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Der Israelit · 1894-04-19 · Heft 32-33 (19.4.1894) · page 38

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 32-33 (19.4.1894)
Date
1894-04-19
Page
– (sequence 38)
Language
German
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86 Die Kolonisation Palästinas. Ackerbau in Palästina. (VIII. Fortsetzung.*) „Unser Werk soll Israel läutern von zwei schweren Fehlern, die es im Laufe von zwei Jahrtausenden angenommen und die nun, wie eine zweite Natur, fest in ihm wurzeln, sie, die schon so viel Elend über uns heraufbeschworen haben. Die Vernachlässigung des Ackerbaues ist der eine, der sich allmählich zu dem zweiten anderen, dem Verluste unseres jüdischen Selbstbewustseins gesellt hat. Die Erkenntniss von dem Vorhandensein dieser beiden Schäden möge uns von nun an zur Richtschnur dienen und voranleuchten auf der neuen Bahn, welche uns dazu führen muss, dass wir von allen anderen Völkern, nicht nur als Menschen, sondern auch als Juden geachtet werden. Suchen wir gegenseitige Verständigung und Einigkeit herbeizuführen, ohne welche es uns niemals gelingen wird, unser Schicksal zu bessern, unsere Lage und unsere Lebensweise von Grund aus umzugestalten. Das Land unserer Väter, die Wiege unserer heiligen Religion weckt wieder in uns die schon erloschene Liebe zum Ackerbau. Harte körperliche Arbeit stärkt den Mann und fördert die Eintracht. Sie wird auch uns befreien von den Schlacken, welche uns anhaften, sie bietet die Gewähr dafür, dass unser Werk gelingen und für ewige Zeiten bestehen wird.“ Man beachte wohl, wie weitausschauend der Blick ist, der solches Alles in’s Auge fasst und sich zum Ziele setzt. Nicht damit begnügte man sich, einzelne bestimmte Personen um einer augenblicklichen Nothlage willen in Palästina in Sicherheit zu bringen, auch nicht, um einigen Tausenden von Flüchtlingen ein Heim zu gründen, die brennende Tagesfrage: „Wo hinaus?“ zu lösen. Die „Zionsfreunde“ wollen das ganze jüdische Volk an Haupt und Gliedern reformiren, wollen es wieder erziehen zu harter Arbeit, zum Ackerbau; sie wollen dem jüdischen Stamme seine alte Wurzel mit neuer Lebenskraft erfüllen, einen neuen, kernigen Stand jüdischer Bauern schaffen. Dieser Stand soll neu erblühen, dort an derselben Stätte, an der einst Israel selbst kräftig sprosste, er soll den festen Grundstock abgeben für das aus sich selbst heraus neu erstehende Israel! Und hiermit wäre zugleich noch weit mehr er¬ *) 8. Nr. 510. reicht. In einer solchen, fest auf dem Boden des ehemaligen jüdischen Mutterlandes wurzelnden Bevölkerung würde zugleich aber das ganze Judenthum einen Halt gewinnen. So weit auch unsere Glaubensgenossen zerstreut sein mögen über die ganze bewohnte Erde, — hier fänden wir einen unverrückbaren geographischen und moralischen Gravitationspunkt. Dieses ganze Streben der „Zionsfreunde“ geht — um Alles in einen kurzen Ausdruck zusammen zu drängen — darauf hinaus, die Geschichte des jüdischen Stammes wieder nach Palästina zürück zu verlegen. Welch’ herrlicher, weiter Blick erschließt sich mit diesen Zielen in die Zukunft unseres Stammes! Wahrlich, nicht nur jedes jüdische Herz muss höher schlagen bei diesem Gedanken, ein solches Programm muss auch den Nichtjuden, der edel zu denken und edel zu fühlen vermag, begeistern. Für die Verjüngung, für die Aufrichtung eines alten Culturyolkes zu wirken, das nach heldenmüthiger Gegenwehr einem übermächtigen Feinde politisch erlegen ist, das später ohne eigenes Verschulden seinen gesammten Bauernstand verloren und dadurch auch social in Noth und Elend gerathen ist, eine solche grosse Aufgabe ist geeignet, selbst einen eingefleischten Nihilisten seiner verruchten Sache abspenstig zu machen und sein Herz für sich zu erobern. Kein Wunder auch, dass die „Zionsfreunde“ bald die ganze russische Jugend jüdischer Herkunft zu ihren schwärmerischen Anhängern zählte. Hohnlachend wies Jung-Israel fortan die Sendboten des Nihilismus ab. Es hörte auf die Worte des Dr. L. Pinsker aus Odessa, des bedeutendsten in Russland lebenden jüdischen Politikers, der mit weithin vernehmbarer Stimme den jungen Leuten in Russland zurief; „Mischet Euch nicht in die Politik! Was gehen Euch die „Barfüßler“, was geht Euch der Kampf zwischen Kapital und Arbeit an!“ Die wenigen Juden, welche trotz Allem, was in Warschau, Balta und Elisabethgrad vorgefallen ist, vom Kampfe gegen die Regierung und für den Pöbel immer noch nicht lassen konnten, wurden von l ihren ehemaligen jüdischen Genossen als Rück-

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