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Der Israelit · 1894-05-31 · Heft 43 (31.5.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 43 (31.5.1894)
Date
1894-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. M 43 Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, de« 31. Mai 5654 (1894). Leitender Artikel. Aie Juden und das Höhere Studium. Mainz, 29. Mai. Die „Gladbach er Volkszeitung" bringt in ihrer Nummer vom 22. Mai einen Aufsatz: „Die Katholiken und das höhere Studium", der auch die Juden und das höhere Studium streift und gestattet sich dabei einige Bemerkungen, welche die Kritik in hohem Grade herausfordern. „Alle Jahre wenigstens einmal wird es uns unter die Nase gerieben, schreibt das genannte Blatt, daß die Katholiken auf den höheren und höchsten Unterrichtsanstalten nicht so stark vertreten seien, als sie nach dem Verhältnisse zur Gesammtbevölkerung sein sollten. Vor einigen Wochen lief wieder eine derartige Statistik durch die Presse. Angenehm sind die Zahlen für uns nicht; aber es hat sein Gutes, daß wir immer wieder auf diesen schwachen Punkt aufmerksam gemacht werden. „Die drei hauptsächlich vertretenen Religionsbekenntnisse stellen einen verschiedenen Antheil zu denjenigen Ständen, welchen im preußischen Staate die intellektuelle Leitung großentheils zufällt. Inwieweit hierauf das Religionsbekenntniß als solches eine innere Einwirkung ausübt. entzieht sich derjenigen Untersuchung, welche sich auf statistische Grundlagen stützen will." So sagen die halbamtlichen Statistiker, und es ist auch sehr klug von ihnen, daß sie die Sache nicht auf den Karren der „Bildungsfreundlichkeit" des einen oder des andern Religionsbekenntnisses packen. Denn dabei würde das Judenthum triumphiren. Die jüdische Bevölkerung bringt elf mal mehr Studirende auf die Universität, als die Katholiken, und sechs mal mehr als die Evangelischen; also ist das mosaische Bekenntniß am meisten zur Entwicklung des Bildungstriebes geeignet. Diese Schlußfolgernng wäre geradezu lächerlich." Ob dlese Schlußfolgerung wirklich so lächerlich ist, wie man hier glauben machen möchte, das möchten die folgenden Zeilen zum Gegenstand einer Untersuchung machen. — Zunächst muß einmal constatirt werden, daß den „halbamtlichen Statistikern" hier eigentlich das Gegentheil dessen unterstellt wird, was sie in Wirklichkeit behaupten. Es wird hier behauptet, daß das Religionsbekenntniß eine innere Einwirkung ausübt, und nur inwieweit diese Einwirkung reicht, entziehe sich der statistischen Untersuchung. Wollte man diese Einwirkung nicht gelten laffen, so wäre es schwer, wenn nicht unmöglich eine Begründung für die ungewöhnlich hohe Betheiligung der Juden an dem höhere« Studium ausfindig zu machen. — Die „Gl adb ach er Volkszeitung" meint im weiteren Verlauf ihrer Betrachtung : „Die Juden haben das meiste Geld und deßhalb haben sie auch die meisten Studenten." Aber sie kommt sofort selbst auf das unhaltbare dieser Annahme an der Hand statistischer Daten. Sie ü&ifcfi sich dann so in ihre Statistik, daß sie ganz daran vergißt, das Judenthum um den Triumph zu bringen, elf und sechs mal mehr Studirende zu haben als dir christlichen Confesstonen. Ihr ist es übrigens hauptsächlich darum zu thun den geringeren Bildungstrieb der Katholiken im Vergleich zu dem der Evangelischen zu rechtfertigen oder doch zu erklären. — Bei diesen ihren Ausführungen hat für unseren Gegenstand folgendes Argument einiges Jntereffe, wenn da gesagt wird: „Da steckt der Hauptgrund, weshalb die Katholiken mit den Protestanten in der Studentenzahl nicht konkurriren können. Man sagt uns, es sei keine Parität in der Aemtervertheilung möglich, weil wir nicht die genügende Anzahl von Kandidaten stellten. Aber die Sache liegt umgekehrt: Wir können nicht so viele Kandidaten stellen, weil wir bei der Aemtervertheilung schon längst zu kurz gekommen sind. Ja, die wenigen katholischen Beamten in besserer Stellung, die es gibt, werden sogar in dem Bestreben, ihre Söhne in den Staatsdienst zu bringen, hinter den evangelischen Kollegen zurückbleiben, weil sie meistens erfahren haben, wie schwer eS für einen Katholiken ist, im preußischen Dienste in die Höhe zu kommen." Ob diese Voraussetzungen zutreffen oder nicht sind wir nicht in der Lage zu prüfen. Wenn aber die Schwierigkeit, im preußischen Dienste in die Höhe zu kommen wirklich Grund für eine geringere Betheiligung am höheren Studium ist, dann wird der rege Bildungstrieb der Juden ein vollendetes

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