Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 31 (16.4.1894)
- Date
- 1894-04-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWWWWW mmm WWW SSMIIW 581 Wiesbaden wohnhaft gewesen bin. Ich habe mich dort vielmehr nur zwei Mal in meinem Leben, einmal vor längerer Zeit 24, und jetzt kürzlich 48 Stunden aufgehalten. 2. Es ist unwahr, daß ich vor 25 Jahren Hauptmann gewesen bin. Vielmehr bin ich, wie der Parlamentsalmanach nachweist, Premier-Lieutenant a. D. und im Jahre 1848 geboren, befand mich also vor 25 Jahren erst im Alter von 20 Jahren. 3. Es ist unwahr, daß in Wiesbaden jemals Geschäftsleute ihr „schweres" oder überhaupt Geld durch mich verloren hätten. 4. Es ist unwahr, daß ich bet der Versammlung am 21. März versucht hätte, die Anschuldigung ins Lächerliche zu ziehen, mit der „Begründung", daß ich vor fünfundzwanzig Jahren gar nicht in Wiesbaden gewesen sei. Ich habe vielmehr alle die oben erwähnten Angaben auch dort in der Versammlung ausführlich zur Sprache gebracht. Es ist endlich unwahr, daß ich vor 23 Jahren in Wiesbaden gewesen sein soll. Zu dieser Zeit stand ich bei der mobilen Armee in Frankreich. Liebermann von Sonnenberg Premier-Lieutenant a. D. Mitglied des Reichstages. Die Mitth. bemerken hierzu: Der obigen Berichtigung, die wir selbstverständlich auch ohne die Verpflichtung, welche uns das Preßgesetz auferlegt, unverkürzt ausgenommen haben würden, können wir nur unser lebhaftes Bedauern hinzufügen, daß unser Blatt die betreffenden unwahren Nachrichten gebracht hat. Zweifellos hat unser Gewährsmann bona fide geirrt. Woher der Jrrthum entstanden, ist uns bisher noch nicht aufgeklärt. Unser Standpunkt ist noch heute derselbe, wie wir ihn in Übereinstimmung mit den leitenden Mitgliedern unseres Vereins für unsere Thätigkeit in der ersten Nummer unseres Blattes festgestellt haben: „Selbstverständlich legen wir darauf das größte Gewicht, daß alle Mittheilungen, welche uns zugehen, streng wahrheitsgemäß, nicht tendenziös gemacht werden. Nur durch zuverlässige und wahre Nachrichten kann die Sache, für welche wir eintreten, gefördert werden." Berichtigung. In dem Artikel „Von der Iller" in Nr. 29 soll der Ortsname nicht Buchau, sondern Altenstadt an der Iller heißen. > Vermischtes. < Schwerin. (Milde Stiftung.) Die „Schweriner Nachrichten" vom 12. April cr. schreiben: Zur Gründung einer Stiftung, die den Zweck haben soll, kranken Israeliten die Mittel zu gewähren, zur Heilung ihrer Leiden einen > ärztlich vorgeschriebenen Kurort aufsuchen zu können, ist, wie uns von außerhalb mitgetheilt wird, der deutsch-iSraelitischen Gemeinde in Hamburg von einem Ungenannten die Summe von 30,000 M. als Grundkapital u. a. unter der Bedingung überwiesen, daß die Stiftung zum Andenken an die verstorbene Mutter des Stifters den Namen „Theresien- Stiftung zur Unterstützung kurbedürftiger Israeliten" führe, daß obengenannter Betrag als ein unantastbares Eigenthum der Stiftung zinstragend belegt werde, daß, falls an die Stiftung herantretende Anforderungen es erheischen, die deutsch - israelitische Gemeinde in Hamburg diese Stiftung mit einem Betrage bis 1000 M. pro Jahr subventioniere und daß. falls bei den jährlichen Bewerbungen zur Unterstütznng solche aus Meklenburg-Schwerin vorliegen, zwei derselben, vorzugsweise die jedoch aus der Stadt Schwerin, Berücksichtigung finden. — Der Vorstand der deutsch-israelitischen Gemeinde hat in Würdigung der geplanten Institution sich bereit erklärt, eine namhafte Summe jährlich beizusteuern, um möglichst den zu erwartenden Anforderungen genügen zu können und appellirt jetzt an die Mildthätigkeit der Glaubensgenossen, an diesem guten Werke durch Zuwendungen von Spenden und jährlichen Beiträgen mitzuschaffen. — Der Prediger und Kantor SoberSki in Teterow in Meklenburg nimmt zum 1. Mai cr. eine gleiche Stellung bei der Gemeinde Fürstenwalde ein. Berlin, 9. April. Der Parteiausschuß der Deuffchen Reformpartei (Antisemiten) hat gestern hier getagt. Es wurde über die Abmachungen erstattet, die von dem Parteivorstande, bestehend aus den Abgg. Zimmermann, Dr. Boeckel und Werner, mit dem Vorstande der antisemitischen Vereinigung für Norddeutschland getroffen worden sind. Nach diesen Abmachungen sollen die Provinzen Brandenburg, Ost- und Westpreußen, Posen, Pommern, und Mecklenburg der Antisemitischen Vereinigung für Norddeutschland zur Bearbeitung überlasten bleiben, jedoch unter der Bedingung, daß die genannte Vereinigung ihre Kandidaten nach vorherigem Einverständnis! mit der Reformpartei aufstellt und sie zum Beitritt zur Fraktion der Deutschen Reformpartei verpflichtet. Die „Deutsche Wacht" in Dresden wurde als Eentralorgan der Partei erklärt. In einer weiteren Resolution wurde die Ueberführung des „Reichsherold" in ein Aktienunternehmen empfohlen. Aus Odessa, 22. März. In unserer Stadt ereignete sich jüngst ein Vorfall, welcher den moralischen Werth der antisemitischen Bewegung deutlich illustrirt. In Odessa besteht nämlich seit Jahren eine Gesellschaft der Aerzte, welcher sämmtliche hier wohnenden Jünger AesculapS ohne Unterschied der Konfession angehörten. Bis vor Kurzem herrschte in der Gesellschaft Friede und Eintracht; vom Antisemitismus war daselbst nichts zu hören. In Odessa practiciren aber zwei jüdische Aerzte, Bernstein und Kohan, die als die Besten in ihrem Fache gelten und zugleich als humane Männer den Armen ohne Unterschied deS Glaubensbekenntnisses unentgeltlich ärztliche Hilfe leisten, daher sich großer Popularität erfreuen. Diese Thatsache hat nun einzelnen orthodoxen Mitgliedern der Gesellschaft Anlaß gegeben, gegen die jüdischen Aerzte in Odessa loszuziehen. Es wurde die alte Leier angestimmt und darüber geklagt, daß die Juden Alles an sich reißen, daß sie die Orthodoxen verdrängen rc. Um nun gegen diese angeblichen Uebergriffe der jüdischen Aerzte öffentlich zu demonstriren, faßten endlich die orthodoxen Heilkünstler den Beschluß, die „Gesellschaft der Aerzte" zu verlassen und einen rein christlichen Verein zu gründen. Vor wenigen Tagen wurde denn auch dieser Verein ins Leben gerufen. Doch ist eS den orthodoxen Aerzten noch nicht gelungen, die Popularität Bernstein's und Kohan's zu untergraben, vielmehr haben sie durch ihren Schritt bewiesen, daß der Antisemitismus fast stets egoistischen geschäftlichen Motiven entspringt.