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Der Israelit · 1894-03-22 · Heft 24-25 (22.3.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 24-25 (22.3.1894)
Date
1894-03-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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f/; XXXV Jahrgang. jß <54 4 AK Der Israelis Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenIHum. Begründet von vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, de« 22. März 5654 (1894). Da mit dem 1. Aprlt 1894 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bet der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsltfte pro 1894 eingetragen unter Nr. 3304. ir geben heute eine Doppel-Nummer, da die nächste Nummer erst Donnerstag, 20. März erscheint. Leitender Artikel. Hlnser Hevetöuch. Mainz, 20. März. Unser Gebetbuch, unser alteS, ehrwürdiges, heiliges Gebetbuch ist in unseren Tagen Gegenstand so vielfacher Angriffe geworden, daß es geboten erscheint, in diesen Blättern einmal einige Worte zu seiner richtigen Würdigung verlauten zu lassen. Was uns seit Jahrtausenden, zerstreut in alle Richtungen der Windrose, als einheitliches Volk verbindet und verbrüdert, das ist die Thora, ihre Lehre von dem einzigen Gott und die Art und Weise ihm zu dienen. Zahlreich, wie die Tage des Jahres und wie die Glieder des menschlichen Körpers sind die Lebenspflichten, welche sie für den Dienst Gottes vorschreibt. Sie begleiten den jüdischen Menschen vom ersten Frühstrahl der Jugend bis zum letzten Dämmerschein des Alters, sie folgen ihm durch Länder und Meere mitten um das ihn umfluthende Leben, sie verlassen ihn nicht früh, nicht spät, in Fülle und Mangel, in Gesundbett und Krankheit sind sie seine unzertrennlichen Begleiter. Der Jude diesseits und jenseits des Oceans, im starrenden Nord, im glühenden Süd bricht in derselben Weise sein Brod, weiß seinen Tisch unter einem und demselben Regime, stellt fein Haus unter denselben äußeren Zeichen des Gottesschutzes, weiht Haupt und Hand, Geist und That mit denselben Symbolen der Unterordnung unter Gottes Willen, erklärt eins und dasselbe für erlaubt und verboten, für rein und unrein, daß keine sonstigen Verschiedenheiten in Sitte und Sprache dieses Band der Zusammengehörigkeit zu lockern vermöaeu, welches das alle Beziehungen des Lebens umfaffeude Gesetz um alle Genossen brüderlich schlingt. Dieses einende Band in steter Innigkeit zu erhalten verlangt die treue Hingebung an Gott und die gewissenhafte Erfüllung seines in der Thora offenbarten Willens. Die Leidenschaft tat Innern, Wahn und Vorurtheil draußen stellen der unverkürzten Verwirklichung des Gottesgesetzes auf Schritt und Tritt Hindernisse und Schwierigkeiten jeder Art entgegen. Es erfordert den Einsatz aller sittlichen Kraft, das Aufgebot aller Lebensenergie, um Herr über alle Versuchungen zu werden und Sieger in dem Kampfe zu bleiben, zu dem jeder Tag mit neuer, ungeschwächter Kraft ruft. Mitten in diesem Kampf stehend, ist es schwer, ist es fast unmöglich die ruhige Klarheit und Besonnenheit zu gewinnen, welche auch nur erforderlich ist, um den Lebensentschluß für das Ausharren in diesem Kampfe zu fassen. Deshalb ist es uns geboten, aus dem Getümmel der Welt hinauszutreten und uns zu Gott aus dem Leben zu flüchten, damit Er uns die Kraft und den Muth gebe, diesen Kampf erfolgreich zu bestehen. Dieses Heraustreten aus dem Leben, dieses Hinflüchten zu Gott ist das Gebet. Dreimal täglich, wenn die Sonne steigt, wenn sie sich zum Untergange neigt, und wenn ste bereits untergegangen ist, ruft uns das Gebet aus dem Leben heraus hin vor unfern Vater im Himmel mit allem, woran das Herz nur hängt, um alles, was wir schüchtern hoffen, alles, wofür wir bange zittern, unser Glück, unser Weh, unfern Jubel und unser Leid vor ihm auszuhauchen. Da aber nicht jeder die Fähigkeit besitzt sein Hoffen und Sehnen, sein Bangen und Fürchten in die rechte Form zu kleiden, haben die großen Regler unseres Pflichten-

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