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Der Israelit · 1894-05-25 · Heft 41 (25.5.1894) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 41 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
– (sequence 20)
Language
German
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756 unwiderlegbar erwiesen, daß die Industrie und der Handel in vielen Ortschaften der genannten Gouvernements unter der Wirkung der Judenvertreibung einen rapiden Niedergang zu verzeichnen hatten. So wurden z. B. in Jeletz in Folge der Judenausweisungen eine Glas- und eine Kerzenfabrik geschloffen, was die Entlassung von 1800 orthodoxen Arbeitern herbeiführte. Auch sank seither der Getreidehandel im Gouvernement Orel auf ein Minimum herab, während er früher tausenden und tausenden von Personen als Erwerbsquelle diente. Von antisemitischer Seite wurde die Schließung von Fabriken, der Rückgang der Geschäfte rc. einfach todtgeschwtegen. Nunmehr aber werden aus officieller Quelle Daten veröffentlicht, welche die Antisemiten nicht ignoriren können. In erster Reihe stehen in dieser Hinsicht die Berichte der offictellen Organe des russischen Finanzministeriums, der „Torgowo Promyschlennaja Gazeta" über den Niedergang der Manufacturindustrte in der Stadt und im Bezirke Moskau. Das ministerielle Organ constatirt mit seltener Offenheit, daß die Ausweisung der Juden aus Moskau der dortigen Manufacturindustrie einen großen Schaden zugefügt hat. Dadurch haben die Moskauer Fabrikanten ihre Kundschaften an die Eon currenten in Warschau und Lodz verloren; die Manufacturfabrikcn in den letztgenannten Städten mußten in Folge der Anhäufung von Bestellungen jüdischer Commissionäre die Zahl Hrev- Arbeiter verdoppeln, während die Moskauer Fabriken die Zahl ihrer Arbeiter bedeutend reduciren mußten. Einige Moskauer Fabrikanten, wie Morosow, Knsnezow 2c., waren sogar gezwungen, den ausgewiefenen Juden in das Niederlaffungsgebiet zu folgen und dort Filialen iürer Geschäftshäuser zu eröffnen. Was das officielle Organ Wittes jetzt berichtet, das haben die Moskauer Fabrikanten schon vor Jahren dem Ministeriuul des Innern eröffnet, ohne daß Herr Darnowo ihren Beschwerden Gehör geschenkt hätte. Daß Witte nunmehr diesen Klagen Publicität verleiht, ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Aus wirthschaftlichen Gründen hat der Finanzminister sich letzthin auch zu Gunsten der Juden im Turkestangebiete ausgesprochen. Das Kriegsministerium hatte bereits 1891 ein Project ausgearbeitet, wonach die Rechte derselben beschränkt werden sollten. Dieses Project mußte dem Finanzministerium unterbreitet werden, weil die darin vorgeschlaqenen Beschränkungen die Interessen dieses Ressorts berührten. Aus Grund dreijähriger Beobachtung der industriellen Thätigkeit der mittelasiatischen Juden seitens der Organe dcS Finanzministeriums gelangte Witte zur Ueberzeugung, daß die vorgeschlagene Bexation der Juden eine Schädigung des Handels und der Industrie des Turkestangebietes nach sich ziehen würde. Dem Projecte Wanowskij's wurde deshalb die Zustimmung des Finanzministeriums verweigert. Bemerkenswerth ist auch eine Aeußerung der amtlichen „Jekaterinoslawskija Gubernskija Wjedomosti", welche über den völligen Niedergang des Getreidehandels in Taganrog Folgendes schreiben: „Mit der Einbeziehung des Bezirkes Rostow in das Gebiet der Donkosaken, wodurch die Juden aus demselben auswandern mußten, hat die Stadt Taganrog, dieses frühere Füllhorn für die Getreidehändler dieses Gouvernements, jede Bedeutung verloren, die nunmehr die Stadt Mariupol, wo den Juden der Aufenthalt gestattet ist, zu erwerben beginnt." Deutlicher kann man sich über die verhängnisvollen Folgen der Judenausweisungen für Handel und Industrie nicht äußern, als es im Organe des Gouvernements von Jekaterinoslaw geschieht. Vermischtes. Aus dem Rabbinat Brette«. Herr Bezirksrabbiner Schleßinger in Breiten, der von Zeit zu Zeit zur religiösen Anregung homiletische Reden an die Gemeinden seines Rabbinatssprengels versendet, hat auch in neuester Zeit eine solche und zwar diesmal aus der jüdisch-religiösen Geschichte für die Synagogen zur Verbreitung gelangen lassen. In dem Grundgedanken der Gemara von Pesachim HDD Npi&sa to\s führt uns der Verfasser verschiedene Josephe aus Israels reicher Vergangenheit zu dem Zwecke der Belehrung vor, daß nur durch die Erkenntniß und Pflege des Religionsgesetzes sich der Israelit von Anderen gleichen Namens würdig unterscheidet.r Bromberg. Wenn Ben Akiba sagt: „Alles schon dagewesen!" so möchten wir in dem vorliegenden Fall jene Behauptung doch bezweifeln. Der Kultusbeamte Translateur in Carlsruhe in Schlesien ist zum Stadtverordneten gewählt worden. Dies dürfte wohl der erste Fall sein, daß ein jüdischer Beamte dieses Ranges Sitz und Stimme bei der Verwaltung der Commune hat. Der Verein noN rmn hid» in Oedenburg" (Ungarn) baute ein großes und geräumiges itmon rvu, welches am “TN n""i in feierlicher We.se eingeweiht wurde. Um den Bau hat sich insbesondere Herr Rosenberger verdient gemacht. Die Herren Rabbinen Ehrenfeld, Friedmann und Grünwald hielten der Feier entsprechenden iwn, welche die zahlreich Versammelten in Begeisterung versetzten. Beim Festesten am Abend wurden die Theilnehmer außer mit verschiedenen Toasten mit vielen min nm erfreut. Herrmann Horwitz. Lebensversicherung Gesellschaft zu Leipzig, gegründet 1830 (Alte Leipziger). Das Jahr 1893 ist für die Gesellschaft wiederum ein in jeder Beziehung günstiges gewesen. Der Zugang an neuen Versicherungen war ein reichlicher und das finanzielle Ergebniß übertlifft das aller früheren Jahre. Es sind an Versicherungen auf den Todesfall und auf den LebenSfall insgesammt 5904 Versicherungen mit 41,368,700 M. beantragt worden, zum Abschluß gelangten 4868 Versicherungen mit 33,733,400 M. Der reine Zuwachs an Versicherungen hat 2295 gierfanen, versichert mit 22,002,250 M. betragen, und der Gesammtversicherungsbestand ist auf 59,153 Personen, versichert mit 405,897,100

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