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Der Israelit · 1894-02-15 · Heft 14 (15.2.1894) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 14 (15.2.1894)
Date
1894-02-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Die ganze Sache handelt sich jedoch, wie ja jetzt allgemein bekannt ist, weniger um das Schächten, als vielmehr nur um einer gewissen, recht gut gekannten Parthei eine Ursache zu ihrem politischen Gebühren zu geben. In der Hoffnung, meine Meinung in dieser traurigen Frage genug beleuchtet zu haben zeichnet hochachtungsvollst I. P. Jüngers, Thierarzt und Schlachthausverwalter in Mül hau sen i. Elsaß. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hürden, 20. Jan. (Unlieb verspätet.) Nachdem unsre Gemeinde erst kürzlich unseren allgeliebten Herrn M. S. Landauer durch den unerbittlichen Tod verloren hat, traf uns schon nach einigen Wochen ein ebenso harter Schlag; otid ytid mitj -ij&sntMjfiio unfern unvergeßlichen O-iv'v tjd hat der allgütige Vater zu sich in ein besseres Jenseits abberufen! Ein Vierteljahrhundert war der edle Verblichene ein eifriges Mitglied der w man, fast ebenso lange entzückte er durch seine herrlichen Vorträge in den Vereinen min und r6a nojan allsabbatlich die Zuhörer. Zu den Gebetszeiten in der Synagoge erschien er als Erster und verließ sie als Letzter, bis in die tiefe Nacht hinein forschte er in der von ihm so heiß geliebten Lehre unseres Gottes, die auch, als schon die Krankheit ihn ans Haus fesselte, nicht aus seinem Munde wich, als ihn endlich der Tod am oa» ü im 74sten Jahre seines Lebens von dem schmerzhaften Leiden, das er mit frommer Ergebung in den Willen Gottes trug, befreite. Wie in Ausübung der religiösen Satzungen, so war er auch im Handel und Wandel das Prototyp eitles echtreligiösen Jehudi. — Da Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Jchenhausen erkrankt war. hielt Herr Lehrer Heinemann dem theuren Heimgegangenen die Grabrede, .Taswn Möge unsere nun fast verwaiste Gemeinde vor harten Schicksalsschlägen in Zukunft bewahren! — I — Oeft er.-Ungar. Monarchie. Lemberg. Der „Carmel" meldet: Der Oberrabbiner Jsac Schmelkes in Przemysl, unstreitig die größte talmudische Autorität in Galizien, ist nun definitiv zum Oberrabbiner der israel. Cultusgemeinde in Lemberg designirr worden. Wir können der berühmten Gemeinde der galizischen Landeshauptstadt zu diesem Entschluß nur Glück wünschen. Rabbi Jsac Schmelkes aus Przemysl stammt aus einer hochberühmten uralten Rabbinerfamilie und genießt in ganz Galizien allgemeine Verehrung. Italien. Rom. Aus einer Mittheilung des Amtsblattes über Veränderungen im diplomatischen Corps entnimmt man die Thatsache, daß in Italien ein Jude den Titel Marquis führt. Es ist dies Srg. Teofilo Rodolfo Cahen, Marchese die Torre Alfina, welcher von der italienischen Gesandtschaft in Madrid nach Paris versetzt wurde. Italien war der erste Staat, welcher in neuester Zeit einen Juden als Minister an einen europäischen Hof geschickt hat. Graf Hierschel di Minerbi, welcher seiner Stellung nach gleich nach dem italienischen Gesandten in London rangirt und in dessen Abwesenheit Charg6 d’Affaires ist, ist unser Glaubensgenosse. Rußland. Warschau, 10. Februar. (Antisemitisches Pech.) In der in Warschau erscheinenden antisemitischen „Rola" stand vor Kurzem folgende Briefkasten- Notiz: „Wir rathen Ihnen, sich an Herrn Rechtsanwalt Theodorowsky zu wenden, er ist ein hochgeschätzter und geachteter Mann und vollkommen überzeugter Christ. Gegen mäßiges Honorar wird er Ihnen über Alles, was Sie wissen wollen, Auskunft ertheilen. Möge Gott Sie vor einem jüdischen Rechtsanwalt, der Sie maßlos betrügen würde, behüten." Nach fünf Tagen konnte man im Warschauer Polizei-Anzeiger lesen: „Auf Anordnung des Oberbürgermeisters wurde der Rechtsanwalt Theodorowsky wegen Betrugs und Unterschlagung verhaftet und sein Bureau geschlossen. Vermischtes. Der berühmte deutsche Dichter Wilhelm Jensen urtheilt in der Borrede zu seiner Novelle „Die Juden von Köln" über den Antisemitismus wie folgt: „Das Mittelalter mit seinem schwarzen Tod, seinen Ausgestoßenen, seiner blinden, rechtlosen Willkür ist vorüber und seine rohe Barbarei vom Throne gestürzt. Doch die Nehme ist geblieben und wendet sich unausgesetzt wider ihre Opfer. Die Gluth des zügellosen Grimmes, welche Scheiterhaufen und Städte entzündete, um Unschuldige zu martern und zu berauben, ist im kühlen Luftzug der Neuzeit erloschen. Die Leidenschaft ist in den Adern der alternden Mutter Europa verraucht, aber der Altweibersommer umspinnt mir häßlichem Gewebe die verrunzelten Züge der Matrone, und die feine Barbarei lebt in den Herzen fort. Sie hat ihre Parias bewahrt, und mit der Ohnmacht ihres Grimmes hat sich ihre Oberfläche ausgedehnt. Wie er das unterdrückte Volk des ^Mittelalters weniger um den Borwand des Glaubens als um seine Betriebsamkeit, seine Ausdauer, seinen Verstand, die Schönheit des Glaubens und die Vorzüge des Geistes haßte, so erstreckt er sich heute unter dem alten Deckmantel der Häresie auf jede Begabung, die neiderfüllend aus der Menge aufragt. Weiber weinen über die Ungläubigen, und christliche Facultäten rufen „Wehe!" über die Verirrten. Aber von den Hofrathszähnen trieft das heimliche Gift, und die frommen Thranen des Altweibersommers, der über der Erde schwebt, mischen sich drein und brauen den ekelhaften Krankheitsstoff zusammen, an dessen chronischer Wirkung unsere Zeit darniederliegt."

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