Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 24-25 (22.3.1894)
- Date
- 1894-03-22
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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wmA WUMMMdlLW WrthodoFe KuderrlhumÄ kwwösTs \f>- i mm u&M tarn (MLstfcwsnaöns&ax 22 März 1894.] Inhalt: Und das Ende? Zeitgemäße Betrachtungen von Director H. Berger (Mainz). — Aus Stadt und Land: a. M. Aus Westphalen. lNr. 2. Frankfurt *)$• Mnd das Ende? Jeitgemäße Betrachtungen von Director H. Berger (Mainz). Das Jahr 1893 ist vorüber und ein neues Jahr hat seinen Lauf begonnen. Allüberall lesen wir Rückblicke auf das verflossene Jahr und allüberall wird das Jahr 1893 „ein für die Entwickelung der Culturaufgaben ungünstiges" genannt. Allüberall hört man klagen, daß die materiellen Sorgen jeden idealen Aufschwung unmöglich machen und da, wo dieses nicht der Fall ist, ist es die Pest des Antisemitismus, welcher die Geister gefangen hält und sie zu seinen letzten Zielen, zur Demagogie und zum Anarchismus führt. Ueberall bilden sich Vereinigungen, um dem Kampfe um's Materielle erfolgreich entgegenzutreten; überall versucht die Mehrzahl für das Individuum einzutreten und durch ihre moralische Macht die Lage desselben zu verbessern, um durch materielle Beihilfe die Armen und Unglücklichen vor dem Verderben, vor dem materiellen und sittlichen Ruin zu bewahren. Selbst der Staat erkennt die Macht der Notwendigkeit an und sucht dem Elende des Alters des Arbeiters durch Jnvaliditäts- und Altersversicherungen vorzubeugen. Arbeiter, Dienstboten, gewerbliche Gehilfen sind gezwungen, für eine Altersrente zu sorgen, die, wenn auch minimal, so doch ein Betrag ist, der sicher — wenn das betr. Alter erreicht wird — ausgezahlt werden muß. Hilf- und schutzlos, nur auf sich selbst oder auf das Wohlwollen guter Menschen angewiesen, steht im Alter allein der israelitische Religionslehrer da. Er ist in keine Kategorie der Berftcherungspflichttgen einzureihen und ihn erwartet, wenn er ein Lebenlang im Dienste der Menschheit gearbeitet, seine Lebenskraft der Erziehung einer Generation geopfert — die Sorge, die ihn noch nie verlassen, die Sorge um das tägliche Brot. Das Gehalt, welches der isr. Religionslehrer in kleinen Gemeinden bezieht, ist ein solches, daß er sich und seine Familie damit nur nothdürftig und kärglich unterhalten kann; an Ersparnisse kann er nicht denken und die Gemeinden selbst sind oft nicht in der Lage, ein größeres Gehalt aufzubringen. Er lebt also nur, wie man zu sagen pflegt, von Hand zu Mund und dabei will er, muß er sich und die Seinen standesgemäß kleiden, will er die Kinder, die er hat, etwas lernen lassen — alles von dem kärglichen Honorar, das seine Stelle abwtrft. Wahrlich, er muß ein guter Finanzminister sein, wenn er am Ende des Jahres schuldenfrei bleiben will. Er muß sich Entbehrungen aller Art auflegen, auf manchen Lieblingswunsch verzichten. manche Demüthigung ertragen, um „bekowet" durchzukommen! Es ist ein Martyrium, das er erträgt, das ihm jeden Tag von Neuem auferlegt wird. Wo soll dabei die Schaffensfreudigkeit und Begeisterung für den Beruf Herkommen, wenn Noth und Sorge den Geist Niederdrücken? Wenn nun gar nach langjähriger Thätigkeit in einer Gemeinde dieselbe immer kleiner wird, weil die wohlhabenden Mitglieder nach der Stadt ziehen und nur die weniger Bemittelten und Armen bleiben, und diese sind nicht in der Lage, das kärgliche Gehalt ihres Reltgionslehrers aufbrtngen zu können, was wird dann aus ihm? Er ist zu alt geworden, als daß eine andere Gemeinde ihn ansiellt, er kann sich also