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Der Israelit · 1894-03-01 · Heft 18 (1.3.1894) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 18 (1.3.1894)
Date
1894-03-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Zweite Leilage M M >8 des „Israelit“. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Karlsruhe, 15. Febr. In der heutigen Sitzung der 2. Kammer stand das Kultusbudget zur Berathung. Für den isr. Kultus ist gefordert a) im ordentlichen Etat: 7000 Mk. (auf 1 Jahr) v) im außerordentlichen: 18,400 Mk. (auf 2 Jahre). Die Positionen des evang. Kultus (im Summa 577,465 Mk.) wurden debattelos angenommen. Beim israelitischen fragt v. Stockhorner (kons.) an, ob der israelitische Oberrath nicht der Regierung Gutachten zu erstatten habe und ob der Oberrath nicht auch anläßlich der Petition des hiesigen antisemitischen Vereins, die dem Hause Vorgelegen, ein Gutachten erstattet habe. Aus den Verhandlungen der ersten Kammer über die gleiche Petition sei festgestellt worden, daß im Seekreise eine israelitische Handelsschule bestehe, in der ein „Auszug des Schulchan Aruch" als Lehrbuch benützt werde. Er bitte die Regierung, darüber Auskunft zu geben, welche Stellung die Regierung in dieser Sache einnehme. Mintsterialrath B e ch e r e r erklärt, daß Bücher, wie sie in jener Petition angeführt gewesen, nicht an den Elementarschulen im Gebrauch seien. Von der in der Frage stehenden Handelsschule habe die Regierung das Buch einfordern lassen und ein Gutachten des Oberraths über dasselbe eingefordert. Das Gutachten habe festgestellt, daß in dem Buche nichts zu beanstanden sei. Die Regierung habe sich mit dem Gutachten nicht zufrieden gegeben und eine Prüfung des Buches durch einen hervorragenden Gelehrten veranlaßt. Diese Prüfung sei noch nicht beendet. v. Stockhorner dankt der Regierung für deren Auskunft und bittet dieselbe, das Ergebniß der Prüfung seiner Zeit bekannt zu geben; das würde viel zur Beruhigung der Bevölkerung beitragen. Nach kurzen Ausführungen der Abgeordneten Strübe und Wacker wird diese Position ohne weitere Debatte angenommen. Oefter.-Ungar. Monarchie. Budapest. Mit aufrichtigstem Bedauern bringen wir die höchst betrübende Kunde, daß der hochgeehrte und vielgefeierte Universitäts-Professor und Sanitätsrath Herr Dr. Gustav S. Scheuthauer, im Alter von 62 Jahren am 28. v. M. Nachmittags in seiner Wohnung plötzlich und unvorbereitet einem Herzschlage erlegen ist. Die erste Hochschule Ungarns hat ihre tüchtigste Kraft, ihre stolzeste Zierde verloren. Voll Dankbarkeit gedenken wir der unvergeßlichen Leistungen des Dahingeschiedenen in dem fluchwürdigen Tisza-EszlLrer Proceffe. Unvergessen bleibt für alle Zeiten sein unbefangenes, wahrhaft mannhaftes Auftreten in diesem Sensattonsprocesse, wo er als erste Capacität, ja geradezu als unfehlbarer Fachmann durch seine auf profundes Wissen beruhenden Aussagen auf den günstigen Ausgang dieses durch die bodenloseste Niedertracht angezettelten Processes entscheidend wirkte. Große Beachtung fand auch Scheuthauer's Schrift: Aphorismen über den medicinischcn Theil der Nyiregyhüzaer Schlußverhandlung." In derselben bespricht er in objectiver Weise das Unsinnige, welches die Böswilligkeit und der Unverstand in Umlauf gebracht hatten, um unschuldige Menschen in unverdientes Unglück zu stürzen. Es war für den Anatomen par excellence ein Leichtes, den unwiderlegbaren Nachweis zu erbringen, daß die Blutthat, welche einige Juden an dem Bauernmädel Solymosi sollten verübt haben, gleich den bisherigen Blutbeschuldigungen in das Reich der Fabel gehören. Wir können es uns nicht versagen, aus der Feder des -hiesigen Publicistcrr I. Devecseri folgendes von ihm selbst Erlebtes hier wiederzugeben. Der treffliche Journalist schreibt u. A.: „So populär auch Scheuthauer's eigenartige Persönlichkeit an der Budapester Universität war, auf die Lippen aller Welt kam sein Name erst anläßlich eines der berühmtesten und aufregendsten Proceffe dieses Jahrhunderts : der causa Tisza-Eslär, deren tobte Heldin, die fünfzehnjährige Esther Solymosi, unter seiner Mitwirkung exhumirt wurde. Von da ab begann die Riesenarbeit Scheuthauer's, welche erst acht Monate später im Comitatshaussaale zu Nylregyhä.;« ihr Ende fand. Es handelte sich darum, von Scheuthauer das authentische Gutachten über das Ergebniß der zweiten Section zu erhalten und der Schreiber dieser Zeilen wandte sich an den Professor mit der Frage, wann er am sichersten in seiner Wohnung zu treffen sei. „Von zwölf bis zwei Uhr" lautete die Antwort. Pünktlich in dem genannten Zeiträume war Scheuthauer — nicht zu Hause. Auf die noch am selben Tage im Obductionssaale vorgebrachte Recrimination erwiederte er mit der denkbar ernstesten Miene: „Ich muß Sie für meine Zerstreutheit um Entschuldigung bitten. Ich habe vergessen hinzuzufügen: Nachts. Sie finden mich unbedingt." Und so war es auch. An dem Gutachten war noch einiges zu seilen und so wurde es ungefähr 5 Uhr Morgens, bis die gemeinsame

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