Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1894)
- Date
- 1894-03-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. Jfs 23. Der Israelit. Ein AenLrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag» den IS. März 5654 (1894). Da mit dem 1. April 1894 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1894 eingetragen unter Nr. 3304. Leitender Artikel. Wie iSobbi AKlba die KWser welkte. (Zum Purimfeste.) (Schluß.) Mainz, 16. März. Rabbi Akiba lebte in einer der bewegtesten Epochen der jüdischen Geschichte, in dem zweiten Jahrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung, das Tempelheiligthum war eingeäschert, Zijon zu einem Felde umgepflügt, das heilige Land verödet und seine Bewohner in alle Richtungen der Windrose zerstreut, waren der Schmach und Gewaltthätigkett der römischen Tyrannen preisgegeben. Der Druck Roms lastete unerträglich schwer auf den geächteten Zerstreuten und ließ sie auf Mittel und Wege sinnen das harte Joch abzuwerfen. In größter Heimliche keit verbanden sich die Gleichgesinnten, sie sammelten Mittel und warben Truppen, um einen Aufstand gegen die römische Herrschaft zu organisiren. Das Unternehmen gelang. Bar Kochba warb ein großes Heer, warf die römische Besatzung aus hunderten von Städten des heiligen Landes und schien selbst den großen Weisen und vor allen Rabbi Akiba als der von Gott berufene Messias, gesandt das in seinen letzten Kräften am Boden ringende Gottesvolk wieder zu seiner einstigen Glorie zu erheben. Die fortwährenden Siege der jüdischen Truppen unter Bar Kochbas Führung bestärkten das ganze heldenmüthig für seine Unabhängigkeit knüpfende Volk in der Zuversicht auf den Sturz Roms und die Selbst ständlgkeit Judäas. Da erfolgte die Schlacht von Bethar, die mit einem glänzenden Siege der Römer und einer Niederlage der jüdischen Kämpfer endete, die einer vollständigen Vernichtung gleichkam. Die grausame Rache der Sieger kannte keine Grenzen. Sie richteten ein fürchterliches Blutbad iunter den Empörern an, in welchem über 500,000 Seelen das Leben aushauchten. Mit dem Falle Bethars, war der letzte Funke jener Begeisterung für die wieder zu erringende nationale Selbstständigkeit zertreten. Die Römer gestatteten nicht einmal die Beerdigung der Gerödteten, dieselben mußten lange Zeit auf freiem Felde unbegraben liegen bleiben. So schmerzlich diese Erfahrung für die israelitischen Zerstreuten auch war, eine heilsame Folge hatte sie für alle: Israel hat seitdem nie wieder den Versuch gemacht auf eigene Faust, durch Entfaltung materieller Macht, sein Exulanten-Loos zu verbessern oder gar gegen dasselbe sich aufzulehnen. — „Als der von Bar Kochba geleitete Aufstand unter Hadrian sich als eine unheilvolle Vrrrrung erwiesen, und es galt, für alle Zeiten dem jüdischen Bewußtsein die Warnung stets gegenwärtig zu halten, mit eigener Macht nie wieder den Versuch zur natioualen Wiederherstellung zu machen, diese nationale Zukunft vielmehr ausschließlich und allein der Gotteswaltung anheimzuftcllen, schrieben— als die niedergetretene Nation wieder aufzuaihmen begann und schon die blose Gestattung, die Hunderttausende um Bethar Gefallene endlich zu begraben, als den Anfang einer besseren Zeit begrüßte — die in Jrbne tagenden Weisen eine vierte Beracha: a'Bani 2'v7> in das tägliche Tischgebet ihres Volkes, in welcher das Andenken an die beispiellose Niederlage zu Bethar in dem Dank verewigt wird, der schon die Erhaltung der Leichen uud deren Bestattung als überschwängliche Gnade begrüßen dürfte urw a’Bam imon anan (Berachoth 48 b) und für alle Zukunft den Blick von jeglicher