Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 42 (28.5.1894)
- Date
- 1894-05-28
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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sein müsste, das sie znr Ans Wanderung treiben würde, während sie selbst doch gerade daraut ausgingen, Palästina mit Juden zu bevölkern. So sorgten die „Zionsfreunde“ für ihre Schützlinge, die Kolonisten, blieben aber auch dessen eingedenk, dass man die jüdische Stadtbevölkerung Palästinas nicht hilflos lassen dürfe. So standen die Sachen, als in Kattowitz der Kongress zusammen trat. Hier hatte man einflussreiche und zugleich erbitterte Feinde zu bekämpfen, dort galt es, neben den Kolonisten 34000 Stadtarme in Palästina zu versorgen. Angesichts dessen konnte man natürlich nicht daran denken, schon jetzt eine Massenemigration nach dem heiligen Lande zu leiten, man musste die Lösung der Hauptfrage: „Wo hinaus?“ vorerst noch vertagen. Man schied also einstweilen Auswanderung^ und Ansiedelungsfrage noch von einander, man wies die jüdische Jugend, welche sich auffallend gefügig zeigte, an, ihren schwärmerischen Drang nach Palästina noch zu züglen, vor allen Dingen wehrte man dem Auswandererstrom jüdischer Tagelöhner, Kleinkrämer und Handwerker, der sich von Russland aus nach Palästina ergiessen wollte. Man belehrte diese Armen und Unterdrückten, welche zu Vereinen und Genossenschaften zusammentraten, sparten und darbten, um nur den geringfügigen Monatsbeitrag von 30 bis 50 Kopeken pünktlich entrichten zu können, dass diese armseligen Beiträge ja doch nie jene Riesensumme ergeben könnten, welche eine gehörige, vernünftige Ansiedelung erheischte. Man vertröstete diese Leute auf eine bessere Zukunft, und suchte für den Augenblick den Wirkungskreis einzuschränken, ohne dabei doch die eigentlichen, grossen Ziele, die man sich gesteckt hatte, aufzugeben oder nur ausser Acht zu lassen. Man strebte vorläufig also erst darnach, die Genehmigung der Behörden einzuholen, und suchte ferner, den jüdischen Mittelstand und die jüdischen Vertreter des Grosskapitals für die Kolonisations- Idee zu gewinnen. Es gereicht den breiten unteren Schichten unserer glaubensgenössischen Bevölkerung zum Ruhme, dass sie sich ohne Murren fügten; sie, denen der russische Boden unter den Füssen brannte, liessen sich hinsichtlich der Auswanderung, welche sie heiss ersehn- I ten, willig beschwichtigen und auf später vertrösten, — sie blieben, um nicht das grosse Ganze zu gefährden. Es ist dies eine keineswegs gleichgiltige odergeringwerthigeThatsache; zeigt sie doch, wie viel Gemeinsinn in jenen als roh und verkommen verschrieenen Massen herrscht, wie hier der Einzelne das Sonderinteresse aus Liebe zur Gesammtheit und in ihrem Dienste gern in den Hintergrund drängt. Weniger fügsam erwies sich die Jugend des jüdischen Russlands, die, wie wir wissen, einen hervorragenden Factor der ganzen Bewegung bildete. Diese Brauseköpfe voll Thatendnrst und Unternehmungsgeist waren nicht so leicht zurückzuhalten, zumal sie auch keine Familie, für welche zu sorgen ihnen obgelegen hätte, hinter sich hatten. Sie zogen aus, und da sie vermöge ihrer Bildung sich den neuen Verhältnissen leichter an passen konnten, so gelang es ihnen, sich in Palästina zu behaupten und zu bescheidenem Wohlstände emporzuschwingen. Die Emigration der jüdisch-russischen intelligenten Jugend nach Palästina hat schon im Jahre 1884 zur Gründung einer neuen Kolonie in Palästina geführt. Angewidert von der antisemitischen Schmach, entschloss sich eine Anzahl jüdischer Studirender der modernen Civilisation, welche den Antisemitismus nicht zu hindern vermocht hatte, den Rücken zu kehren und als Landarbeiter in Palästina zu leben. Unter der Devise: robji ob npy no („Haus Jaakobs, kommet lasset uns ziehen!“) gründeten sie 1882 einen Verein, dessen Mitglieder in abenteuerlichem Kopfüber nach Palästina zogen, um hier gegen wahre Hungerlöhne als Tagelöhner erst im Dienste der Araber, dann auf den neu errichteten jüdischen Kolonien zu arbeiten. Es mag dieses verzweifelte Vorgehen von jungen Männern, denen zu Hause nach Vollendung ihres Studiums eine glänzende matrielle Zukunft bevorstand, phantastisch erscheinen, aber wo wären alle die grossen Errungenschaften auf dem Gebiete der Wissenschaft und im politischen Leben der Völker, wenn alle Menschen immer nach den Vorschriften der kühl rechnenden Vernunft handeln würden und es gar keine „unpraktischen Idealisten“ und begeisterte Märtyrer gegeben hätte! (Fortsetzung folgt.) Die Altersversorgungs-Anstalt D^pT 2LN.2 in Jerusalem. Jeder Mensch, wess Standes und Ranges er auch sei, sehnt sich von Jugend auf, ein hohes Alter zu erreichen und seine letzten Tage in Ruhe und Frieden verbringen zu können. Die Jugend spornt einen Jeden, mit dem Wunsche, i dass der Allmächtige sein Thun und Lassen segnen möge, zu Thaten an, und wenn der Mensch die Glücksleiter in seinen Jugendjahren nicht erklimmen kann, so ist ihm doch die Hoffnung j auf bessere Tage ein Trost in der Noth, denn