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Der Israelit · 1894-04-05 · Heft 28 (5.4.1894) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 28 (5.4.1894)
Date
1894-04-05
Page
– (sequence 20)
Language
German
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518 meistenkeine Ahnung hatte Die Juden in diesen Colonien gleichen den christlichen Bauern der Gegend in allen Einzelheiten, haben außer ihrer Religion nichts Jüdisches an sich, so daß sogar die dortigen Behörden gezwungen waren, die Legion von Auenahmeg setzen, welche die gegenwärtig' Regierung gegen die Juden in Rußland geschafft, gegen die jüdisch n Bauern in den Colonien nicht zu benützen. Selbstverständlich lag es im Jntereffe der Wahrheit und des russischen Judenthums, die Aufmerksamkeit der russischen Gesellschaft und der jetzigen Regierung auf den Bestand dieser jüdischen Colonien und deren musterhafte Wtrthschaflen zu lenken. Dies hat nun Staatsrath Nlkttin mit der Veröffentlichung seiner jüngsten statistischen Arbeit gethan. Wir erfahren aus derselben, daß in den neun Gouvernements des Westgtbsttes und Weißrußlands 216, sage zweihundertundsechzehn Ackerbaucolonien vorhanden sind, die ausschließlich von Juden bearbeitet werden und deren Wtrthschaften in musterhaftester Ordnung sich befinden. Um zu constatiren, wie stark die jüdische Bevölkerung sämmtlicher Colonien ist, und wie viel Defijatinen von Grund und Boden sie bearbeitet, wollen wir aus dem Werke Ntkitin's einige statistische Daten über die Zahl der Colonien, der Einwohner und des Areals in einem jeden Gouvernement hier anführen: Gouvernement Colonien Köpfe männlichen Destjatinen Wilna . . . 18 Geschlechtes 2.936 2.069 Witebsk . . . 5 824 749 Wolhynien . . 10 3.274 2.947 Grodno . . . 20 1 378 2.265 Kiew . . . . 32 7.980 2.719 Kowno . . . 15 2.477 2.252 Minsk . . . 25 3.973 3.577 Mohilew. . . 77 2.250 8.413 Podolien. . . 14 9.411 8.470 Zusammen . 216 34 531 32.851 Wrr sehen also, daß fast 35.000 Juden ausschließlich dem Ackerbau und der Landwlrthschaft leben daß fast 33.000 Dtssjatinen von Grund und Boden ausschließlich durch jüdische Hände bearbeitet werden. Soll dies noch immer nicht genügen, um die Behauptungen der Judenfeinde von einer angeblichen Abneigung der Juden gegen den Ackerbau verstummen zu machen? Ein ehrlicher Gegner der Juden würde sich von der Wucht dieser Thatsachen vielleicht überzeugen lassen, die Antisemiten aber in ihrer Schamlosigkeit weiden aller Voraussicht nach den Staatsrath für seine Arbeit zu Gunsten der Wahrheit als einen „Soldknechr der Juden" hinstellen, um ihre Lügen ungestört unter der unwlffenden Maffe weiter verbreiten zu können. _ .... (Fr. Bl.) vermischtes. Die Medizinal-Behörde in St. Petersburg hat an alle Apothekentzesitzer der Residenz ein Cirkular ergehen lasten, in welchem denselben vorgeschrieben wird, fortan keine Lehrlinge jüdischer Konfession mehr in ihren Dienst zu nehmen. Wien. Der Forschungsreisende Eduard Glaser ist auf der Rückkehr von seiner v erten arabischen Reise begriffen. Er bringt von dieser eine reiche Ausbeute mit heim, bestehend in 800 unentdeckten Inschriften, 250 arabischen Handschriften und eine Reihe kleinerer wichtiger arabischer Denkmäler. Die Zahl der neu entdeckten Inschriften ist Dank einem gelungenen neuen Versuche von Glaser so beträchtlich ausgefallen. Er hat es verstanden, anstelligen Beduinen die Technik des Abklatschens beizubringen. Diese Männer gehen auf die Suche nach Inschriften aus und gerade in solchen Gegenden, die für den Europäer gar nicht oder nur mit Lebensgefahr zugänglich sind. Budap-ft Am Rüsttage des Neumonds Adar fcheni feierte die große Pester Chewra-Kadischa in der Rombachsynagoge ihr Stiftungsfest. Aus diesem Anlaffe hatte daS glänzend beleuchtete Gotteshaus Festschmuck angelegt und war dasselbe von einer erlesenen Schaar Gemeinde- und Chewramitglieder gefüllt. Allen voran erblickten wir den vielverdienten und Hochbetagien Präsidenten der Chewra- Kadischa, den noch immer rüstigen Herrn Carl Reutz. Die Festrede hielt Rabbiner L. Polak, welcher mit beredten Worten das eminent segensreiche Wirken der mustergiltigen Chewra-Kadischa pries und Gottes Segen auf die Vertreter der Chewra, sowie auf alle ihre Mitglieder herabflehte. Er gedachte sodann der Verluste, die das Judenthum, besonders auch die ungarische Judenheit erlitten durch das Hinscheiden der vier hervorragenden Rabbiner-Autoritäten ersten RangeS: Eleazar Fürst, Oberrabiner zu GyöngyöS, Meir Perls, Oberrabbiner von Nagy Karoly, Rabbi Benjamin Salomon Spitzer emer. Radbinats-Asteffor in Wien und Oberrabbiner und Prediger der Wiener JSraelitengemeinde Doctor Adolf Jellinek. Der ehrwürdige Redner schilderte die Verdienste derselben um das Judenthum. <Das Volkssetzulwesen in Unqarn.) Nach dem vom ungarischen Cultus- und UnterrichtSminister Grafen Albin Csaky erstatteten, sechs Abschnitte umfaffenden Berichte über den Stand des Volksschulwesens im Schuljahre 1891 —1892, zählt Ungarn 2,670.059 schulpflichtige Kinder, d. h. 17i/, Proc der Gesammteinwohnerzahl des Landes, von denen 1,943.077 die Alltagsschule, 727.018 die Wiederholiingsschnle hätten besuchen müffen. Die ersten besuchten faktisch 1,664 570, die letztere 505 018, zusammen 2,169.692, also 8l Proc. der schulpflichtigen Kinder. Unter den Schulpflichtigen waren israelitische 132.792, von denen die Schule faktisch besuchten 109.287, d. h. 82.31 Proc.; von je tausend schulpflichtigen Kindern haben somit bloß 177 jüdische die Schule nicht besucht. Die Zahl der Schulgebäude im Lande betrug 16.917 mit 25.268 Unterrichtssälen. Seit der Publicirung des Schulgesetzes i. I. 1868 vermehrten sich die Schulgebäude um 3119, die Unterrichtssäle um 8369. Dem Charakter nach waren 831 Staats-, 1944 Simultanbezw. Gemeinde-, 13.939 confessionelle und 203 öffentliche Privat-, resp. Gesellschaftsschulen, Israelitisch confessionelle waren 576. Ihrer Bestimmung nach waren 16.657 Elementar-, 186 Bürger-, 55 obere Knaben- und 19 obere Mädchen- Elementarschulen. Von den 576 israelitischen Schulen waren 570 Elementar-, 1 obere Knabenelementar- und 5 Bürgerschulen. Obere Mädchenelementarschulen hat die israelitische Confession nicht. In 14.353 Schulen wurden beide Geschlechter zusammen unterrichtet, in 1210 nur Knaben und in 1354 nur Mädchen. Bon den jüdischen Schulen waren 49 Knaben-

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