Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 30 (12.4.1894)
- Date
- 1894-04-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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556 Verläßlichen Berichten zufolge hat der aufgelöste Verein unter dem Scheine, den Antisemitismus in den tschechischen Gegenden zu bekämpfen, sich keineswegs mit diesem Programmpunkte befaßt, sondern hat das Roß der hohen Politik bestiegen, um für die Tschechisirung der Juden in Böhmen einzutreten. Er hat es nicht gescheut, sich mit den entschiedensten antisemitischen Elementen zu diesem Behufe in Verbindung zu setzen, und hat es auch dahin gebracht daß die nationale Hetze im Schoße der israelitischen Gemeinden Böhmens in bedenklichster Weise um sich griff. Zu rein confessionellen Fragen, ob der Gottesdienst und Religionsunterricht in deutscher oder tschechischer Sprache abzuhalten sei, wurden Versammlungen veranstaltet, in denen in erster Reihe nicht die Juden, sondern jene Elemente das Wort führten, denen nichts weniger als Judenthum und jüdisches Wesen am Herzen lag. Wir könnten der Oeffentlichkeit eine erstaunliche Reihe ganz abnormer Fälle mitthetlen, die der ausgelöste Verein keineswegs zu Ehren des Judenthums in Scene setzte. Es kam so weit, daß einzelne Cultusgemeinden von der tschechischen Stadtvertrerung einen Ukas erhielten, daß sie binnen einer gewissen Frist die tschechische Sprache in Amt und Schule einsühren sollten, wobei ihnen privatim seitens des Bürgermeisters nahegelegt wurde, daß falls dies nicht geschehen sollte, bei Einbekennung der Steuern die betreffenden Vertrauensmänner auf die Juden eine besondere Sorgfalt verwenden würden. Auch war hiebei die Rede, daß die Fensterscheiben der Juden nicht so fest seien, um nicht eingeschlagen werden zu können. Weiters möge noch erwogen werden, wie gefährlich der aufgelöste Verein dem jüdischen Gemeinwesen wurde. Dafür spricht schon der eine Umstand, daß jetzt in den Cultusgemeinden die Constituirungsfrage große Wellen aufwtrft, weil das neue Cultusgesetz viele Lücken aufwetst, die jüdischen Gemeinden in Böhmen sich daher in einer bedenklichen Krisis befinden, da mangels einheit. licher Instructionen sich eine constante Amtspraxis nicht herausbilden konnte und jede einzeln politische Behörde nach eigenem Ermessen dieses neue Gesetz handhabt. In dieser geradezu bedenklichen Lage, in welcher sich die Cultusgemeinden befinden, in letztere noch die Brandfackel nationaler Verhetzung heineinzuschleudern, ist geradezu strafwürdig und um so empörender, wenn Juden gegen Juden so handeln. Deßhalb mögen die Cultusgemeinden auf der Wacht sein, ob nicht der neue Verein, abermals nur unter dem Scheine und unter dem falschen Losungsworte „Vertretung jüdischer Interessen", ausschließlich nur der tschechischen Propaganda zu dienen beabsichtigt, um den Antisemiten neues Agitationsmaterial zu schaffen. (Fr. Bl.) vermischtes. Coethen, 3. April. Am 1. April feierte die jüdische Kultusgemeinde zu Coethen in Anhalt das 25jährige Jubiläum ihres ersten Vorstandes, des Commerzienrathes Emil Mayer. Schon am frühen Morgen fanden sich die Deputationen des Vereins Freundschaft, der Gemeinde, sowie der Delegierte des deutsch - israelitischen Gemeindebundes ein, und wurde dem Jubilar neben den Glückwünschen von Seiten der Gemeinde, eine Prachtbibel und eine kunstvoll gearbeitete Adreffe überreicht. Im stattlich geschmückten Saale des Schützenhauses vereinigten sich um 6 Uhr die Gemeindemitglieder und ihre Damen und die von auswärts erschienenen Gäste zu einer offiziellen Feier, welche durch eine Rede des Rabbiners Dr. Salitkowizki und den Gesang des Herrn Kantors R. Goldberg und des Chores besonders verschönt wurden. _w M n feigen. -WW_ Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Qcyuio Sz&nÄifywiÄ a. 01L. eciatität: ocßiivev vztAi'C&Z'vtc iyv. -mvcfv 91Zsueteto3** nos Dampfkaffeebrennerei nos P Bs Spezi alität in anerkannt Ia. gebt. Sämmtliche Colonialwaaren, geschälte Kastanie« und Fleischextrakl empfiehlt (2136 S. I. Winter, Köln, Aperrrftr. 24. Referenz: Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Plato. Köln. ^KTsnn ros Sämmtliche Sorten Spezereiwaare«, gedörrtes Obst, Kartoffelmehl, Cichorien, Choeolade, Caeao, Hamburger Clnndche«, Branntwein, Effigeffenz, fst.Oek, Sauerkraut und iir^-Seife empfiehlt bestens 1771) LEO HAAS in Mainz, BetzelSgasse 6. Daß Herr Leo HaaS von hier in Bezug auf m“lt£0 der von ihm offerirten Waaren volles Vertrauen verdient, bezeügt gern Dr. B o n d i. sWWMMnra