Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-05-16 · Heft 38-39 (16.5.1894) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 38-39 (16.5.1894)
Date
1894-05-16
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448446--38527-2486638
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ie.aR«us94i Mllrkr. Vsilrss m M. iS * i9. lR-» dasL^ A 69 N^a^W [•OM 0 S E S \> ßö&si «MWMZ -MW ■<.J:&änmn9K>; ■&+ Ein Märchen, *■* Von G. I. in N. Es war einmal ein Vater, der hatte dret Söhne und einstens, als er fühlte, daß sein Ende nahe war, rief er seine Kinder zu sich und sprach zu ihnen: „Meine Söhne! Ich kann nicht immer bei euch bleiben und gar bald wird die Stunde kommen, in der ich zu meinen Vätern werde versammelt werden. Ich hinterlaffe euch einen geordneten Haus? halt, ein blühendes Geschäft, das Vieh im Stalle und die Aecker und Wiesen draußen in Gottes weiten Fluren. Seid brav, wie bisher, u. wandelt in den Wegen Gotüs. Wenn ihr je in eine unglückliche Lage kommen solltet, so vertrauet auf ihn, I Auer wird euch in der Noth beistehen, wie er eurem Vater oft geholfen hat, in jedem Falle suchet das Haus, in dem ihr geboren wurdet, in dem eure Eltern und Ahnen lebten und wirkten, in eurem Besitze zu erhalten." Bald darauf verschied der gute Vater. Eifrig waren die Söhne bestrebt, in den Bahnen zu wandeln, die ihr Vater ihnen vorgezeichnet hatte und lebten so glücklich und zufrieden mit einander. Doch gar bald sollten sie des Lebens Schattenseiten kennen lernen. Ein feindliches Heer kam in's Land und durchzog es raubend und mordend; auch das Städtchen, in dem unsere Brüder wohnten, blieb nicht verschont. Die Bewohner flohen und als sie zurückkamen, fanden sie alles in grausigstem Wirrwarr. Ihre Wohnungen waren demolirtund ausgeplündert. Der Reiche war plötzlich zum Bettler geworden. — Unsere Brüder richteten sich in ihren 4 Wänden ein, so gut es ging, und haderten nicht mit ihrem Geschicke. Hatten sie doch das Haus noch, das sie nach dem Wunsche ihres Vaters zu erhalten suchten. Doch die Zukunft bot ihnen ein trauriges Bild. Kisten und Kasten waren leer; nimmer brummte das Vieh fröhlich im Stalle, Savbat-Mahlzeit. ,Jüd. Leben in Wort u. Bild" v.'Sacher Masoch lVerlag Bensheimer, Mannheim).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.