Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 24-25 (22.3.1894)
- Date
- 1894-03-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448435--38214-2486314- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XXXV. Jahrgang. Zweite Beil.;u M 24 & 25 -es „Israelit". Literarische Gerichte. Einleitung in de«Talmud vonD.Hermann L. Strack, Prof, der Theol. an der Untv. Berlin. Zweite theilweise unbearbeitete Auflage. Leipzig. Verlag von Hinrichs. 136 Setten. Preis 2 M. 50 Pfg. LI. Es ist eine traurige Wahrheit, daß wir nur sehr wenige wahre Freunde haben. Selbst die Wissenschaft zählt nur vereinzelte Männer, die furchtlos und mannhaft für die Sache der Wahrheit und Gerechtigkeit unserer Sache in die Schranken treten. Zu diesen Wenigen zählt Prof. Strack von der Berliner Universität. Wir müssen es diesem Manne Dank wissen, daß er trotz Schimpf und Unglimpf nicht müde wird, die Resultate seiner wissenschaftlichen Forschungen der weitesten Oeffentltchkeit zu unterbreiten. Auch Stracks „Einleitung in den Talmud", deren zweite vermehrte und verbesserte Auflage hier vorliegt, dient diesem Zweck. Die Schrift schildert ausführlich den Inhalt und Charakter des Talmuds und zerstreut damit so manches Vorurthcil selbst der gebildeten Kreise. Stracks Fleiß ist unermüdlich, seine Belesenheit geradezu staunenswerth, die Sauberkeit des Ausdrucks und die Genauigkeit in den literarischen Angaben musterhaft. Was der Verf. über die mündliche Lehre und deren Alter sagt, muß allerdings den Widerspruch der conservativen Anschauung wecken. Die Verbindlichkeit der am Sinai mit der schriftlichen Lehre gegebenen mündlichen Lehre ist dem gesetzestreuen Israeliten Glaubensdogma und wird von keinem wissenschaftlichen Beweis aus der Welt geschafft werden können. Das Buch enthält, abgesehen von dieser Einzelheit, eine solche Fülle von trefflichem Material, daß es nich nur zu apologetischen Zwecken, sondern vom Juoen selbst zur eigenen Kenntniß benutzt werden kann. Mehrere Abschnitte sind für die neue Auflage ganz neu geschrieben worden, so der Abschnitt über die Hermineutik, sowie über die Handschriften des Talmuds eine Probe halachischer Diskussion, ein chronologisches Verzeichniß der Schriftgelehrten u. s. w. Es genügt aber nicht, den Verfasser zu loben, es ist Pflicht ihn zu lesen und sein Buch zu kaufen. Wir haltenffes^für eine Ehrenpflicht aller gebildeten Israeliten, die Bemühungen der Wahrheitsfreunde thatkräftigffzu unterstützen und darum auch für eine Ehrenpflicht, Stracks „Einleitung in den Talmud" möglichst zu verbreiten. * * Eine plumpe literarische Fälschung. 8. Vor 14 Tagen wurde mir ein Werkchen zur Besprechung übersandt, das, von einem Herrn Lazarus Goldschmidt in Straßburg herausgegeben, den Titel rwwna wj/dt Nn”"D führt und das einen 12 »t6ny zum Verfasser hat. Man braucht nur einige Setten in dem Buche zu lesen, um zu erkennen, daß diese Schrift nicht aus dem 4. Jahrhundert stammt, daß es nicht mit der in Chagiga 13a erwähnten Boraitha identisch, daß dessen Tendenz garnicht jüdisch und der nichts anderes als eine Umstellung von 12 V^my ist, und bei einigem Nachdenken wird man dann erkannt haben, daß letzterer Name der des Herrn Lazarus Goldschmidt, daß also diese Schrift in diesem Jahre erstanden und nicht, wie es in der Vorrede heißt, einem alten egyptischen Codex entnommen ist, und Straßburg sich den Geburtsort dieses Machwerks nennen darf. Vorrede und Anmerkungen sollen die Unwahrheit des Buchs verschleiern helfen. Aber vielleicht ist der Verf. dupirt worden? Die Erwähnung der Apokalyphe, die Unterscheidung zwischen Gott und einem wirkenden heiligen Geiste, der in der Gestalt der Taube erscheint, die vollständig unjüdisch dargestellte Sage vom Falle Salomos würden mir beweiskräftig genug dienen, daß der Verf. nicht getäuscht wurde, sondern daß er getäuscht hat, wenn ich nicht zufällig erfahren, daß der Verf. stch geäußert hat, er habe sich einen Scherz machen wollen. Schöner Scherz! Nein, es liegt ein bitterer Ernst dahinter; wenn mich nicht alles täuscht, ist die Arbeit eine bestellte, einem eifrigen Bekehrungsherrn als Beweismaterial bet Bekehrungsversuche dienen zu können. Es ist eine Mlsstonsschrift neuen Stils in einem alten Gewände; darum hüte man sich, durch Ankauf das dunkele Gewerbe zu unterstützen. * * * ,Ueber jüdische Erziehung im elterlichen Hause" von I. Eisen mann, Lehrer in Gail in gen. Preis 1 M. Der Verfasser, den Lesern des „Israelit" durch seine populär wissenschaftlichen Aufsätze hinlänglich bekannt, hat mit der Herausgabe dieser Broschüre einem längst gefühlten Bedürfnisse im reichsten Sinne Rechnung getragen. Als Lehrer in einer großen jüdischen Gemeinde hat er die Schäden der heutigen Kmdererziehung erkannt und zugleich die Mittel und Wege gefunden haben, wie diesem allgemeinen Nebel abzuhelfen wäre. — Nach diesen beiden Richtungen hin gliedert sich auch der reiche Inhalt des von ihm herausgegebenen Werkes.