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Der Israelit · 1894-03-01 · Heft 18 (1.3.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 18 (1.3.1894)
Date
1894-03-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXT. Jahrgang. M 18 Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 1. März 5654 (1894). Leitende Artikel. Woderne Märtyrer. Mainz, 25 Februar. Im Zuge unserer Zeit liegt das Bestreben Märtyrer zu schaffen. Dies auf zweierlei Wegen. Einmal, indem man Nichtgentlemens, die endlich einmal der strafenden Gewalt anheimfielen, der sie lange ein Schnippchen geschlagen, um anderer, etwas trüber Verdienste willen mit dem Strahlenkränze der verfolgten Unschuld, des verfehmten Vorkämpfcrihums für die edelsten Güter der Menschheit versieht und so den^Stmri in einen Pinchas verwandelt. Schon diese Art ist recht bedenklich; bedenklicher aber noch ist die andere, die künstlich Leidensheldeu schafft, indem sie Unschuldige und Gerechte mit der Last von Anderen begangener Schurkereien beschwert, ihnen eine Verantwortung aufbürdet, — unter deren Druck sie erliegen müssen, und die dann diese Niederlage als die gerechte Nemesis feiert, der kein Frevler entgehen könne, während in Wahrheit das vergossene Blut Rache heischend zum Himmel schreit. Typen der ersten Art sind Briemann und Paulus Meyer, die nach ihrem bürgerlichen Tode ihre Auferstehung als Blutzeugen wider die Gewalt des Judenthums feierten; die letzte Art wird würdig durch den bedauernswerthen Busch hoff vertreten, über dessen Häupten um ein Haarbreit die Wogen der Stöcker und B ress er zusammengeschtagen wären. Ein Vorkommniß der letzten Wochen, das über Gebühr die öffentliche Aufmerksamkeit beschäftigte und noch in Anspruch nimmt, bietet für diesen beklagenswerthen Zug der Zeit neue Belege nach beiden Seiten hin. Seitdem nämlich vor etwa 6 Wochen ein ernsthaftes jüdisches Blatt dem Alarmrufe eines ungenannten Mitarbeiters über die angebliche Vergewaltigung eines Jerusalemer Redacteurs Ben Jehuda durch das dortige Beth-Din Aufnahme gewährt hat, tobt in den Lonventikeln und den literarischen Erzeugnissen der „Nationaljuden" ein wüster Chor, der sich in den ödesten Schimpfereien und Hetzereien gegen die „Bettelsanatiker" und die „Chalukarabbiner" gefällt und mit schlecht verhehlter Genugthuung feststellt, daß, Dank ihrer Demagogie die milden Gaben für Jerusalem und das hl. Land allerorten langsam fließen. (Vgl. Jüd. Volksztg. Nr. 7 Corresp. Berlin.) Ueber dieses „Nationaljudenthum" ein Wort im Vorübergehen. Der nationale Chauvinismus ist unberechtigt in jeder Form, die er annimmt; denn er brüstet sich mit Vorzügen, die, weil durch Geburt und andere außerhalb der Persönlichkeit liegende Umstände erworben, ebensowenig wie die adlige Abkunft ihrem Besitzer ein Recht zu einer Höheren Meinung von sich geben. Geradezu widerwärtig aber ist der mit einem Stiche ins Hysterische behaftete jüdische Nationalitätsdusel, der, von einigen russischen und galizischen Provenienzen in erster Reihe gepflegt und großgezogen, keine andere Berechtigung hat als die einigen morschen Gliedern, die mit dem, was lebenskräftig ist am Judenthum, seiner Religion, völlig gebrochen haben, durch den Antisemitismus aber an ihre Raffeneigethümlichkeit gemahnt das Odium der Feigheit fürchten, wenn sie dem Judenthum auch äußerlich den Rücken kehrten, um diesen abgestorbenen Gliedern durch eine künstliche Athmung den Anschein pulsirenden Lebens zu geben. Was berechtigt und lebensfähig ist an dieser Bewegung, so die Bestrebungen für Colonisation Palästina's, ist ihr nicht eigenthümlich, sondern wird auch von denen erstrebt, die eine Zugehörigkeit zu „Jungisrael" kühl ablehnen; was ibr aber eigenthümlich ist, das Schwelgen in jüdisch-nationalen Schwärmereien ist zum mindesten grotesk. Und diese Gesellschaft wagt es von Männern, wie R. Samuel Salant und Genossen in ihren Brtefkastennotizen zu schreiben: „Der

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