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Der Israelit · 1894-04-19 · Heft 32-33 (19.4.1894) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 32-33 (19.4.1894)
Date
1894-04-19
Page
– (sequence 22)
Language
German
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608 nire und die orthodoxen Gutsbesitzer schädige. Onkel und Neffe sind einander würdig. Neuerdings hat der dirigirende Senat eine „Rechtsbelehrung" publtcirt, die für die Juden in Rußland sicherlich von sehr schlimmen Folgen begleitet sein wird. Diese „Rechtsbelehrung" erklärt nämlich kategorisch, daß sämmtltche Gouverneure im Reiche das Recht besitzen, jeden Kauf- und Pachtvertrag, der zwischen einem Juden und einem Christen in Bezug auf Grundbesitz geschlossen werden sollte, als ungilttg zu erklären, sobald der betreffende Gouverneur die Ueberzeugung gewonnen haben würde, daß derlei Verträge eine Umgehung des Gesetzes bedeuten, das den Juden den Besitz von Grund und Boden untersagt. Gleichzeitig erklärt der Senat, daß den Juden nicht nur in den Dörfern und Marktflecken, sondern auch in Majoratsstädten der Besitz von Grund und Boden nicht gestattet werden darf. Durch diese „Rechtsbelehrung" des Senats, welche auf Anregung des Grafen Jgnatjew ertheilt worden ist, wurde eine Lage geschaffen, die Tausenden von Juden eine kummervolle Zukunft bereiten wird, denn es unterliegt keinem Zweifel, daß nunmehr viele Gouverneure die Lehren des Senats beherzigen in der Weise des Grafen Jgnatew jun., Pachtverträge ungiftig erklären und jüdische Pächter ausweisen werden. vermischtes. Mainz. (54 Jahre in einer Familie.) Auf dem Kreisamte wickelte sich heute eine eigenartige Scene ab. Herr Provinzialdirektor Rothe hatte Fräulein Fanny Frank, die feit 1840, also 54 Jahre, in der Familie der Herren Weingrotzhändler Alex und Fritz Nathan (Firma Ferdinand Nathan) als treue Helferin wirkt, zu sich beschieden und überreichte der Ueberraschten im Aufträge des Großherzogs die Verdienst-Medaille. In herzlichen Worten gratulirte der Herr Provinzialdirektor der in dieser Weise Ausgezeichneten und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie noch viele Jahre der genannten Familie erhalten bleiben möge. Fräulein Frank, die körperlich und geistig noch sehr rege ist, dankte gerührt. Berlin, 12. April. Die von dem bekannten Leipziger Antisemitenführer Theodor Fritsch herausgegebenen „Deutschsozialen Blätter" sind in den Besitz der deutschsozialen Partei übergegangen, da die freireligiöse Tendenz dieses BlatieS von einem großen Theile der Parteigenossen bekämpft wurde. Theodor Fritsch will nunmehr eine neue Monatsschrift herausgeben. Berlin, 7. April. Aus Tilsit wird gemeldet: Eine jüdische Gastwirthsfamilie unweit der russischen Grenze wurde Nachts von Räubern überfallen und dabei Mann, Frau und Tochter erschossen. Ein neunjähriges Kind und eine alte Frauensperson von 92 Jahren blieben beim Gemetzel verschont. Ersteres mußte das Geldversteck zeigen. Der Mörderbande fielen 1000 Rubel in Papier und Silber in die Hände. Leipzig, 13. April. Der Herausgeber und Redakteur der „Deutschsozialen Blätter", Theodor Fritsch, hatte in einem Verzeichniß den hiesigen Theaterdirektor Staegmann als „Jude" bezeichnet. St. sah dies als eine Beleidigung an und erzielte die Verurtheilung Fritsch'S zu 100 M. Geldstrafe. Die französischen Kriegs- und Marineminister haben durch Verfügungen den Soldaten israelitischen Glaubens vom 20. bis 29. April zur Feier des Osterfestes Urlaub gewährt, soweit dieser mit den Forderungen des Dienstes sich vereinbart. Wie aus Bombay gemeldet wird, starb daselbst Herr Salomon D. Saffoon. Dieser Sproß der als „die indischen Rothschilds" bekannten Familie zeichnete sich durch Frömmigkeit, Rechtschaffenheit und Wohlthätigkeit aus, war Mitglied des gesetzgebenden Körpers zu Bombay, Direktor der Bank und Mitglied der Handelskammer. Als Präsident des Tochtervereins der ,,^nKlo-^ervi8d-^.88oeiation" stellte er seine Erfahrung und Sachkenntniß in den Dienst der jüdischen Gesammtheit. W M rl r e Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Stowib §1141 OYl SiaAxkfywvt a. 0TL. — ■"'? - 13. *. schwer 3a iyz,. afCnttuö-ß<z<j stände. 8^t\ -nacA- SHUwUt odt^t Commis-(Mid). Für mein Manufacturwaaren- Geschäft suche ich zum 1. Mai einen jungen Mann, welcher sich für kleinere Landtouren zu machen eignet. SamstagS u. Feiertage geschloffen. Kost u. LogiS im Hause. L. Roseubaum, R o d h e i m a. d. Bieber. (237S MAINZ Gr. Ladenlocalitäte« rc., In, Lage, per sof. od. später ,u vermiekhen. M-Y-r, St-dtb-Usftr. 23/25. Tuch- und Buxkinstoffe ä Mk. 1.75 Pf j per Meter versenden in einz. Metern direct an Jedermann j Erstes Deutsches Tuchversandtgeschäft j Oettinger Sl Co., Frankfurt a. M., Fabrik-Depot.! Muster umgehend franco. (772 > Köchin-Gesuch! Ich suche für ein feines Haus eine durchaus perfecte Köchin, die gute Zeugnisse besitzt, gegen hohen Lohn. Der Eintritt kann alsbald erfolgen. Offerten mit näheren Angaben erbeten an Frau Salamon Traub, Karlsruhe i. Baden, 2433) Kronenstr. 27.

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