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Der Israelit · 1894-04-12 · Heft 30 (12.4.1894) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 30 (12.4.1894)
Date
1894-04-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXY. Jahrgang. Meile Beilage zu M 30 des „Israelis. Literarischer Bericht. Bier Trauerreden, gehalten an der Bahre der im Alter von 22 Jahren Heimgegangenen Frau Rabbiner Dr. Frieda Blumenthal, geb. Zeitlin gesegneten Andenkens. Simmich in Rattbor und Kauffmann in Frankfurt a. M. 30 Setten. Preis 50 Pfg. Als Denkblalt an die so jung Verstorbene find die an ihrer Bahre von den Rabbinern Dr. Blumenthal-Ratibor, Dr. Rosenthal-Breslau, Dr. Krakauer-Leobschütz und Dr. Goldschmidt-Königshütte gehaltenen Trauerreden vereinigt worden. Das Leben und der Charakter der Heimgegangenen findet im Vorworte liebevolle eingehende Würdigung. Auch der fernstehende Leser nimmt an dem tiefen Schmerze Theil, der durch die Reden geht und bedauert den frühen Htntrttt eines Weibes, dem Geist und Bildung, Tugend und Charakter noch eine glänzende Lebenshöhe vorzubereiten schienen. Die Broschüre ist elegant ausgestattet. Zeitungsnachrichten nnd Correspoudeuzeu. Deutschland. Mainz, 6. April. Die Verehrer unseres theueren Freundes, des berühmten Schriftstellers S. K o h n in Prag dürfte es interessiren, daß dessen Roman „Fürstengunst" in Buchform bei Emil Apolant in Berlin erschienen ist. Diese große historische Erzählung hat bei ihrem ersten Erscheinen im „Israelit" in allen jüdischen Kreisen so großes Aufsehen hervorgerufen, datz der Wunsch dieselbe als besonderes Buch zu besitzen, allenthalben rege ward. Möge es recht stark gekauft werden. Binne, 2. April. Im Anschluß an Ihre Correspondenz aus Posen in der vorwöchentlichen Nummer Ihres geschätzten Blattes, in welcher die städtischen und politischen Zustände in der Provinz Posen beleuchtet werden, läßt sich aus unseren Städtchen über einen erfreulichen Akt der Toleranz und Nächstenliebe berichten, der in einer Zeit, die so sehr durch den Antisemitismus inficirt ist, besonders wohlthuend berühren muß. — Am 5. März beging nämlich der Kaufmann Herr Sigismund Marcus sein 25jähriges Jubiläum als Magistratsmitglied; aus diesem Anlaß überbrachte die gesammte Stadtvertretung in corpore ihre Glückwünsche, die durch eine herzliche Ansprache des Herrn Bürgermeister Woyth, der dem Jubilär für die aufopfernde Thätigkeit im Interesse der Stadt dankte, sowie durch eine äußerst formvollendete, schwungvolle Rede des Stadtverordnetenvorstehers, Herrn Dr. Szrant gebührenden Ausdruck fanden. — Letzterer hob in derselben besonders hervor, daß Herr Marcus als Bürger, als Mensch, als Geschäftsmann und als Familienvater stets seine Ehre hochgehalten und als theuerstes Gut bewahrt habe. Redner verglich ferner den Jubilar mit Cincknatus. der von seinem Pfluge hinwegeilend, sich dem öffentlichen Wohle widmete, nicht achtend der persönlichen Nachthetle, die ihm dadurch hätten entstehen können. — Im Namen des Magistrats übergab Herr Bürgermeister Woyth ein prächtig ausgestattetes Diplom, nach welchem Herr Marcus zum „Stadtältcsten" ernannt wurde; im Namen der Stadtverordneten überreichte Herr Dr. Szrant einen kostbaren silbernen Tafelaufsatz mit einer Widmung. — Der Jubilar dankte in herzlichen, beredten Worten, indem er darauf hinwies, daß die Eintracht und Nächstenliebe in unserer Stadt dieser einen Ehrenplatz in der Reihe der Nachbarftädte verschafft habe. Ein Festessen im Hause des Jubilars legte von dem friedlichem Einvernehmen unter den Bürgern rühmliches Zeugniß ab. — Außerdem ist von hier erfreulicher Weise zu berichten, daß gestern seitens der beiden Gemeindebehörden der entgültige Beschluß gefaßt wurde, eine neue nipv zu bauen, da die alte mpo den religiösen und sanitären Anforderungen nicht mehr genügt. — Das rot, die bei derartigen Ausgaben stets etwas reservirten Gemeindemitglieder zu obigem Beschluß gebracht zu haben, gebührt ganz besonders unserem hochverehrten Rabbiner, Herrn Dr. Schlesinger v'j, der mit aller Energie auf einen Neubau gedrängt hat. Die Aufbringung der hierzu nöthigen Geldsumme soll durch Repartition erfolgen und hofft man, daß die kgl. Regierung ihre Genehmigung hierzu nicht versagen wird. — Oester.-Ungar. Monarchie. Prag. Wie uns aus Böhmen berichtet wird, hat in Prag am 22. März die Constituirung eines tschechisch-jüdischen Consortiums stattgefunden, das sich die Herausgabe von jüdischen Religionsbüchern in tschechischer Sprache und eines Journals angeblich zur Abwehr des Antisemitismus zum Zweck setzt. Das neue Consortium scheint sonach an die Stelle des kürzlich durch die Behörde aufgelösten tschechischjüdischen Vereins treten zu sollen. Sollte der neue Verein dieselbe Thätigkeit tnauguriren wie die aufgelöste, so müssen wir die maßgebenden Factoren in den israelitischen Cultusgemeinden Böhmens dringendst daran mahnen, ein wachsames Auge auch auf diesen neuen Verein zu haben.

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