Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 34-35 (1.5.1894)
- Date
- 1894-05-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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644 r^yy ^41.7,jry' zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate". Der Vorsitzende der Gesellschaft, Herr Leopold Lesser, widmete vor Antritt in die eigentliche Tagesordnung einen tiefempfundenen Nachruf dem Andenken der im verfloffenen Jahre verschiedenen Herren Theodor Friedländer und S. Nelson, die im Vorstande die Aemter eines Schatzmeisters und eines Inspektors bekleidet und für eine gedeihliche Entwickelung der Gesellschaft gewirkt hatten. Hierauf erstattete derselbe Bericht über die Wirksamkeit der Gesellschaft im abgelaufenen Geschäftsjahre. Die Thätigkeit der Gesellschaft — führte er aus — erstreckte sich hauptsächlich aus die Unterstützung und Beaufsichtigung von 106 Lehrlingen, von denen 10 in dem Lehrlingsheim in Pankow utttergebracht seien. Der Leiter der Anstalt, Herr Direktor WilinSki, halte die Lehrlinge zur Pünktlichkeit, Sauberkeit, Fleiß und Ausdauer an. Die Thätigkeit der Gesellschaft erfordere, um allen Ansprüchen gerecht zu werden, große Mittel; allein wir dürfen uns der Hoffnung hingeben, daß unsere Mitglieder aus ihren Kreisen neue Mitglieder zuführen, die unser Werk durch jährliche Beiträge oder einmalige gro&erc Zuwendungen unterstützen würden. In der darauf folgenden Diskussion beantragte Herr Gustav Levy zum sichtlichen Erstaunen der ganzen Versammlung die Auflösung der Lehrlingsheims in Pankow, da er nicht einsehe, welche Erfolge die Anstalt, die große Summen verschlinge, bis jetzt gezeitigt hatte. Herr Dr. Adler führte im Gegensatz zum Vorredner aus: Er sei eine große soziale Aufgabe, die sich die Gesellschaft gerade mit der Schöpfung der Lehrlingsheim gestellt habe. An ihn fei man vor ca. drei Jahren herangetreten, einen geeigneten Leiter für ein gegründetes Lehrlingsheim zu empfehlen. Er habe gleich das Unternehmen mit Freuden begrüßt und den gegenwärtigen Direktor der Anstalt, den er als einen tüchtigen Pädagogen kenne, empfohlen. Er habe seit dem Bestehen deS Heims dasselbe mindestens 25 Mal besucht und könne dem Direktor WilinSki das beste Zeugniß ausstellen. War die vom Vorredner gerügten imensen Ausgaben für die Anstalt anbelange, so verweise er auf die Thatsache, daß die Miethe allein schon die Summe von 1800 Mark jährlich verschlinge. Man vergesse aber nicht, daß in der Anstalt für mindestens noch zehn Zöglinge Raum sei und daß im selben Maße wie die Insassen des Heims zunehmen, die Ausgaben für die Unterhaltung derselben sich geringer stellen würden. Sein Wunsch gehe vielmehr dahin, das Heim aus dem Provisorium in ein Definitivum umzuwandeln und die Machtbefugnisse des Leiters zu erweitern. Die Anstalt würde alsdann segensreich wirken und den Juden nur zum Ruhme und Heile gereichen. Ebenso plaidirte Herr Rechtsanwalt Kraft dafür, daß die Gesellschaft das Lehrlingsheim als ein definitives Institut erklären solle. Die Ausführungen des Herrn Fränkel verdienen besondere Würdigung. Auch er fei — sagte er — der festen Ueberzeugung, daß die Anstalt in Pankow nur dann segensreich wirken würde, wenn sie ein dauerndes Institut der Gesellschaft