Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448448--38578-2486691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
760 (Für diejenigen, welche sich zur Aufnahme in die Unterstiitzungskasie melden wollen, sei hier bemerkt, daß Aufnahmegesuche an den Vorsitzenden, Dr. Samuelsohn, zu richten und diesen beizusügen sind: 1. Die Bescheinigung, daß der Aufnahme Suchende an einer Schule ist, die mindestens unter Aufsicht der Gemeinde steht, 2. ein Gesundheitsattest und 3. ein Allersnachweis für sich und seine Familienglieder.) 3. Um 11 Uhr begann die 16. Hauptversammlung des Vereins iSrael. Lehrer in Schlesien und Posen. 1. Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden, giebt seine Freude über das zahlreiche Erscheinen der Anwesenden zu erkennen und giebt eine Uebersicht über die VereinSverhältniffe. Leider hat der Verein drei Mitglieder durch den Tod verloren, die Versammlung ehrt deren Andenken durch Erheben von den Sitzplätzen. Es sind neu zugetreten 8 Mitglieder, so daß die Zahl derselben sich jetzt auf 128 beläuft. 2. Hauptlehrer Herbst-Liffa ertheilt den Kaffenbericht, nach welchem die Einnahmen einschließlich eines kleinen Bestandes aus dem Vorjahre 88,65 M.. die Ausgaben 85,55 Mk. betragen haben, so daß fürs Jahr 1891 ein Bestand von 3,10 Mk. verbleibt. Nach Prüfung der Rechnung wird dieselbe als richtig befunden und dem Kassierer Decharge ertheilt. 3. Vorstandswahl. Herbst-Lisia bittet die Versammlung, zum Schriftführer ein anderes Mitglied und zwar ein in Breslau wohnendes zu wählen. Er könne eine etwaige Wiederwahl nicht annehmen, da ihm, wie dem Vorsitzenden, die Geschäftsführung zu sehr erschwert sei, weil sie nicht in einem Orte wohnen. Für dieses Amt recht geeignet wird von einer Seite Herr Dr. Samter-Breslau, von anderer Seite Herr Dr. Louis Neustadt-Breslau vorgeschlagen. Statt der vorgeschriebenen Zettelwahl schlägt Herr Dr. Guttmann-BreSlau vor, durch Zuruf zu wählen, und zwar zum Vorsitzenden wie bisher Herrn Dr. Samuelsohn, zum Beisitzer an Stelle des Herrn Dr. Cohn, dem seine Angelegenheiten nur selten die Anwesenheit in den Versammlungen gestalten, den bisherigen Schriftführer Hauptlehrer Herbst-Lisia. Die Versammlung ist hiermit einverstanden. Zum Schriftführer werden durch Zettelwahl abgegeben: für Dr. Louis Neustadt 14 und für Dr. Samter 21 Stimmen, letzterer ist somit gewählt und nimmt die Wahl an. Herbst-Lisia schlägt hierauf im Anschlüsse an den gegebenen Kassenbericht, in welchem er gezeigt hat. daß die hauptsächlichen Unkosten durch den Druck der Einladungen und Protokolle, sowie das Porto für die Versendung der Druckschriften entsteht, vor, daß die Einladungen sowohl wie die Protokolle nur in den jüdischen Zeitschriften abgedruckt werden möchten. Er sei überzeugt, daß die Redaktionen dieser Blätter, von denen doch jedes Mitglied des Vereins mindestens eins lesen müsse, diese Vereinsnachrichten gern und kostenlos aufnehmen würden; vom „Jeschurun" und der .Wochenschrift" sei dem Verein schon wiederholt solch freundliches Entgegenkommen bewiesen worden?) — Hierzu werden die verschiedenartigsten Vorschläge von den Herren Prof. Dr. Badt, Tintner, Dr. Dr. L. Neustadt, Wreschner, Guttmann und Rosenthal gemacht. Die Versammlung spricht sich schließlich dahin aus, daß wie bisher Einz^labdrucke stattfinden sollen, dem Vorstande aber der Modus der Ausführung zu überlassen sei. Gelegentlich dieser Debatte erwähnt Dr. Wreschner- Samter, daß er im vorigen Jahre nicht verstanden worden sei. Wir lassen daher hier den Wortlaut der auf der vorjährigen Hauptversammlung angenommenen Resolution folgen: „Zu religiöser Vorbildung der schulpflichtigen jüdischen Jugend erachten wir einen wöchentlichen Unterricht im Hebräischen von etwa 4 Stunden für unerläßlich, damit *) Auch wir sind hierzu gern bereit. Red. d. „Israelit". das Heranwachsende Geschlecht mit Verständnis am öffentlichen und häuslichen Gottesdienst theilnehmen könne? 