitzer und gekrönte Häupter plädiren: nur immer legal! Budapest, 25. Mat. Die Feier des mehr als 50jährtgen Bestandes des Ungarischen israelitischen Ackerbau- und Handwerkervereines wurde am 20. d. feierlichst begangen. Dieses freudige Fest des segensreich wirkenden Vereines, der nach einem halben Jahrhundert edlen Strebens in seine eigene Stätte einzog, war mit der Eröffnung und Einweihung des Lehrlingsasyles verbunden. Die Schaar vornehmer Gäste, in deren Reihen wir den Handelsminister Lukacs, die Staatssekretäre Reiszig und Berzewiczy u. A. m. sahen, legte Zeugntß ab von der Werthschätzung, deren sich dieser Verein in allen Kreisen erfreute. Nach dem programmäßigen Verlauf der Feier wurde eine 1000 Kronen-Stiftung von den mit Unterstützung des Vereins herangebildeten Meistern und eine 500 Kronen-Stiftung auf den Namen des verdienstvollen Präsidenten Abgeordneten Dr. Armin Neumann angemeldet. Der verlesene Jubelbertcht gtebt das erfreuliche Bild dessen, wie das Bestreben, die israelitische Jugend dem Handwerk und dem Ackerbau zuzuführen, mit eben so viel Umsicht nnd Ausdauer durchgeführt wurde. Die bisherigen Präsidenten überboten einander an Eifer und rastloser Thätigkeit, so daß bisher 2074 Lehrlinge mit dem Kostenaufwande von 668,608 Kronen dem Handwerk zugeführt werden konnten. — Hinsichtlich des Planes, eine ungarische Bibelübersetzung herauszugeben, gehen die Vorbereitungen von Seiten der israelit. Litteraturgesellschaft Schritt vor Schritt vor sich. Die bedeutende Aufgabe, die größtmöglichste Zahl der gediegensten Kräfte zur Mitarbeitung zu vereinigen und die Arbeit planmäßig und umfassend zu ertheilen, wurde dadurch erleichtert, daß eine engere Kommission angewiesen wurde, sich mit Dr. Immanuel Löw und seinen Mitarbeitern, die auch eine ungarische Bibelübersetzung herausgeben wollten, ins Einvernehmen zu setzen. Der im Jahre 1863 gegründete, von der israelitischen Reltgionsgemeinde verwaltete Montefiorefond, der schon 6000 Kronen ausmachen dürfte, wird auch diesem Zwecke zugeführt werden. M a r o c c o. Maroeeo. Als sich die marokkanische Regierung infolge der Vorgänge von Meltlla gezwungen sah, eine große Entschädigunssumme an Spanien auszuzahlen, gab dieselbe strenge Befehle wegen Einziehung der verspäteten Steuern. In Marocco wurde diese Steuereinzahlung für den Caid Ouida, dessen barbarisches Vorgehen gegen die Israeliten bekannt ist, und namentlich für den Cadi Muley Mustapha, der Vorwand zu neuen Nörgeleien gegen die Israeliten. Man wird sich eine Vorstellung davon machen können durch folgenden Brief, welcher von einem Israeliten aus Marocco an einen seiner Glaubensgenossen an der Küste gerichtet wurde: Ich habe die Ehre, folgende Zeilen an Sie zu richten, um Sie bekannt zu machen mit der schlechten Behandlung, die mir heute von seiten des Soldaten unseres Cadis Mouley Mustapha zutheil wurde. ■ Der Caid Ouida und der Cadi Mouley Mustapha hatten heute ihr Zelt vor dem Thore des Mellah aufschlagen lassen, und die Jsraelilen berufen, um von ihnen die Steuer zu entnehmen, die sie verpflichtet sind, dem Sultan zu zahlen. Auch mich haben sie rufen lassen. Ich hatte mich genau erkundigt, ob die europäischen Schutzbefohlenen zu dieser Steuer verpflichtet sind. Als ich in Erfahrung gebracht, daß eine große Anzahl von Schutzbefohlenen dieselben bezahlt hätten, wollte ich das nämliche thun. Als ich den belden Beamten die Summe überreicht hatte, erhielt ich von dem Soldaten des Cadi drei Stockschläge auf das Genick. Ich wendete mich an den Cadi und sagte: „Wisset, daß ich italienischer Schutzbefohlener bin." Darauf sagte der Cadi zu seinem Soldaten: „Nimm ihm das Tuch weg, das er auf dem Kopf trägt, und schlage ihn sehr stark, er kann dich dann verklagen gehen, wo es ihm beliebt." Der Soldat beeilte sich, diesem Gebot zu folgen und schlug mich von neuem mit verdoppelter Heftigkeit. Diese, an einem europäischen Schutzbefohlenen öffentlich verübten Gewaltthaten zeigen den Arabern, daß sie die Israeliten ungestraft mißhandeln dürfen. -£» Vermischtes, «ch- Berlin, 29 Mai. In den letzten Tagen ist die Frage der Eingemeindung der Nächstliegenden Vororte an die Stadls gemeinde Berlin wiederum viel besprochen worden. Wie es heißt, wünscht die Regierung eine Vereinigung derjenigen {

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