Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 17 (26.2.1894)
- Date
- 1894-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/'' ■' ■ XXXV Jahrgang. ■/jfr 17 Der Israelit. Ein GenLrat-Hrgan für das orthodoXe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 26 Februar 5654 (1894). Leitender Artikel. Pflicht und freier Wille. (Zu ubpw % >npn) Von Rabbiner Dr. Sänger. Auf Befehl Gottes versammelt Moscheh das ganze Volk, um ihm mitzutheilen, was als Spende zur Errichtung des p^o dargebracht werden darf, wie ein Jeder nach Vermögen und Belieben, je nachdem ihn sein Herz dazu antreibt, beitragen kann. Zuvor aber macht er das Volk aufmerksam auf das nav Gebot': «np üob n\*r »jraicvT Onai roxto nrjrn.D»»» rwr vh nyan n; . nor nDnbo ra nnyn bo *rb pnatp rotp .narn ova Dawama Vaa „Sechs Tage darf Arbeit verrichtet werden, aber am siebenten Tag sei Euch ein heiliger dem Ewigen geweihter hoher Ruhetag. Jeder, der an diesem Tage eine Arbeit verrichtet, soll sterben. Ihr dürft kein Feuer anzünden in allen Euren Wohnsitzen am Sabbattage." Raschi bemerkt dazu: na» nnw onb onpn narn n« nnn uw idiV piPcn ronbo „Er lätzt die Warnung, den Sabbat zu verletzen, dem Gebote der Errichtung des ptyc vorausgehen, um damit anzudeuten, daß durch letzteres der nap nicht verdrängt werden darf." In dieser Zusammenstellung des obersten Gebotes mit der Aufforderung zur Darbringung von freiwilligen Spenden zum Bau des Heiligthums werden uns zwei Seiten im Menschen nahe gelegt, die von größter Bedeutung sind, aber durch ihre häufig auseinandergehenden Bestrebungen zu schweren Conflicten führen: Es sind das Pflicht und freier Wille. Das höchste Gut. der größte Stolz des Menschen ist sein freier Wille. Und gerade bei einer hochheiligen Angelegenheit will Gott, daß dieser freie Wille sich entfalte, sich bethättge, sich in schönstem Lichte, in verdienstvollster Weise zeige. In edlem Wetteifer und voller Begeisterung will Jeder Theil haben, will Jeder das Seinige beitragen zum Nationalheiligthum. Aus freiem Herzen, nachdem die Anregung dazu gegeben, bringt ein Jeder das Schönste und Beste, das Liebste und Kostbarste, Gold und Edelsteine, die Frauen sogar ihren Schmuck. Und bei dieser freiwilligen Begeisterung für eine hohe Sache wird die Befürchtung rege, es könnte dabei der Sabbat entweiht werden. Eine solche Begeisterung für das hohe, heilige Unternehmen konnte leicht dem Volke den Gedanken nahe legen, -daß. alles Urbrlge, alle anderen Gebote nicht von solcher Bedeutung seien, daß sie nicht der hohen Sache untergeordnet werden, ihr nicht weichen dürften Könnte denn der Sabbat, dieser Tag der Anerkennung Gottes, bester, würdiger gefeiert werden, als wenn man an demselben für die Errichtung des pffD sorgt, worin der Gottesdienst in seiner höchsten Entfaltung zum Ausdruck kommen sollte? Das ganze Bestreben wäre ja auch nur darauf gerichtet gewesen, ein edles, gottgefälliges Werk zu thun?! So würde vielleicht Israel in seiner Begeisterung für das heilige Unternehmen gedacht haben. Deßhalb erinnert Moscheh, bevor er seinen Auftrag an das Volk vorbringt, das versammelte Volk, Männer und Frauen, Jung und Alt zuerst an seine Pflicht: Höher als das Heiligthum steht die Beobachtung des Sabbat. Stärker als die Begeisterung für eine heilige Sache muß das Pflichtbewußtsein in uns sein. Diese zwei Seiten im Menschen sehen wir immer im Kampfe mit einander, und anstatt sich zu ergänzen und gemeinschaftlich zu wirken, verleiten sie die Menschen, die verkehrtesten und sich widersprechenden Dinge zu^thun. Wir alle haben gute Seiten in uns, und wenn wir gerade Anregung empfangen,Z zeigen sich diese