4. Zur Berathung des Entwurfs der Statuten für den D.-J. Lehrerbund hatte sich Herr A. Lewin-Tilstt erboten, ein Referat zu halten. Ec war aber, wie er gestern telegraphisch meldete, am Erscheinen verändert. (Außer diesem Herrn haben ihr Nichterscheinen entschuldigt die Herren: Dr. CohmKattowitz, Lewin-Rosenberg O. S., Cohn-Liffa und Blumenfeld-Schweidnitz.) Der Vorsitzende eröffnet die Generaldebatte. Bernhard-Tarnowitz nimmt das Wort und meint, die Vorfrage sei noch zu lösen, ob wir gewillt seien, einem D -I. L.-B. beizutreten. Hierauf wird erwiedert, daß hierüber bereits auf der vorjährigen Versammlung im bejahenden Sinne beschlossen worden sei. Dr. Braun-Breslau bedauert den Mangel einer gedruckten Vorlage, er könne sich einen rechten Erfolg von dieser Berathung nicht versprechen So sei die Versammlung in der Nothlage, die Vorlage endweder eu bloc anzunehmen oder zu verwerfen. Er schlage aber vor, die Berathung zu vertagen, den Entwurf drucken zu lassen, eine Kommission zu wählen, welche dann der nächstjährigen Versammlung Vorschläge machen solle. Da wir in der angenehmen Lage uns befinden, über einen stattlichen Fonds der Unterstützungskassc zu verfügen, andererseits auch den einzelnen Mitgliedern durch den Bund materielle Opfer auferlegt werden, so bedürfe die Angelegenheit einer sorgfältigen Prüfung. — Eine besondere erregte Debatte entspinnt sich, da nicht nur der hannöversche Entwurf, sondern auch der letzhin in der Allgem. Ztg. d. Judenthums veröffentlichte Becker'sche Entwurf verlesen worden war, über die Frage, ob ein Verband der Volksschullehrer oder aller jüdischen Lehrer gegründet werden solle. Der Becker'sche Entwurf, durch welchen eine sehr große Anzahl (Religions-)Lehrer ausgeschlossen würde, wird allgemein verworfen und dem hannoverschen der Vorzug gegeben. Eine Kommission soll diesen Entwurf berathen und der nächstjährigen Versammlung Bericht erstatten. Die Kommission soll sich zusammensetzen ans den Vorstandsmitgliedern des Breslauer Vereins für Schlesien und Posen und den beiden anderen in diesen Provinzen vorhandenen jüdischen Lehrervereinen, nämlich in Oberschlesien und in den Ostprovinzen. Falls die Delegiertenversammlung aber in diesem Sommer noch einberufen werden und staltfinden sollte, so werden die Kommissionsmitglieder ermächtigt, dieser Versammlung beizuwohnen und nach der heute gegebenen Direktive zu beschließen. Als Ergebnis der sehr lebhaft, oft zu lebhaft geführten Debatte resümiren wir: Die Versammlung beschließt einstimmig: 1. Sämmtliche jüdische Lehrer, also auch die Religionslehrer, welche eine Staatsprüfung nicht bestanden haben, sollen für den D.-J. L.-B. aufnahmeberechtigt sein. 2. Dem Herrn Blumenfeld-Adelebsen ist mitzutheilen, daß die heutige Versammlung wegen Mangels genügender Information nicht imstande war, heute bindende Beschlüsse zu fassen; deshalb möchte der Delegiertentag erst im nächsten Jahre einberufen werden. 3. Die Kommission zur Berathung des Entwurfs setzt sich aus den Vorständen der 3 jüdischen Lehrerverelne in den Provinzen Schlesien und Posen zusammen. Inzwischen ist es 1 Uhr geworden und da die Temperatur eine ziemlich hohe geworden, schlägt Dr. Guttmann vor, die Berathungen bis 4 Uhr Nm. zu vertagen. Dem wird von Herbst widersprochen. Er befürchtet, um 4 Uhr nur sehr Wenige hier wiederzusehen, ist für Fortsetzung der Verhandlungen, evt für den Eintritt einer halbstündigen Pause. Dr. Königsberger, welcher den Vortrag zu halten sich erboten hat, erklärt, daß sein Vortrag kaum mehr als eine halbe 1