Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 38-39 (16.5.1894)
- Date
- 1894-05-16
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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~r^l 4M!;i.-*te-.«J.VJ?T^ WZ?r*'*5HEi, modern; sie erwies sich als modern genug, um erfolgreich dem Nihilismus entgegenzutreten und seine Bewegungen theilweise lahm zu legen. Wie konnte es auch anders sein! Waren doch die ersten „Zionsfreunde“ Männer, welche den gesummten Bildungsgrad, den das Ende unseres Jahrhunderts zu bieten vermag, in sich aufgenommen hatten, während die Verfechter des Alten gerade die Reihen ihrer Gegner verstärkten. Es handelte sich eben nicht um Orthodoxie oder Reform; im wahrsten Sinne drehte sich hier Alles um die Frage: Sein oder Nichtsein? Etwa sieben bis acht Millionen Juden, die überwiegende Mehrheit unseres Volksstammes, hat die Kolonisation Palästinas als die einzige Möglichkeit einer rationellen Lösung der Judenfrage erkannt. Die erwähnten „Frommen“ („Chassidim“) konnten diesen Ausweg nicht finden; standen sie doch abseits von allem modernen Leben, unberührt von allen Gebilden und Interessen zeitgenössischer Civilisation! Aber der hochgebildeten jüdischen Intelligenz, welche mit Verständniss das Leben der Gegenwart begleitete, musste und konnte sich diese Erkenntniss erschließen, dass sich die Judenfrage nur von innen heraus, durch die Juden selber regeln lasse. Neben den eben geschilderten Gegnern waren es namentlich die in Palästina selbst ansässigen Juden, welche als Gegner der „Zionsfreunde“, in gewissem Sinne als ihre Konkurrenten auftraten, sie, die ja, wie wir wissen, von den Wohlthaten ihrer Glaubensgenossen, von den Spenden, die diese allenthalben für „Erez-Jisrael“ steuern, leben. Sie waren viel zu kurzsichtig, um einzusehen, dass sie selbst in erster Linie davon profitiren müssten, dass es ihr eigenster Vortheil wäre, wenn Ackerbau und Industrie sich in Palästina entwickeln, wenn dort ein wohlhabender jüdischer Bauernstand sich heranbilden würde. Sie sahen bei der Kleinlichkeit ihrer Interessen nur das Eine, dass die „Spenden“ für sie spärlicher Messen würden, wenn sich in weiteren Kreisen das Interesse den auf dem flachen Lande redlicher Bodenarbeit obliegenden Kolonisten zu wenden würde. Und dies musste natürlich verhindert werden. Keineswegs zu unterschätzen waren die Waffen, die sich hier den „Zionsfreunden“ entgegenstreckten, die Kampfesmittel durchaus nicht gering. Tausende und abertausende von lithographirten oder hektographirten Schmähbriefen wurden von dem „heiligen Lande“ aus gegen die „Zionsfreunde“ in die Welt gesandt, man verlästerte sie als Ketzer, als Gottesleugner, als heimliche Feinde, die nur darauf ausgingen, die „heiligen Gemeinden“ in das Verderben zu stürzen und das Judenthum selbst zu untergraben. (Fortsetzung folgt.) Notizen. Jaffa. Während es unseren Glaubensbrüdern in Palästina bisher nicht gelungen, für ihre Produkte annehmbare Marktpreise zu erzielen, verstehen ihre andersgläubigen Konkurrenten, wiez. B. die deutschen Tempelkolonisten, ihre Produkte in Europa vortheilhaft abzusetzen. Es ist dies ein Beweis dafür, dass unser Land in agrikultureller Hinsicht wohl exportfähig ist, wenn nur der Export überhaupt in die richtigen Hände gelegt wird. Dasselbe gilt auch von den Industrieerzeugnissen. Es ist daher sehr erfreulich, dass ein hiesiger jüdischer Grosshändler seinen längst gefassten Plan jetzt realisiren wird, seinen Erfahrungen bezüglich des palästinensischen und europäischen Handels zu Nutze zu machen und palästinensische Produkte zu exportiren. Es beabsichtigt, zu diesem Zwecke hier oder in Jerusalem ein Musterlager in diesen Artikeln zu errichten. Wir zweifeln nicht daran, dass die Sache in die richtigen Hände gelangt ist, und dass sich mit dem rentableren Verkaufe der Produkte auch die Lage der Producenten heben wird. Kolonie mpn nnD. Seitdem sich die Administration des Baron Edmund v. Rothschild hier befindet, hat sich das Aussehen der Kolonie bedeutend gehoben. Die Strassen wurden geebnet, und zu beiden Seiten derselben Bäume in stattl eben Reihen gepflanzt. Im vorigen Jahre ist eine Strasse hin- I zugekommen, und jetzt bahnt man wieder eine I neue. Den Bau der letzteren hinderte anfänglich ein Privatgebäude, welches jetzt vom Eigenthümer um den Preis von tausend Francs den Kolonisten über assen wurde. Am Ufer des Flusses, welcher die Grenze der Kolonie bildet, pflanzte die Administration eine Baumschule. Es ist dies ein sehr schönes Plätzchen, welches auch fruchtbare Erde aufweist und leicht zu bewässern ist. Unter den Kolonisten von mpn nnc Sind 28, welche seit dem Jahre 1883 von den „Zionsfreunden“ unterstützt wurden, die jetzt ganz der Administration unterstehen. Ein angesehener arabischer Grossgrundbesitzer will zehn jüdische Feldarbeiter auf seinen bei Sichern liegenden Gütern beschäftigen und ihnen den Lohn, welchen sie in den jüdischen Kolonien erhalten, bezahlen, weil er dadurch auf seinen Grundstücken eine bessere Wirthschaftsart einzuführen hofft. Der Bau der Eisenbahn Beirut-Damaskus schreitet rüstig vorwärts. Der Grund und Boden des Barons Edmund v. Rothschild in Golan ist drei Stunden von der Bahnlinie entfernt. Berichtigungen. In Nr. 511, Seite 84, Kolumne 2, im Briefkasten, Zeile 6, muss es statt können Sie, können Sie heissen. In Nr. 512, Seite 87, Kolumne 1, Zeile 7 v. o., soll es statt konnten sie, sie konnten heissen. Druck der Joh. Wirth’schen TUfbuohdruekerei, Actien-Geaellschaft, Kainz.