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Der Israelit · 1894-03-05 · Heft 19 (5.3.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 19 (5.3.1894)
Date
1894-03-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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!MWWWWWWWWWMWWMMWW im Jahrgang. Beilage )u M 19 des „Israelit“. Leitender Artikel. Die wiederholte Petition um das Schächtveröol in der Commission des Bayr. Landtages. München, 1. März. Seit der Behandlung der Weng'schen Petition des Münchener antisemitischen Vereins gegen die jüdische Schlachtungsmethode (das ,,Schächten"), welche am S. Februar im Petitionsausschuß be» handelt worden, sind Anschlußerklärungen an die genannte Petition erfolgt von den antisemitischen Volks vereinen in Würzburg, Traunstein und Haßfurt, dann ist noch eine besondere Petition von Geister Namens der bayerisch-antisemitischen Volks. Partei eingelaufen. Es entspinnt sich eine Geschäftsordnungsfrage darüber, ob diese Petitionen mit dem verneinenden Beschlüsse vom 9. Febr. abgethan seien, oder ob dieselben einer nochmaligen Berathung unterzogen werden sollen. Der Vorsitzende Reindl weist auf Art. 28 Abs. 5 der Geschäftsordnung hin, wornach ein abgelehnter Antrag, wenn er auch in anderer Form in derselben Landtagsversammlung wieder erscheine, als abgethan zu betrachten sei, bemerkt aber weiter, daß der Ausschußbeschluß vom 9. d. M. der Kammer noch nicht mitgetheilt sei. Ref. Dr. Frank und Abg. Frickhinger sind der Anschauung, daß, was die Geschäftsordnung der Kammer einräume, wohl auch analog dem Ausschüsse zustehe, daß man aber diesen formalen Grund doch nicht benützen sollte, um die Materie der Bittschriften zu beseitigen, mit welcher Anschauung der Ausschuß sich einverstanden erklärt. Ref. Dr. Frank gibt dann einen erschöpfenden Auszug aus der Geisler'schen Petition. Die Antisemiten behaupten, der Talmud thue dem Mosaischen Gesetze Zwang an. Er widerlegt dies, indem er an der Hand der 5 Bücher Moses beweist, daß in diesen wiederholt auf die jüdische Schlachmethode hingewiesen wird. Der Jude habe dasselbe Mitgefühl für die Thiere wie der Christ. Der Talmud habe das Schächten keineswegs in das Mosaische Gesetz eingeschmuggelt. Er führt viele wissenschaftliche Argumente vor, wonach die Thiere beim Schächten keineswegs langsamer absterben, als bei anderen Schlachtmethoden, womit auch die Erfahrungen großer Physiologen, wie Du Bois-Reymonds, Virchows und anderer übereinsttmmen. Der verstorbene Rabbiner Stein in Frankfurt, der Rabbiner Stern in Gunzenhausen seien keine Autoritäten in der Physiologie und bei den orthodoxen Juden. Referent gibt dann einen eingehenden Bericht über den Besuch im Schlachthause, den er in der vergangenen Woche mit einem Dutzend Kollegen gemacht habe, um das kunstgerechte Schächten selbst anzusehen. Er habe auch die berühmten Professoren Dr. v. Voit und Geh. Rath Dr. v. Pettenkofer besucht und ne um ihre Anschauung gebeten. Diese Gelehrten stimmen alle darin überein, daß das Schächten wegen des Blutverlustes, der Anämie im Gehirn, dem Thiere daS Schmerzgefühl am meisten verkürze. Es sei nicht bekannt, auf welche Gutachten hin die sächsische Regierung daS Verbot des Schächtens erlassen habe. Einige Jahre vorher habe die sächsische Regierung nur Gutachten erhalten, welche den Vorzug des Schächtens betonten. Er komme zu dem Schluffe, zu beantragen : geeignet zur Erörterung im Plenum mit dem Anträge auf Uebergang zur Tagesordnung. Korreferent Löwenstein: Mit welcher Einseitigkeit die Antisemiten hier vorgegangen sind, erhelle schon daraus, das ihre Presse dem Vorsitzenden Vorwürfe darüber gemacht habe, daß er nur Anhänger des Schächtens, Herrn Dr. Frank und ihn (Löweuftein), mit dem Referate betraut habe. Die 3 erstgenannten Petitionen stimmen mit der am 9. ds. Mts. behandelten überein, sie seien fachlich gehalten. allein die Eingabe des Redakteurs Geister ist auf die Judenhetze berechnet. Es handle sich gar nicht um eine Thierquälerei, sondern um eine erwünschte Unterlage zur Judenhetze. Er könne sich mit dem Anträge des Referenten einverstanden erklären. Abg. Frickhinger: Er verstehe vom Viehschlachten gar nichts, ja er hgbe niemals ein größeres Thier schlachten sehen, mit Ausnahme eines Ochsen, der versuchshalber unter Anwendung der Schutzmaske (L 1a Bouterole) mit nicht gelungenem Erfolge getödet wurde. Um so mehr habe er die Pflicht gefühlt, die 224 Gutachten von Professoren der Physiologie, Pathalogte und Anatomie aller Kulturländer, von Direktoren und Professoren der Thierarznetschulen, von Landes- und Polizeithierärzten, von Veterinäraffefforen, Bezirks-, Kreis-, Sanitäts- und Schlachthofthierärzten durchzusehen, aus welchen mehr oder weniger hervorgehe, daß von diesen Sachverständigen das Schächten dem Todtschlagen des Schlachtviehs vorgezogen wird. Die Schrift des Krankenhausarztes Dr. Dembo in Petersburg, welche angeschafft und in der Landtagsbtbltothek einzusehen sei, beweise: 1) daß es vom Standpunkte des Thierschutzes aus keine „humanere" (Redner würde den Ausdruck „sicherere und rascherere" vorztehen) Schlachtmethode als das Schächten gebe: denn sie führe am schnellsten die Bewußt- und jij '•Si

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