sein würde. Es gehe jetzt ein neuer Zug durch die preußische Judenheit. Aus allen Thetlen des Landes laufen Gesuche von Jünglingen ein, die sich dem Handwerke gern widmen möchten. Die Gesellschaft unterstütze schon jetzt 106 Lehrlinge, einige und vierzig neue Gesuche liegen vor. Er aber wünsche, daß die Gesellschaft die Lehrlinge zu tüchtigen Arbeitern und braven Juden erziehe, und dies könne nur durch das Lehrlingsheim erzielt werden, wo die Zöglinge unter strenger Kontrole stehen. Er würde schon in der nächsten Vorstandssitzung den Antrag stellen, die Zahl der Zöglinge im Lehrlingsheim zu verdoppeln, zumal er die erfreuliche Mittheilung machen könne, daß deren Unterhaltungskosten auf privatem Wege zum Theil bereits aufgebracht feien. Sanitätsrath Dr. Reumann spricht seine Freude über die Mittheilung des Herrn Fränkel aus, und Herr Adolf Ginsberg ersuchte die Versammlung, dem Vorstande für seine umsichtige Geschäftsführung seinen Dank auszusprechen. Nach dem Kassenbericht und dem Bericht der Revisoren, die beide zur allgemeinen Zufriedenheit auSfielen, erfolgte die Decharge-Ertheilung. Nach einigen vom Vorstandstisch gerichteten Dankesworten an Herrn Adolf Ginsberg, der vor einigen Tagen der Gesellschaft eine Schenkung von 1000 Mark zugewiesen hat, erfolgte die Wahl der Vorstandes der Gesellschaft, der nun aus folgenden Herren zusammengesetzt ist: Leopold Lesser, Rechtsanwalt Dr. Edwin Katz, H. Arons, David Feilchenfeld, Siegmund PinkuS, Markus Adler, Julius Bodenstein, R. Voll, Joseph Fränkel und D. Joseph. Möge die Gesellschaft blühen und sich immer kräftiger entfalten! Der in Budapest seit 23 Jahren segensreich wirkende Bikur-Cholim-Verein, der sich zur Aufgabe gestellt, die in den hiesigen Spitälern befindlichen iSrael. Kranken mit Kofcher-Kost zu versehen und dieselbe allwöchentlich einigemal zu besuchen, hielt am 9. April seine ordentliche jährliche Generalversammlung. Den Vorsitz führte der in allen Schichten der Gesellschaft hochgeschätzte, ob seiner 71 HNT in orthodoxen Kreisen bekannte langjährige Präses Dr. Jacob Schächter, der die Anwesenden in einer längeren herzlichen Ansprache begrüßte. Vorsitzender wies auf den heiligen Beruf deS Vereins hin, schilderte in begeisterten Worten die nVP’DJ man □non und forderte schließlich die Anwesenden auf, die Interessen des Vereins auch fernerhin zu fördern, und den von den hervorragendsten Rabbinen und Gemeinden anerkannten Verein zum Aufschwünge zu verhelfen. Hierauf gelangte durch Vereinssekretär Heinrich Löffler der Jahresbericht zur Verlesung, nach welchen im abgelaufenen Jahre 5337 rituell zubereitete MittagSmahle, bestehend aus Suppe, Fleisch, Gemüse und Brod an arme Kranke unentgeltlich verabreicht wurden. Den finanziellen Bericht betreffend hätte die Jahresbilanz in Folge des großen Krankenstandes mit einem größeren Defizit geendet, wenn nicht von Seite des Moritz W a hrmann'schen Verlaffenschastscomitee's fl. 300 und von der Wittwe des unlängst verstorbenen Ehrenmitgliedes Bernat Deutsch äe Lntvan fl. 100 dem Vereine als hochherzige Spenden zugewendet worden wären. WMn | eigen, ^_ Für den folgenden Theil ist die Redactiou nicht verantwortlich. SlcmÄA Simcm Sz&n&fywvt a. 911. »» 1 - ■■ 15. iyt. nacfi ®JlVu&t** o9*<