Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 32-33 (19.4.1894)
- Date
- 1894-04-19
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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616 geführten ging mir an's Herz und vor Aufregung erstickend, streckte ich ihm die Arme entgegen. „Also . . . davon wolltest Du mit mir reden? Also, auch Du denkst an diejenigen zurück, die Du dort unten gelassen hast. Du findest Dein Loos bitter und verlangst nach der Sonne, nach der Luft der Heimat. Du träumst von Wäldern und Wiesen, und von allen diesen kleinen Wesen, die Du bei Deinem armen Leben nicht einmal die Zeit gehabt hast recht kennen zu lernen? Und heute, wo diese süßen Bilder aus Deinem Gedächtniß sich zu verwischen drohen, willst Du sie Dir festhalten, denn Du fürchtest die Leere, die in Deinem Herzen sein wird, wenn sie verschwunden sind. Soll ich Dir von Allem dem erzählen, willst Du, daß ich Drine Erinnerungen neu belebe und Dir sage, wie es ist bei uns in der Heimat?" „Ach, ja, Herr, ja! ... . deßwegen bin ich gekommen!" . . . Und ganz freudig drückte er mir die Hände und fing an zu lachen wie ein Kind. — „So höre mir zu, Bruder!"- Und Sroul hörte mir zu, lange. So gesammelt war er, daß alle Fähigkeiten seines Wesens sich m eine einzige geflüchtet zu haben schienen: in das Gehör. Offenen Mundes lauschte er, mich mit den Augen verschlingend; und diese Augen verbrannten mich, erregten mein Feuer, entrissen mir Worte, die er gierig trank, um sie in sein tiefstes Herz aufzunehmen. Dort schloß er sie ein, gewiß, denn am Ende meines Berichtes murmelte er schmerzlich: „O weh mir, o weh mir!" Sein rother Bart zitterte, dicke Thränen rollten längs seiner abgemagerten Wangen und lange schluchzte der alte Chastd .... und ich weinte mit ihm. Viel menschliche Thränen sind seit dieser Zeit gefloffen; die kalte Lena hat viel eisige Fluthen dahingewälzt; und doch seh' ich immer, wenn die langen, schweigenden und schlaflosen Nächte kommen, vor mir die bildsäulenartige Gestalt des Baldyga, an der Stirne das Mal des Schmerzes; und immer ihm zur Seite erscheint das gelbliche Gesicht, das gefurchte, in Thränen gebadete des alten Sroul. Und wenn ich aufmerksamer Hinblicke auf diese nächtliche Erscheinung, so ist es mir, als sähe ich die blassen Lippen des Juden sich bewegen; und ich höre seine ruhige Stimme murmeln: „O, Herr .... Belebe den Muth der Gebeugten, belebe das Herz der Niedergeschlagenen." UM" £ht| Für den folgenden Theil ist die Red actio n nicht verantwortlich. Brüssel IFifcr Peüüaeh! 174—176 Chaussee d’Etterbeek. Institut international Kahn.. Schule für Handel, Gewerbe und moderne Sprache«. (Internat.) Gegründet 1863. Bier goldene Medaillen. Erstes Institut dieser Art in Europa. Unbedingte Sicherheit, die französ., enql.. (deutsche) und ital. Sprache schnell und zu gleich. Zeit in Wort und Schrift vollständig beherrschen zu lernen. Kaufmännische Fachbildung, dabei echt relig. Erziehung. Schöne Lage, neue comfortable Gnrichtung, beste Verpflegung. (1265 Prima Referenzen. ein kräftiger Bäckerbursche mit guten Zeugnissen sucht Stelle. Off. sind zu richten an I. L. Feuchtwanger, 2285) München. Aechte Wiener inrUmaarcn^D NN garantirt feinste Qualität, sind stets frisch zu haben nur U. Wiener Wurstwaarengeschäft I. Grast, München, Sporerstraße 4. Ecke Weinstraße. Telephon »0»». (2445 Aufträge werden gegen Nachnahme sofort erledigt. Israel. Pevsionat und höhere Töchterschule, Wiesbaden, Heinrichsberg 4 Nach 16jähriger Thätigkeit im Pensionate der Frau Dr. Leverson eröffne ich nunmehr am 15. Mai ein Institut in Wiesbaden. — Die zu diesem Zwecke eingerichtete Billa entspricht ganz den Anforderungen der Neuzeit und liegt im gesundesten Viertel Wiesbadens. Die besten Referenzen im Jn- und Auslande stehen der Vorsteherin zur Verfügung. Vorläufige Anfragen und Briefe sind bis zum' 24. dfs. Monats an die Vorsteherin nach Cöln, Hohestraste 89/1, zu richten. (166a Hermine* W olff. A. Rothschild, hebräische Buchhandlung, Frankfurt a. M. Börnestrasse 31 empfiehlt zu billigsten Preisen: Chumoschim, Machsorim, Tefil08, seidene u. wollene Talesim, Röckle, Sargenes, Sohaufros, Sifre Tauroh, Tefilin, Mesusos etc. etc. Kunststickerei für (2024 Paroches, Mäntelchen etc. Eigenes Atelier im Hause. C\8r. gepr. Wärterin empfichlt (Sj sich. Off. unter J. B. 78 postlagernd Bogel. (1606 Wildungen. ■vtiD Villa Marx, -ms Mäßige Preise. Vorzügliche Bedienung. Erste orthodoxe Referenzen.