Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 30 (12.4.1894)
- Date
- 1894-04-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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549 3 wohnenden Glaubensgenossen findet. Nicht minderen Anklangs erfreut sich die dabei befindliche neuerbaute Synagoge. Die Einweihung fand am 3. September statt: unser ehrw. Vorsitzender, Herr Rabbiner Dr. Horovitz hielt die Festrede. Von jenem Tage an hat jeden Tag, Morgens und Abends, Gottesdienst stattgefunden. Die Synagogenplätze sind zum größeren Theile bereits vermiethet. Bau und Einrichtung der Synagoge kosteten Mk. 45700, eine Summe, die wir nicht zur Verfügung hatten. Wir hätten auch nicht so leicht mit dem Bau beginnen können, hätte nicht Herr S. L. Goldschmidt, der unseren Anstalten schon so oft seine Theilnahme bewies, in oferwilligster Weise uns zur Seite gestanden. Herr Goldschmidt übernahm nicht allein die Oberleitung und mühevolle Ueberwachung des Baues, welchen Herr Zillinger ausführte, sondern er stellte auch Mk. 35000, den größten Theil der Bausumme, auf 5 Jahre zur Verfügung. Die Stiftung für eine Vorberettungsschule für den rabbinischen Beruf erhielt seit Abfassung unseres letzten Berichts von ihrem hochherzigen ersten Begründer, der den Schülern und den verschiedenen Abteilungen unserer Anstalt ein unermüdliches, in öfteren edlen Gaben ausgedrücktes Wohlwollen erweist, zwei weitere Spenden von je M. 500 und im neuen Geschäftsjahr von einem altbewährten, treuen Förderer unserer Anstalten M. 7000, sodaß der der Religionsschule zur Verwaltung überlassene Betrag der Stiftung bereits die Höhe von 10500 M. erreicht hat. Ein Zögling dieser Vorbereitungsschule ist ausgetreten, um das Rabbinerseminar in Berlin zu besuchen, zwei haben das Abiturtenten-Examen mit gutem Erfolg bestanden. Dagegen sind mehrere Schüler neu eingetreten. Im Ganzen wurden im vollendeten Schuljahr zehn junge Leute in den verschiedenen Zweigen des talmudischen und rabbtnischen Wissens, einige auch in den Gymnasialfächern unterrichtet. Die Gesammtzahl unserer Zöglinge beträgt: in der Schule am Hermesweg 223, in der Schule an der Unterlindau 49, am Kaiser-Frtedrtchsgymnastum 40, am städtischen Gymnasium 35, an der Adlerflychtschule 46, zusammen 393, (gegen 335 im Jahre 1892/93) in der Vorbereitungsschule für den rabbinischen Beruf 10. Außer den nicht eingeschriebenen Hörern der Vorlesungen am Forschungshaus sind also 403 Schülern die Wahrheiten unseres Glaubens und die Wiffensschätze des Judenthums gelehrt worden. Kurz vor Schluß des Berichts wird uns ein neuer Beweis davon zu Theil, daß in unserer Gemeinde der alte jüdische Geist noch lebt und wirkt. Wie lange vermißten wir schon die Existenz einer Penstonskasse, welche solchen Lehrern, die eine Reihe von Jahren im Dienste unserer Schule gestanden haben und ihren Beruf nicht mehr auszuüben im Stande sind, eine Unterstützung zu gewähren vermöchte! Und am 6. Adar II. erfreuten uns Herr Sigmund H. Mezger und seine Gattin Flora, geb. Geiger anläßlich des 60jährtgen Geburtstags unseres Vorstandsmitgliedes Herrn Alfred Geiger mit einer Spende von M. 500, welche den Grundstock einer solchen Kasse bilden sollen. Wir vertrauen, daß nach diesem schönen Anfang auch andere unserer Freunde dem neuerrichteten Fond ihre wohlwollende Förderung zuwenden werden. England. London, 8. April. Wie bereits gemeldet, wurde in der jüngsten Sitzung der Gemeindevorstandschaft (Oouneil of the United-Synagogue) beschlossen, eine Riesensynagoge im östlichen Stadttheile, woselbst die eingewanderten polnischen Juden wohnen, zu erbauen. Der zum Ankauf bestimmte Bauplatz im Commercial-Road kostet L. 14,300. Es wird hier eine der größten Synagogen Europas (vielleicht so groß wie jene zu Alexandrien) lediglich für den edlen Zweck erbaut, um für die hieher gekommenen polnischen Glaubensbrüder eine würdige Stätte zur Verrichtung des Gottesdienstes herzustellen, — wahrlich ein erhabenes, großartiges Unternehmen! Die Mitglieder des Oouueil's bekunden hierdurch, daß ihr Herz für das Wohl der armen jüdischen Glaubensgenossen, die in ein fremdes Land überzusiedeln genöthigt waren, warm schlägt und betätigen ihr Mitgefühl durch die Erbauung dieser kolossalen Synagoge, verbunden mit einem herrlichen »non n»a, das nach dem Style des Sanhedrin von Jerusalem, nämlich in Form einer großen Halle mit verschiedenen Nebenbauten, aufgeführt werden soll. — Der Grund, warum Mr. Montague diesem ausgezeichneten Vorhaben entgegentrat, liegt in dem Umstande, daß die in dem östlichen Stadttheile situirten, ebenfalls zur United-Synagogue gehörenden Synagogen, sowie die der Federation, darunter leiden würden, auch die zur Ausführung des Planes erforderliche große Geldsumme der Gemeinde eine schwere Last verursachen dürfte. Die Herren Maurice Hart und Noah Davids, die edelmüthtgsten Männer der Gemeinde-Verwaltung unterschätzten diese Ansicht keineswegs und seit ca. 2 Jahren wurde hin- und herdebattirt, bis endlich Lord Rothschild mit Energie diesen Rtesenplan zur Ausführung brachte, indem er drohte, falls wiederum die Sache scheitern würde, er aus dem Gemeinde-Collegium zu scheiden beabsichtige. Außerdem wurde die alte Ramdrö-