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Der Israelit · 1894-05-01 · Heft 34-35 (1.5.1894) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 34-35 (1.5.1894)
Date
1894-05-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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631 England. London. Herr Oberstlieutenant Goldschmidt, Israelit, derselbe, der dem Baron Hirsch in der Regelung der Angelegenheiten der nach Argentinien eingewanderten russischen Familien behilflich war, wurde zum Obersten (Colonel) des 41. Regiments- Distrikts in Cardiff ernannt. Diese Ernennung enthält die Hauptbeförderung zum Range eines Obristen in der englischen Armee. — Im vorigen Monate starb in Bombay (Indien) Herr S. D. Sassoon, der siebente Sohn des bekannten Wohlthäters, David Sassoon. Die ganze Bevölkerung ohne Unterschied des Ranges und Glaubens, trauerte um Einen, der ihr so lieb und theuer war. Da sich die traurige Nachricht bald in der ganz-n Stadt verbreitete, so versammelte sich die jüd. Hauptgemeinde, bestehend aus den Bagdad-, A. men-, Cochin- und Benai-Jsrael-Gemeinden in der Residenz (Banpalao) des Verstorbenen, um im Vereine mit den Andersgläubigen der Stadt dessen Tod zu beweinen. Am folgenden Morgen um 7 Uhr begannen die Ceremonien. Alle jüdischen Geschäftshäuser, Schulen und andere Institute waren den Tag geschloffen. Reden wurden gehalten von den beiden Chachams Jsaac und Samuel, in denen die guten und wohl- Ihätigen Werke, die der Verstorbene verübt hatte, so lebhaft geschildert wurden, daß kein Auge trocken blieb. Eine Stunde darauf setzte sich der Leichenzug mit dem Vortrag des MS von Salomon ben Gabtrol auin to oai» in Bewegung. Die Wagen, in denen die Trauernden saßen, erstreckten sich über lJ/2 Meilen. Im halbm Wege zum Friedhofe wurden wieder Umgänge nnpn um den Sarg gemacht. Am Friedhofe selbst wurde das Kaddisch- Gebet von jedem Anwesenden rccitirt, und das Volk vergoß abermals bittere Thräncn, als die sterblichen Überreste dem Grabe übergeben wurden. Es war höchst rührend, den kläglichen Tönen der Bagdader arabisch-jüdischen Frauen zu hören, die ebenfalls versammelt waren und den pathetischen Gesang anstimmten: „Ruhe in Frieden, und möge deine Seele in Frieden empfangen werden." Herr Sassoon n"y war Friedensrichter und theils Präsident, theils Mitglied sehr vieler industrieller Erziehungsuno Wohlthätigkeitsvereine, alle Tagesblätter ohne Unterschied sprechen den großen Verlust aus, den die Stadt und das Land durch den Hintritt des großen Mannes erlitten hat. ___ Privat-Telegrarrrm des „Israelit". Afchaffenburg, l. Mai. Der Pfarrer und Abgeordnete Dr. Fran k zu Wiesen hat aus der Geheimkanzlei Seiner König!. Hoheit des Prinzregenten Luitpold folgendes Schreiben erhalten: „Ich habe die Ehre, mitzutheilen, wie Seine Königliche Hoheit der Prinzregent Ihre Schrift „Die Schachtfrage vor der bayerischen Volksvertretung" hnldvollst entgegengenommen und mich zu beauftragen geruht haben, Euer Hochwürden für Vorlage Ihrer interessanten Ausführungen Allerhöchst Ihren freundlichen Dank zum Ausdruck zu bringen. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ew. Hochwürden ergebenster Freiherr v. Zoller, Generalmajor und Generaladjutant." — Die kleine Schrift hat in wenigen Tagen nach ihrem ersten Erscheinen bereits die vierte Auflage erlebt. Sprechsaal. Zur Versicherung gegen Stellrnlostgkett. Paris, im April. Sehr geehrter Herr Redakteur! Mit lebhaftem Interesse habe ich die von Ihnen angeregte Gründung eines Vereins für die Versicherung gegen Stellenlosigkeit junger Leute gelesen, ebenso die verschiedenen Kundgebungen hierüber; gestatten Sie nun auch mir meine Ansicht, die auf langjährige Erfahrungen gestützt, in Ihrer geschätzten Zeitung zum Ausdrucke zu bringen. Es ist zuerst festzustellen, woher es kommt, daß es so viele stellenlose junge Leute giebt, die am v"i'i na» nicht arbeiten, da es doch so viele Geschäfte giebt, die am na» auch nicht arbeiten, also diese Leute leicht placirt werden könnten. Die Antwort hierauf ist jedoch eine sehr einfache, weil die meisten der Herren Chefs ihre jungen Leute zu schlecht bezahlen und sich sagen, die Leute müssen froh sein, wenn sie eine Stelle staden, wo am na» frei ist. Mein unmaßgeblicher Vorschlag gebt dahin, daß die orthodoxen Herren Principale sich unter einander verständigen, die von ihnen anzustellenden jungen Leute ebenso gut zu besolden als die andern, die am v"ia na» arbeiten, und wenn dies geschieht, bin ich sicher, daß der von Ihnen angeregte Verein mit sehr bescheidenen Mitteln durchgesührt werden kann.*) 8. Berichtigung. In dem Artikel „die Schlußfeier der Realschule etc." im Nr. 32 und 33 unseres Blattes haben sich zu unserem Bedauern einige Druckfehler eingeschlichen. Absatz 2 Z. 5 st. meinen Bericht l. meine Brust; S. 604 Sp. 2 Z. 12 st. heiligsten l. Heiligsten, Z. 3 von ust. sodamitischer l. sodomitischer; S. 605 Sp. i Z. 17 und 18 st. es ist ja ein Wort des Kampfes und der Entzweiung l. eS ist ja ein Wort des Friedens und der Verständigung und nicht ein Wort des Kampfe- 2 und der Entzweiung. Wir machen gleichzeitig darauf aufmerksam, daß wir einen Separatabdruck der Rede erscheinen laffen, deren möglichste Verbreitung wir für sehr erwünscht halten. *) Jnlnichtjüdischen Kreisen^wird^über schlechte Besoldung der jungen Leute ebenso se'ir geklagt. Red.

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