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Der Israelit · 1894-03-29 · Heft 26 (29.3.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 26 (29.3.1894)
Date
1894-03-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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MWWMMWMWMWMLH f"> XXXV. Jahrgang. Erste Beilage;u .M 26 des „Israelit". Leitender Artikel. Kagadast schek Ueßach. Achte Serie.x) I. Mainz, 27. März. onan rwhw iüh xbw b -iöin rrn pi .nnoi naö .hdb :jn 1^0 warn h> xsr ttb no&a „Rabbon Gamli el sagte: Jeder, der nicht diese drei Dinge an Peßach bespricht, hat seiner Pflicht nicht genügt und folgende sind sie: Peßach-Opfer und ungesäuertes Brod und Bitterkraut." Dieser Passus, bis zu welchem wir in der Peßach-Hagadah nunmehr vorgerückt sind, ist wörtlich der Mtschna (Pesachim P. 10. M. 5) entnommen. Derselbe grupptrt die Bedeutung der Sederabende um drei Punkte, deren ausführliche Erörterung unsere Hagadah unmittelbar folgen läßt. — Aber die bloße Form dieser wenigen einleitenden Worte regen eine solche Fülle von Gedanken und Betrachtungen an, daß sie eine neue Bestätigung der alten Wahrheit repräsentirten, wie die bloße Sprache der Weisen in der Mtschna schon reich an Belehrung ist, während ihr voller Segen sich denjenigen erschließt, welche das Leben unserer Weisen selber und das was sie uns gelehrt, zur Richtschnur ihres Denkens und Handelns wählen. Druttfoai ona tdip *]na p«6a v'vaia up Bon demjenigen, was die Erklärer der Hagadah an diesen Worten auffallend finden, greifen wir zwei Momente heraus. — Es sind dies zunächst die beiden Worte inain »t, während nx’ vollständig genügen würde, wie Rabbi Jecheskel Landau in seinem Commentar n^a zur Stelle in Pesachim bemerkt. — Was ferner die Reihenfolge der drei Momente betrifft, so soll der Hinweis auf das Peßachopfer uns das schonende Ueberschreiten Gottes über die Häuser Israels vergegenwärtigen, als Gott in der mitternächtigen Erlösungsstunde strafend über Egyptendahinschritt; Mazza, die dringende Hast, mit welcher unsere Väter aus Egypten getrieben wurden, so daß es ihnen nicht einmal möglich war ihr Brod zu säuern, während das Bitterkraut uns das bittere Lebensgeschick unserer Väter in der 1) Vergleiche die siebente Serie im vorigen Jahrgang dir. 19 bis 28; die sechste Serie im 32. Jahrgang Nr. 21 30; die fünfte Serie im 31. Jahrgang Nr. 25—33; die vierte Serie im 30. Jahrgang Nr. 17—31; die dritte Serie im 29. Jahrgang Nr. 17—26; die zweite Serie im 28. Jahrgang Nr. 20—29: die erste Serie im 27.Jahrgang Nr. 23—80. egyptischen Sklaverei symbolisch darstellen soll. Dann hätte aber die Reihenfolge Maror, Peßach und Mazza sein sollen, da die Bitterkeit des egyptischen Sklavenloses doch den beiden anderen, die Befreiung betreffenden Momenten der Zeit nach voranging. Werfen wir, bevor wir eine Lösung dieser Schwierigkeiten versuchen, zunächst einen Blick auf dasjenige, was uns hier Rabbon Gamliel zum Bewußtsein bringen will. — Sein lehrendes Wort führt uns unmittelbar an den Sedertisch.^ßJn vielen jüdischen Gemeinden ist es Brauch die Hagadah schel Peßach schon am Sabbat Haggodol an das Mtnchagebet anzuschlteßen. Aber selbst, wo dieser Brauch besteht, beschränkt er sich nur auf denjenigen Thetl der Haggadah, den wir bisher besprochen haben, und schließt diese Worte Rabbon Gamliels nicht mehr ein. Das Peßach-Opfer,Z wie esKdie Väter aßen, als das Hetligthum noch».bestand,jjtst symbolisch auf unserem Sedertisch vertreten,g das ungesäuerte Brod, und dasZ.Bttterkraut liegt vor uns zum Genüsse bereit, aber zu diesem Symbol, zu diesem Genuß muß das erklärende Wort^treten, wenn wir unserer Pflicht voll genügt haben sollen. — Wir könnten somit unter schweren Opfern alle Vorbereitungen getroffen haben, die doch gerade der Peßach so vielfach fordert, wir-könnten allen Anforderungen des Gesetzes mit minutiöser Gewissenhaftigkeit gerecht geworden sein, der Ttsch-ist^gedeckt, die Pokale werden gefüllt,^wir könnten , das Brod essen, wie es die Väter aßen, das Bitterkraut genau nach dem Maße und der Art und Weise genießen, wie es die Vorschrift verlangt, aber wenn zu alledem das erklärende, deutende Wort fehlt, hätten wir nimmermehr unsere Pflicht erfüllt! Wie bricht dochMse absolute Hochschätzung des deutenden Wortes, des geistigen Belebens unserer Handlungen den Stab über das ganze Gerede, welches unsere großen Weisen als Verfechter eines gehalt- und gedankenlosen Ceremontal- und Formelwesens zu verdächtigen wagt, welche die freien Regungen des Geistes unterdrückt und einem verknöcherten Formendienst das; Wort geredet hätten! In den gehobensten Weihestunden des Jahres, an den Sederabenden, die das^Herz der Kinder zu den Eltern und das Herz der Eltern zu den Kindern führen, wo mit peinlicher Gewissenhaftigkeit der Bissen, den wir essen, der Trunk, den wir trinken, gesetzlich vorgeschrteben ist, hier gerade lehrt die Weisheit der Weisen, daß wir unsere Pflicht nicht erfüllt haben, wenn das erklärende Wort unser Thun nicht verklärt, wenn der Geist unserer Gesetze nicht zum \ Ausdruck und zur vollen Würdigung

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