Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-04-02 · Heft 27 (2.4.1894) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 27 (2.4.1894)
Date
1894-04-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448437--38260-2486362
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■’^^y^^y^eysAe’^ '*’Kr*T'x*f9lQjp£j!j* XXXV. Jahrgang. M 27# Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orlhodoXe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 2. Apr U 5654 (1894). Leitende Artikel. Zwei Gutachten über bas Schächten. Die zwei bedeutendsten jetzt lebenden Vertreter ihres Faches, der große Hygieniker Geheimrath von Pettenkofer und der berühmte Physiologe Geheimrath Voit äußern sich über das Schächten wie folgt: München, 11. März 1894. Geehrtefter Herr Dr. Ehrentreu! Ihre Anfrage bezüglich des rituellen Schachtend kann ich dahin beantworten, daß ich ganz mit dem einverstanden bin, was Herr Pfarrer Dr. Frank jüngst in der Kammer der Abgeordneten vorgetragen hat. Ich bin überzeugt, daß das Schächten eine geringere Thier q läleret ist, als das Schlagen. Hochachtungsvoll Dr. M. v. Pet ten kofer. Gutachten des Herrn Geheimrathes Professor Dr. Carl Voit. Ich habe das hiesige Schlachthaus besucht, um die Methode des Schlagens und Schächtens des Ochsen durch den Augenschein kennen zu lernen und ein U 'therl darüber abgeben zu können. Im Voraus halte ich die Meinung, daß vor Allem das Werfen der großen Thtere eine gewisse Grausamkeit emschließe und dadurch die Thiere gewaltig erregt und erschreckt würden. Ich habe nun drei OLsen schächten sehen und mich überzeugt, daß das Werfen, wenn es sorglich und geschickt gemacht wird, die Thiere nicht wesentlich erregt und nicht peinigt. Man kann sie so langsam auf die eine Seite legen, daß von einem heftigen Auffallen derselben auf den Boden keine Rede ist; nur in einem Falle von den dreien trat das Ntedersenken zu rasch ein, so daß das Thier etwas stärker fiel. Jedoch läßt sich dies bet geschickter Handhabung vermeiden. Beim Schächten selbst wird der Schnitt mit einem momentanen Zuge so tief gemacht, daß die beiden großen Halsschlagadern auf ein Mal durchschnitten werden und das Blut alsbald in großer Menge herausflteßt. Ich bin nach dem, was ich gesehen habe, überzeugt, daß das Thier durch den raschen und beträchtlichen Blutverlust in kürzester Zeit ohnmächtig und bewußtlos wird. Es ist meiner Ansicht nach nicht möglich, daß durch die Wirbelschlagadern, welche das Gehirn außer den Halsschlagadern mit Blut versorgen, dem Gehirn noch so viel Blut zugeführt wird, daß es genügend ernährt wird, kW weiß, daß jede größere Störung des Blutlaufes im Gehirn Bewußtlosigkeit herbeiführt. Das Thier macht einige Zeit nach dem Halsschnttt allerdings Bewegungen mit den Beinen rc. rc.; aber dies sind keine willkürlichen Bewegungen und keine Zeichen von Empfindung oder von Schmerz, sondern es sind unw llkürliche Bewegungen, welche beim Absterben des Thteres durch den Blutverlust und d e Kohlensäure-Ansammlung veranlaßt werden. — Das Ansflietzen des Blutes beim Schächten ertheilt dem Fleisch keine schlechte Beschaffenheit und macht es nicht rascher faulen; die Fäulniß tritt vielleicht eher etwas später ein wegen des Auslassens des wasserreichen Blutes. Das Schlagen betäubt das Tbier, wenn es durch den ersten Schlag richtig getroffen worden ist und macht es bewußtlos; es kann also auch in diesem Falle von einer Grausamkeit nicht gesprochen werden. Aber es will mir nach dem Geschehenen scheinen, als ob es hier leichter wie beim Schächten Vorkommen könnte, daß das Thier nicht alsbald betäubt ist, wenn der erste Schlag z. B. durch eine Bewegung des Thteres nicht gleich die richtige Stelle getroffen hat und mehrere Schläge erfolgen müssen. Ich möchte noch bemerken, daß die Kälber, Schweine und Schafe bet den Christen ohne Weiteres gestochen werden und dies doch auf dieselbe Weise das Thier betäubt und den Tod herbeiführt, wie das Schächten. Man müßte demnach, wollte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.