Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 27 (2.4.1894)
- Date
- 1894-04-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448437--38264-2486366- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
W8WMWWW 487 von zwanzig Mark erlassen worden. Er wird gegen den Strafbefehl Einspruch erheben und auf richterliche Entscheidung antragen. Hamburg, 18. März. Vor Kurzem starb hier der Privatier Ephraim Edwards, eine durch ihre Wohlthätiqkeit auch in weiteren Kreisen wohlbekannte Persönlichkeit. Dank der Wohlthätigkett des Verstorbenen, welcher seiner Zeit 150.000 M. spendete, gelang es in Gemeinschaft mit einem anderen Vermächtniß. das hiesige „Altenhaus" ins Leben zu rufen. Auch das jetzt veröffentlichte Testament zeigt den Verstorbenen als Wohlthäter. In demselben vermacht er seiner Schöpfung dem „Altenhaus" die Summe von 20,000 M.; außerdem erhalten mehrere hiestge Wohlihätigkeitsvereine und Institutionen, unter ihnen die „Talmud-Thoraschule", die „Israelitische Stiftungsschule von 1815", das Waisenbaus der Deutsch Israelitischen Gemeinde, der Tempelverband n. je 500 M. Auch seiner Geburtsstadt Pyrmont hat der Verstorbene gedacht, indem die dortige jüdische Gemeinde 3000 M. erhält, deren Zinsen zur Erziehung armer jüdischer Waisenkinder verwandt werden sollen. Mehrere dortige Wohlthätigkeitsvereine erhalten ebenfalls je 500 M. Die jüdische Synagoge zu Eura^ao (Süd-Amerika), wo sich der Verstorbene längere Zeit aufgehalten, erhält auch 500 M. Im Ganzen beträgt die Summe der im Testament ausgesetzten Legate 44,000 M. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Graz, 23. März. (Das Schächtverbot.) Der Recurs des Grazer Gemeinderathes an das Minitterium des Innern gegen die Entscheidung der Statthallerei, durch welche der Beschluß des Schächtverbotes aufgehoben worden ist, wird heute abgesendet. Italien. Venedig. 24. März. Der große venezianische und italienische Patriot, I. P. Maurogonato, welcher 1848/49 die Finanzen seiner Vaterstadt mit seltener Klugheit und Rechtlichkeit leitete, derselbe, welchem Viktor Emanuel das Portefeuille eines Finanzministers nach Marco M nghetti angeboten hatte, wurde am 22. März durch ein sichtbares Erinnerungszeichen, gleich den übrigen großen Venezianern des Risorgimento politico, deren Medaillons an der Rückieite des Palazzo Reale angebracht sind, geehrt. Die Spitzen der Behörden, zahlreiche Korporationen, die Garibaldianer in ihren rothen Hemden und eine große Volksmenge wohnten dem erhebenden Akte bet. Unter den Klängen der Musik wurde das wohlgetroffene Bronze-Bildniß des klugen, alten, gütigen Patriarchen sichtbar, welcher ob seiner großen Wohlrhätigkett auch beim Volke in bester Erinnerung steht. Aus den bemerkeuswerthen Reden, die bei dieser Enthüllungsfeter gehalten wurden, dürfte ein Passus auch in weiteren Kreisen interessiren. Es ist dies ein Brief Jsacco Pffaro Maurogonato's, welcher zur Verlesung gelangte. In diesem an Viktor Emanuel gerichteten Schreiben lehnt Maurogonato dasFinanz- Portefeuille dankend ab, indem er darauf htnwies, daß es ihm als Juden widerstrebe, die Rechte eines Finanzmtnisters, auch gegenüber den unzähligen katholischen Ordens-Brüderschaften Italiens geltend zu machen. > vermischtes. «4- Hannover. Bei der am 29. d. Mts. stattgehabten Wahl eines Vorstandsmitgliedes an Stelle des verstorbenen Herrn Geheimen CommerzienratheS Louis Evhraim Meyer entfielen von den abgegebenen 434 Stimmen 300 Stimmen auf Herrn Emil Louis Meyer. Derselbe ist somit mit großer Majorität an Stelle seines verstorbenen Vaters gewählt. Jmlingen bei Saarburg (Lothringen.) Am vw? swr-r-t starb dahier Herr MichLel Levy im Alter von 47 Jahren. Der Verstorbene war einer unserer angesehensten Gemeindemitglieder und seit einigen Jahren in dem Synagogenvorstand. Die zahlreiche Betheiligung aus der Umgegend bei der misp bewies, daß der Verlebte in hohem Ansehen stand. In der Leichenrede betonte Herr Rabbiner Blum aus Pfalzburg, daß Herr Michael Levy treu am Judenthum hing und die Vorschriften der Religion treu befolgte. S. M. AuS Bade«. Mich. Weil aus Straßburg i. Elsaß und dess-n Ehefrau Fanny, geb. Seeligmann, Tochter des Aron Seeligmann in Karlsruhe in Baden haben ihr Haus, Alter Weinmarkl in Straßburg, welcher eine jährliche Rente von ca. 15000 M. abwirft, zu je 7s für wohlthätige Zwecke, zu Gunsten der iSr. Cultusgemeinden Paris, Straßburg und Karlsruhe vermacht. Nachdem jüngst die Ehefrau verstorben, ist Heuer zum Erstenmale in Karlsruhe zu Heirathszweck-m ein Tugendpreis mit 450 M. vertheilt worden. Stei« a. Kocher, 12. März. Unsere kleine Gemeinde wurde von einem schweren Verluste betroffen. Ein 7'N ntPN in des Wortes vollstem Sinne wurde heute zu Grabe getragen, Frau Agathe, gen. Jached Holzer starb am Freitag im Alter von über 93 Jahren. In kleinen Ver hältniffen und gotteSfürchkig erzog n, wurde sie ihrem Gatten Wolf Holzer eine treue, fleißige und sparsame Hausfrau, ihren sechs Kindern eine sorgsame Mutter, auf deren Tugenden in der Gegend als Vorbild hingewiesen wurde. Im November 1883 beging sie mit ihrem Galten und umgeben von sämmtlichen Kindern und zahlreichen Enkeln daS Fest der goldenen Hochzeit unter der lebhaftesten Theilnahme der gesummten Bevölkerung. Acht lange Jahre brachte sie wegen Korperschwäche im Bette zu, während ihr Geist stetrege blieb. Im November 1893 feierte das Ehepaar noch die diamantene Hochzeit in aller Stille. In den letzten Monaten nahm auch ihre geistige Regsamkeit sehr rasch ab und das bisherige erträgliche Lager wurde zu einem Schmerzenslager und Martyrium. Die rvV? fand heute statt. Cantor Ne umann aus Neudenau widmete der Entschlafenen tiefempfundene Worte als Nachruf, in welchem er die edlen Seeleneigenschaften der Verblichenen ergreifend schilderte.