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Der Israelit · 1894-03-29 · Heft 26 (29.3.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 26 (29.3.1894)
Date
1894-03-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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470 Uebersetzung zur Deklamation und verlieh damit seinen Ausführungen ein erhöhtes Interesse. Die Uebersetzung des hohen Liides, welche der Redner vortrug, schien eine sehr gelungene Nachdichtung zu sein, während wir von den vorgetragenen Psalmen nicht daffelbe sagen konnten. Uns stndUebersetzungen derselben bekannt, die, wenn sie sich auch in der Form mehr vom Urtext emancipiren, unsers Erachtens die Kraft der Poesie charakteristischer athmen. Weiter betrat der Vortragende das Gebiet der didaktischen Dichtart. Hier hat die Bibel wiederum seltene Perlen aufzuweisen. Die Prophetie der Propheten deS alt. Testamentes charakterisirt sich als Poesie von solcher Tiefe und Wuchtigkeit, daß die damit nur vergleichbare Rhetorik der Griechen und Römer die Konkurrenz mit derselben nicht aushalten kann. Was der Prophet Jeremias ausgesagt, was an Sprüchen voll tiefer Weisheit das Buch Hiob birgt, ist bis auf den heutigen Tag für Dichter und Denker eine Gedankenfundgrube gewesen. Der Redner konnte in dieser Hinsicht auf Goethe verweisen, der bekanntlich den Faustprolog dem Hiob entnahm. Von Dramatik weiß naturgemäß die Bibel wenig, nur insofern, als sich mit der Epik und Lyrik, wenn diese Gattungen zu einer solchen Beweglichkett, wie bei den alten Hebräern, sich steigern, immer mehr oder weniger das dramatische Element verbindet. Die Superiorität der altbtblischen Poesie vor der altklassischen hielt der Redner schließlich noch durch die Thatsache für erwiesen, als die erstere in einer ungleich höheren Sphäre lebe und webe, in der zielbewußten Tendenz der Verherrlichung des reinsten, idealsten Monotheismus, während der Klassizismus der Griechen und Römer in philosophischer Resignation den alten Glauben zerschlage und so vor dem geistigen Bankerott stehe. Zum Schluß stellte der Vortragende, dessen äußerst instruktiven Ausführungen die nicht gerade zahlreich Versammelten mit Aufmerksamkeit folgten, die Forderung auf, daß die studirende jüdische Jugend ebenso gut über die zum Verständniß des Urtextes der Bibel nothwendigen hebräischen Sprachkenntnisse verfügen müffe, wie man von einem humanistisch Gebildeten die Beherrschung des Griechischen und Lateinischen fordere. Frankreich. Paris, 20. März. Frankreich wird es endlich zur Bildung eines Anttsemitenvereines bringen. Ein verdorbener Student, der in den Bierhäusern deS lateinischen Viertels als Dichter vagabundirt, hat sich, nach dem „Fr.-Bl.", mit mehreren Kameraden verabredet, einen antisemitischen Studentenverein zu gründen. Der Verein soll ausschließlich die „Nothwehr" der Studenten gegen die Concurrenz der Juden auf den Laufbahnen der Jurisprudenz und der Medictn bezwecken. Seine Agitation soll zunächst gegen die israelitischen Studenten gerichtet sein, welche bei Prüfungen und Anstellungen in einer Republik, deren Minister des Innern ein Jude ist, angeblich begünstigt werden. Die Gemeinheit und die Rohheit eines solchen Ideals der studirenden Jugend bewirkt im Lateinischen Viertel große Entrüstung. Die Gründer des beabsichtigten Vereines enthüllen ihren intimsten Gedanken, indem sie der studirenden Jugend vorspiegeln, der Verein werde ihnen behilflich sein, Abgeordnetenmandate zu erlangen. Sie beklagen es, daß in Frankreich keine antisemitische Partei wie in Oesterreich und Deutschland besteht, deren Vertreter im Parlamente sitzen. Dieser beschämenden Inferiorität und Zurücksetzung soll abgeholfen und den Vereinsmitgliedern eine politische, parlamentarische Zukunft eröffnet werden. Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß ein solches Attentat auf das Ehrgefühl der Studenten der ihm gebührenden Verachtung begegnet. In Paris verfängt die wohfeile Judenhetze nicht. Sogar der Antisemitismus eines Drumont ist in seinem eigenen Journal wie abgenützt. Das Blatt beschäftigt sich mit den Juden immer weniger; es wird immer mehr und mehr ausschließlich anarchistisch und mordbrennerisch uud wendet diese Methode gegen das Capital und die Capitalisten ohne Unterschied der Confession an. Es empfiehlt neuerlichst einen Band antisemitischer Lyrik, worin weniger die Vernichtung der Juden als die Ausrottung der Capitalisten in Versen gepredigt wird. Doch unterhält es die Fühlung mit den Antisemiten in Wien, welche Drumont um den Lärm und das Aufsehen beneidet, das sie nicht selten verursachen. Es bringt einen Schmähartikel gegen einzelne fürstliche Persönlichkeiten, welche sich des Umganges mit Juden „nicht schämen".__ Briefkasten der Redaktion. Wir haben in einer unserer jüngsten Nummern constatirt, daß der angeblich veikrachte Schweizer Buchhändler seine kaufmännischen Verpflichtungen bisher erfüllt hat. Wir müssen zu unserem Bedauern ferner constatiren, daß derselbe seinen Bankerott an Ehr- und Anstandsgesühlen in einem aus dem kommenden Jahrhundert datirten Circular feinen theilnehmenden Bewunderern angezeigt hat. Da wir mit moralischen Bankrotteuren nicht prozessiren, so ist diese Angelegenheit für uns erledigt. Die Herren „Kollegen" im Vorstande der „Vereinigung freisinniger JSraeliten" mögen nur mit ihrem Flederwisch herauSkommen, wir werden schon pariren. H. A. in W. Ein vorher bereits eingetrossener Nachruf war bei Eintreffen des von Ihnen gesandten bereits dem Druck übergeben. W. G. in S. Wir danken für Ihren freundlichen ausführlichen Brief. Gesandtes soll gelegentlich verwendet werden. Briefkasten der Expedition. M. F. in Oberkap. Betrag empfangen.

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