Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 40 (21.5.1894)
- Date
- 1894-05-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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' /-'% >■ H, XXXV.^Jahrgang. Jf2 40. Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet von Vr. Lehmann in Mainz. Montag, den 21. Mai 5654 (1894). Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint Feiertags halber Freitag, den 25. Mai. Leitender Artikel. Sprüche der Wäter. Fünftes Buch. XV. Mainz, den 20. Mai. .paai noana udd ^rur »o naio ir« üan „Der Wetse spricht nicht in Gegenwart von Jemand, der größer ist an Weisheit und an Zahl der Jahre (oder Schüler)." Das ist das erste der sieben Kriterien eines Weisen. Zur richtigen Würdigung desselben muß wieder holl daran erinnert werden, daß unter noan Weisheit, lediglich minr. noan, die WerShelt tn der Thora und die Unterordung von Geist und Gemüth, von Wort und That unter die erlernten Satzungen, hier und anderwärts verstanden wird, noan Weisheit tn diesem Sinne gefaßt, ist somit nicht durch menschliche Einsicht und Vernunft zu erlangen, sondern etwas, das nur Gott allein besitzt und nur von Gott allein gegeben werden kann. Wir werden dies an einem Beispiel erläutern. Gott hat uns in der Thora z. B. Wolle und Leinen vermischt zu tragen verboten. Die mündlich überlieferte Thora präcisirt dieses Verbot, indem sie die Art und Weise angiebt, in welcher die Mischung verboten und gestattet ist, die Art und Weise der Bekleidung, bei welcher dieses Verbot eintritt, die Veranlassungen, bei welchen es ganz zurücktritt, kurz alles, was zur Beobachtung dieses Verbots nach allen Seiten hin erforderlich ist. Die Weisen haben noch eine Anzahl von Arten der Verbindung zwischen Wolle und Leinen untersagt, die von dem Verbot der Thora nicht betroffen sind. — Um nun zu ergründen, warum wohl die Bekleidung von Wolle und Leinen in dieser Form uns verboten und in anderer Form uns gestattet ist, dafür reicht menschliches Wiffen und menschliche Denkfähigkeit nicht aus. Alle Philosophie und Metaphysik, alle Kenntniß der Botanik und Zoologie, der Psychologie und Physiologie wird die wahre Ursache dieses Verbots nicht ergründen können. Das weiß nur der Schöpfer der Menschenseele und des Menschenkörpers, der Thierwolle und der Pflanzenfaser, daß und wie die Verbindung der letzteren von Einfluß auf die ersteren ist. Beranlaffung und Bedeutung des einen Schaatnes-Gesetzes in seiner letzten Ursache zu erkennen, würde einen Schatz von biologischen Kenntniffen und einer ganzen Reihe von andern wissenschaftlichen DtSciplinen voranssetzen, von welchen unsere Schulweisheit keine Ahnung hat. Wüßten wir alle diese Vorstellungen unb Beziehungen zwischen der Mischung von Wolle und Leinen einerseits und dem menschlichen Organismus andererseits, so würde uns diese Wissenschaft von selbst dazu fühl en keine aus Wolle und Leinen gemischte Kleidung zu tragen. Die praktische Konsequenz dieses Wissens, seine Blüthe wäre das Schaatnes—Verbot und die Frucht wäre seine gewiffenhafte Beobachtung. Nun fehlt uns aber die Fähigkeit auf diesem Weg zur Erkenntniß der Wahrheit zu gelangen. Deshalb hat uns Gott die Blüthen und Früchte aller Weisheit gereicht, indem er uns das Gesetz unseres Lebens durch Offenbarung seiner Thora anvertraut hat. Sie ist der höchste Gipfelpunkt aller Weisheit, wie sie aber nur Gott besitzen und lehren kann. Die 613 Gebote und Verbote der Thora umfassen die Gebiete allen Wissens und gehen weit über alle menschliche Weisheit hinaus. Es ist daher keine Uebertreibung, wenn die Weisheit der Thora als Inbegriff aller Weisheit gilt. Wie erlangt man nun diese Weisheit? Einfach dadurch, daß man sich die Worte der Thora aneignet, daß man ihre G.bote und Verbote kennen lernt, wie sie in der schriftlichen Thora kurz