Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 32-33 (19.4.1894)
- Date
- 1894-04-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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imi mm. uuii|iwiBA»iji..iiii!MWJW]i. i JWHP^WWPWWi k1 . wwgk':|,. '" > '■' . XXXT. Jahrgang. Mette Kell. zu M 32 5- 33 des „Israelit". Leitender Artikel. Die SüzluMeiev der NealsHile der Israel. Keliglins-Gesellstzast in Frankfurt a. W. Wie alljährlich, fand vergangene Woche in den prächtigen Räumen der Realschule die Schlußfeter des abgelaufenen Schuljahres statt. Wenn schon stets hierbei die Betheiligung eine außerordentlich rege ist, so bewegte diesmal besonders die Empfindung tiefer und dankbarer Freude alle Gemüther, den Leiter der Anstalt, Herrn Direktor Dr. M. Hirsch, den der abgelaufene Winter schwer auf's Krankenlager niedergeworfen hatte, mit voller Frische und Kraft im altgewohnten Wirkungskreise wiederzusehen. Die Worte, mit denen er die 34 Abiturienten und die abgehenden Schülerinnen entließ, fiofien so warm aus der Empfindung und waren so reich an wahrhaftigem Gehalt, daß man wünschen muß, sie möchten sich weiten Kreisen tief in's Herz senken, und es drängt uns daher, sie hier wiederzugeben: „Wenn ich in dieser Scheidestunde des zu Ende gehenden Schuljahres zurückschaue auf das, was in diesem Jahre in der Schule und für die Schule geleistet worden ist, welch anderes Gefühl könnte in diesem Augenblicke meinen Bericht erfüllen, als das des Dankes, des Dankes gegen alle treuen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, des Dankes gegen alle geehrten Mitglieder der Verwaltung, die auch im verflossenen Jahre ihre warme Fürsorge den Jntereffen der Schule zuwendeten, des Dankes vor allem gegen Ihn, der über unserern Kindern seine gnädig schützende Hand gehalten, und wenn Er auch leider eines schon ein frühes Ziel finden ließ, doch alle anderen ihren Eltern in Gesundheit und Frische erhielt. Möge Er auch in Zukunft über unsere Kinder gnädig schirmend walten!" — „Noch ein anderes Dankeswort drängt sich in dieser Stunde auf meine Lippen. Es wäre unnatürlich, wollte ich es unterdrücken, unterdrücken etwa deßhalb, weil es das aus dem tiefsten Innern qutllende persönlichste heiße Dankgefühl ist, das nach Ausdruck ringt." „Als ich vor wenigen Monaten von schwerer Krankheit mit ungeahnter Wucht niedergeworfen war und in ernster nächtlicher Stunde plötzlich dem Gedanken ins Angesicht schauen mußte, daß auch ich jäh ans Ziel gelangt sei und dem geliebten Bruder früh in die Ewigkeit zu folgen hätte, an dessen Bahre ich kurz zuvor gestanden und dessen treue Augen mir heute zum ersten Male in dieser Stunde nicht entgegenleuchten: — da war es nach dem Gedanken an die Meinen der Gedanke an die Schule, und ganz besonders an diese NeUastunde des Schuljahres, der mich in der Neüastunde meines Hierseins, die gekommen schien, erfüllte. Bin ich doch seit bald vierzig Jahren mit jeder Faser meines Wesens mit dieser Schule verbunden, deren Dienste ich jede Fiber meiner Kraft geweiht habe. Und da schaute ich ste wieder Alle, die Jahr um Jahr mir gegenüber gesessen und sich freudig und hingebungsvoll in den Geist des Judenthums und in das Verständniß der Propheten und der in unseren heiligen Schäften geborgenen Lebensharmonien einführen ließen, schaute ste wie» der alle, die in solcher Stunde, wie der gegenwärtigen. um mich versammelt gewesen, sie alle, die im Leben als wackere, gottesfürchtige Männer und Frauen wahr gemacht, was ste als Knaben und Mädchen, als Jünglinge und Jungfrauen verheißen hatten. Und in das bittere Schmerzgefühl, abgerufen zu werden, bevor es mir vergönnt gewesen, so Manches auszuführcn und zu vollende«, was ich mir vorgesetzt, brachte Beruhigung und Trost daS Bewußtsein, mich mit so vielen theueren Schülern und Schülerinnen trotz aller zeitlichen und räumlichen Ferne Gottlob in dieser Stunde innig verbunden zu fühlen, die Hoffnung, doch vielleicht nicht ganz umsonst gelebt zu haben. Und wenn auch tief im Innern noch der Wunsch und die leise Bitte lebte, daß ich den Meinen und meinem Wirken noch erhalten bleiben möge, so war doch tiefe Ruhe in mein Herz gezogen — das altjüdische lüneni, Herr, Dein Wille geschehe! — mit diesem Gedanken schlief ich ein, und — die Krise war überstanden.- Und da sollte, könnte, dürfte ich in dieser Stunde, die Seine Gnade mich erleben läßt, Ihm nicht laut danken dafür, daß Er seinen Knecht noch nicht abgerufen und ihm noch Frist zu weiterem Wirken gegönnt hat? Nicht herzlichen Dank aussprechen für alle die Liebe, alle die Theilnahme, die mir bewiesen worden, nicht herzlichen Dank allen denen, die um mich gebangt und still im Herzen für mich gebetet, jene wortlosen, unausgesprochenen Gebete, die nur von Gott vernommen werden und bei Ihm Erhörung finden? Sollte in solcher Stunde nicht das Gelöbniß erneuern, das ich einst bci Antritt meines Amtes ausgesprochen und an der Bahre meines großen unsterblichen Vorgängers wiederholt habe, daß ich mit der Kraft, die mir wiedergeschenkt und mit der Frische, von der ich mich wieder verjüngt fühle, an dem Werke weiter arbeiten will, so