Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 38-39 (16.5.1894)
- Date
- 1894-05-16
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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721 aus dem 17., 16. und 15. Jahrhundert die Aufmerksamkeit der zahlreichen Besucher. Fünfzig Jahre verwendete der ehemalige Kapellmeister der Opern- Kapelle und des Hofs unter Napoleon III, Isaak Strauß, darauf, diese Sammlung zu Stande zu bringen. Strauß, der Freund Bellinis, Donizettts und Rossini's, empfand für Kunstgegenstände ein lebhaftes, durch einen hohen Geschmackssinn geleitetes Interesse. Kürzlich wurde diese Sammlung von der Baronin Nathaniel von Rothschild, in deren Besitz sie gelangt war, dem Cluny Museum zum Geschenk gemacht. Die Sammlung enthält ungefähr 120 Gegenstände. Eine Bundeslade zum Aufbewahren der Gesetzesrollen in Gestalt eines Schranks, dattrt aus der Zeit der italienischen Renaissance und stammt aus der Synagoge von Modena. Sie ist aus Nußbaumholz in gothischem Stil gebaut und weist 54 durchbrochene Schnitzereien, ebenfalls in gothischem Stile, auf. Das Ganze wird von roth, schwarz- und goldgefärbten Rumpfsäulen getragen. Der Kasten ist 2,65 Meter hoch und 1,30 Meter breit. Reben der Bundeslade befindet sich ein Vorlesepult, in dessen Mitte ein Wappenschild einen gemalten Leoparden zeigt. Auch dieses Stück rührt, wie die „F. Z." im vorigen Jahre berichtete, aus der Synagoge von Modena her und ist in demselben Stile wie die Bnndeslade. Reiche Familien pflegten in ihren Wohnungen Betsäle mit tragbaren Bundesladeu zu unterhalten. In der Sammlung bcfi idet sich eine solche ans getriebenem Silber mit Blumenverzterungen und mit farbigen Steinen in der Mitte. An den vier Ecken derselben sind vergoldete Rumpfsäulen der Aufsatz trägt eine Kröne und der Vordertheil läuft in eine KiNderaestalt aus, die ein Musikinstrument hält. Das Stück stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts und ist 0,56 Meter hoch und 0,21 Meter breit. Es enthält die mit der Wimpel umhüllten Gesetzrollen. Die Wimpel, lange Leinwandstrerfen auf denen der Name und Geburtstag eines jeden Knaben gestickt waren, bildeten eine Art von Geburtsregister, dessen man sich auch noch während der Revolution bediente, um den Ctvilstand der zum erstenmal kriegsdienftpflichtigen israelitischen jungen Leute sestzustellen. Ferner enthält die Sammlung ungefähr 15 Leuchter mit 7,8, und 9 Armen, aus Holz geschnitzt, von Silber oder von Kupfer. Einer derselben, etwa 0.56 Meter hoch und aus Silber, besteht aus einem von vier Löwen, die Schilde halten, getragenen Sockel, von welchem eine Säule emporragt, von der sich wiederum nach beiden Seiten je 4 Arme abzweigen. An jedem Licht- Näpfchen ist ein symbolischer Gegenstand dargestellt und über der mittleren Säule befindet sich eine Krone, auf der Judas der Maccabäer in der einen Hand ein Schwertlund in der anderen den Kopf des Generals Lystas hält. Zwei andere Leuchter zeigen ein buntes Gemenge von profanen und christlichen Stoffen: einen Pelikan, Delphine, einen Medusenkopf, und einen eine Nymphe entführenden Centaurus. Ferner sind sehr schöne Gewürzbüchsen für die Sabbatscheide zu sehen. Die gewöhnlichste Form einer solchen Gewürzbüchse ist die eines viereckigen Thurms mit Erkern und einer Spitz», ans der die Kerze befestigt wird. An einigen Exemplaren hat der Künstler auch den Becher für den Segenspruch in einer Kreisscheibe angebracht. Die Büchsen sind theils aus Silberfiligran, mit farbigen Steinen und Emallbildern geziert, welche Szenen aus der Bibel darstellen, theils aus getriebenem Silber, von Kupfer. Bronze 2c.; sind von einer Figur als Kerzenträger überragt. Neben den Büchsen befinden sich sechs silberne, sehr fein gearbeitete Ornamentenplatt.n, auf denen allegorische Figuren eingegraben sind. Ferner bemerkt man Zeiger Städchm (zum Lesen der Bibelrollen) von kostbarem Metall; am Ende eines jeden ist eine Hand mit gestrecktem Zeigefinger. Eines Vieser Stäbchen ist aus bluthrothem Jaspis, auf dem bebrätsche Sinnsprüche mit Goldbuchstaben einsind und an dessen Ende die goldene Hand angebracht. Ein anderes besteht aus einem Schaft, auf dem ein Löwe mit der Gesetzrolle und eine Krone mit Palmen und Blumenverzierungen angrbracht sind, zwei andere Löwen klettern einen mit Blüthcn und Früchten beladenen Baum hinan; darüber befindet sich eine vergoldete silberne Kugel, aus der eine Reihe von Blättern und Früchten emporwachsen. Ein Kegel und eine Kugel, beide von Silber und durchbrochener Arbeit, bilden endlich den Uebergang zur Hand. Ferner steht man viele Verlobungsringe. Der Bräutigam pflegte der Braut einen solchen zu schenken. Die Form derselben ist sehr massiv; fast alle tragen eine Art von Dach in der Form eims Prismas und bisweilen einen Löwen; die meisten sind aus emaillirten Gold und von großem künstlerischen Werth. Auch die Beschneidungswerkzeuge wurden bisweilen in Kunstobjekte verwandelt. Der Griff des Messers ist ciselirt oder gravirt. Ein Becher stellt in seiner Höhlung die Ceremonie der Beschneidung dar, .an welcher 6 Personen theilnehmen. Ferner enthält die Sammlung eine vergottete silberne Krone, welche im Jahre 1780 vom Rabbtner Abraham und Sarah Kahn gestiftet wurden, silberne Büchsen zum Aufbewahren des Paradiesapfels, vergoldete Becher Schmucksachen für die Gesetzrolle, Rtechbüchschen, Sparbüchsen, Statutten von Moses und Aaron, Siegel, Amulette, Ketten, Gebetbücher und dgl.