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Der Israelit · 1894-05-31 · Heft 43 (31.5.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 43 (31.5.1894)
Date
1894-05-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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786 daß man nicht hätte glauben können, daß ein Jrrthum möglich gewesen wäre. Der brave Mann hatte sich dem Rabbi angeboten, ihn zu begleiten, um ihn selbst an das Ziel zu bringen, da auf dem kurzen Wege noch eine Gefahr vorhanden war, die größer war, als die Bären und Wölfe, die in den Wäldern hausten. Und diese Gefahr für Leib und Leben war der Pan Johann von Wola, genannt der blutige Jan. Die großen und ausgedehnten Güter des Pan lagen auf dem Wege zwischen dem Wtrthshause und Krakau und es war die Aufgabe der beiden Wanderer das Gebiet des Pan von Wola zu vermeiden, denn dieser mächtige Adelige, der innerhalb seiner Lande und Güter das unbedingte Recht über Leben und Tod hatte, hatte kurz zuvor ein Gesetz erlassen, daß er Juden auf seinem Distrikte nicht dulden würde, und daß er jeden, der dieses Gebot überschreite, mit dem Tode bestrafen werde. Einige harmlose Wanderer hatten es vor kurzer Zeit noch gewagt, das Gebiet des Pan zu betreten, um den großen Umweg zu vermeiden, den sie sonst hätten machen müssen. Der Pan aber hatte sie ergriffen, hatte den Führer derselben aufknüpfen lassen und die Anderen in den Kerker geworfen. — Rabbi Jehoschua hatte die Dienste seines braven Wirthes abgelehnt. Durch die lange Zeit, die er schon gewandert war, hatte er eine genügende Erfahrung gesammelt, um sich auf einem Wege, der ihm nur einigermaßen nach der Himmelsrichtung beschrieben wurde, zurecht zul finden. Er konnte aus dem Stand der Sonne, und bei Nacht aus dem der Sterne, sich ziemlich gut über den etnzuschlagenden Weg orientiren. So waren Rabbi Jehoschua und seine Tochter schon von frühem Morgen ab gewandert, und nun I war es bereits um die Nachmittagsstunde, als Rabbi Jehoschua seine Tochter aufforderte mit ihm zu rasten, da sie ja in wenigen Stunden, also noch am Tage Krakau erreichen würden. „Mein Vater", entgegnete Esther, „sieh dort ziehen Wolken auf, die schon einen großen Theil des Himmels bedecken. Es kann leicht sein, daß wieder einer jener schweren Nebel eintritt, die den Weg nicht unterscheiden lassen. Wäre es nicht besser, wir nehmen alle unsere Kräfte zusammen und suchten noch unser Ziel, wenn irgend möglich, am Tage zu erreichend" Der Vater stimmte ihr zu; er hatte sich schon auf einem Steine am Wege niedergelassen und jetzt wollte er sich wieder erheben; aber die Füße, vom Alter und von den schweren Anstrengungen matt, schienen ihm den Dienst versagen zu wollen; er wankte und Esther mußte ihn stützen, daß er nicht zu Boden sank. „Mein Vater", rief das junge Mädchen „raste lieber, was auch geschehen mag; du bist schwach und müde. Der liebe Gott, der uns schon so oft geholfen und der uns Gefahren und Fährnisse hat überstehen lassen, die die kühnste Fantasie sich nicht ausdenken kann, der liebe Gott wird uns schon weiter helfen und wird nns so nah an unserem Ziele, nicht zu Grunde gehen lassen." „Nein, nein, meine Tochter! Wenn Nebel oder Regen eintritt und wir den Weg verfehlen und in das Gebiet jenes fürchterlichen Menschen gerathen, der dort haust, jenes Pan von Wola, dann sind wir unrettbar verloren; komm vorwärts, mein Kind, vorwärts!" Die Beiden rafften sich wieder auf und gingen ihres Weges, so schwer es auch Rabbi Jehoschua wurde, sich vorwärts zu bewegen. (Fortsetzung folgt.) Der „Israeli:" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch btn Buchhandel bestehen bei E. F. 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Lehrer Versammlung Nassaus. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Schweiz: Zürich. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. AuS Bayern. München. Schildberg. — Vermischtes. — Feuilleton: Eine jüdische Mutter. Von Bernard Auerbach (Fortsetzung). Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Red actio n: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraeltt", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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