Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXT. Jahrgang. M 41. Der Israelit. Ein Genlrak-Hrgan für das orthodoxe IudenIHum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Freitag, de« 25. Mai 5654 (1894). Leitender Artikel. Pie vier Sieöengeöote. Von Rabbiner Dr. H. Sänger. Die beiden Abschnitte -nc« und ma führen uns in vier verschiedenen Vorschriften, die aber inhaltlich Zusammenhängen, die Lehre vom Besitz- und Eigenthumsrecht des Menschen, sowie seine Ansprüche an das Land, das ihm Gott gegeben, vor Augen, zugleich uns die Wahrheit lehrend, daß wir uns nicht nach unseren Ansichten Besitz verschaffen, deS Lebens Bedürfnisse «werben können und dürfen, sondern nur durch die Beobachtung der göttlichen Vorschriften hierüber uns der Segen, die Fülle und die Sicherheit des Besitzes gewährleistet werden. Im Abschnitte to« lautet das erste dieser vier Siebengebote 'jraipn ovai nzxho rwyn d'D' nstw N'n nar wyn vb trrp X“ipD jinar row .DS’nn^iö bM Tb „Sechs Tage sollst du arbeiten, am siebten Tage aber ist Sabbatruhe, heilige Berufung, keinerlei Arbeit dürft ihr verrichten; Sabbat ist dem Ewigen in allen euren Wohnsitzen." Erwerben, besitzen, um sich das Leben so angenehm und genußreich als möglich zu gestalten, das ist in der Natur des Menschen begründet, daraufhin wird er durch des Lebens notwendige Bedürfnisse zuerst gewiesen. In diesen ersten Lebensbedingungen liegt zugleich auch der Segen und das Glück des Menschen, weil er Kräfte und Fähigkeiten des Körpers und Geistes dadurch gebrauchen, entwickeln und vervollkommnen lernt nach allen Richtungen. So sehen wir, daß dir Menschen unter allen Zonen der Erde, in den fruchtbarsten, wie in den unfruchtbarsten Gegenden zu leben und sich einzurichten verstehen. Und wenn sie dabei oft mit großen Entbehrungen zu kämpfen haben, so scheint das nur die Thatkraft um so mehr zu erhöhen, und für Viele liegt sogar eine Befriedigung darin; nicht nur Einzelne lieben Kampf und Gefahr und suchen sie auf, auch ganze Völker haben Gefallen an solchem mühe- und gefahrvollen Leben. Der Werth und Genuß des Lebens wird ja bedingt von dem leichteren oder schwereren Erwerb. Der größte Tyeil der Menschen muß ernst und fleißig streben und bedarf aller Kraft seines Geistes, aller Anspannung seiner Kö prrkräfte, um sich das Nothwendigste immer zu beschaffen. Daher liegt auch die Gefahr nahe, daß die Sorge um den Erwerb dieses Witzigsten den Menschen ängstlich macht, ihn zu Gewalt verleitet, die besseren Gefühle in ihm erstickt, ja, daß er gegen sich selbst, gegen seine Gesundheit handelt, allzusehr sich anstrengt, Math und Vertrauen auf die eigene Kraft sowohl verliert, wie auch das Vertrauen auf Gott, von dem allein die Bedingungen unseres Lebens abhängen. npyn d’ö» obw „Sechs Tage nur darfst und sollst Du arbeiten", erwerben, all Deine Kraft daran setzen, aber der siebente gehört Gott. In allen euren Wohnsitzen, sei es im fruchtbaren, gesegneten Lande, sei es in einem Lande, dessen Boden nur spärlichen Ertrag spendet, oder dessen Gesetze den Lebenserwerb erschweren, gehört dieser siebente Tag nicht Euch, sondern Gott. Euch nicht zum Erwerben, zum Arbeiten; Euch nicht, um zu sorgen und zu kämpfen, sondern Gott geweiht muß er bleiben, Ihm, der Regen und Sonnenschein in Seiner Hand hält, Ihm, der den Keim sich entfalten, die Saat wachsen und reifen läßt. Schafft und müht Euch, wo Ihr schaffen müßt; pflügt und säet und pflanzet und vertraut, daß Gott der Natur freien Lauf läßt, sie nicht hemmen wird in ihrer Thätigkeit. Nicht von Euch allein hängt der Erwerb ab, nur Gottes Segen bringt Gedeihen Eurer Arbeit. Darum dient nicht Euch, glaubt