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Der Israelit · 1894-02-15 · Heft 14 (15.2.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 14 (15.2.1894)
Date
1894-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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tXXT. Jahrgang M 14 Der Israelit. Et» Gerrlrat-Hrgan für das orlhodore IudenLyum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 15. Februar 5654 (1894). Leitender Artikel. Zur Rabbiner-Mahl im DistricLs-WaMnat Ansöach. Dr. Carl du Prel bemerkt in einer Polemik als Vertheidtgung seiner Weltanschauung: „Die Stärke einer Sache läßt sich direkt abschätzen aus den Argumenten ihrer Vertreter, indirekt aus den Gegenargumenten ihrer Widersacher. Wenn die Gegner, weil ihnen die Verstandesgründe ausgehen, Angriffsmittel von moralischer Bedenklichkeit anwenden — so kann man sicher darauf rechnen, daß die von ihnen bekämpfte Sache auf starken Füßen stehe." Herr du Prell — Sie haben Recht, Sie flößen mir Muth ein, da auch ich die Anwendung von Angriffsmitteln moralischer Bedenklichkeit erfahren mußte; was hatte ich denn eigentlich verbrochen? Ich will in objectiver Weise den Hergang erzählen: Das Distrikts-Rabbinat Ansbach ist durch den Tod des seitherigen Inhabers erledigt, und muß nun neu besetzt werden. Da erschien vor Kurzem ein Ausschretben der isr. Cultusverwaltung in Ansbach, wonach zur Bewerbung um die erledigte Stelle nur Kandidaten „gemäß-gt konservativer" Richtung eingeladen waren. Voraus ging eine Versammlung am 31. Dez. v. Js., in welcher allgemein betont wurde, der anzustellende Rabbiner müsse streng religiös sein. Man vergleiche nun die Uebereinkunft: „streng religiös" — und das Ausschreiben: „gemäßigt conservativ" — ist das kein Widerspruch? In der gleichen Versammlung wurde auf Antrag des Verwaltungsrathes in Ansbach auch der seitherige Wahlmodus geändert, indem auf je 15 Mark Rabbinatsbeitrag für die Landgemeinden 1 Stimme kommen solle, in Ansbach jedoch solle jeder Wahlberechtigte auch wahlfähig sein. Mit anderen Worten: Nicht mehr die persönliche Ueberzeugung sollte in die Wagschale gelegt werden, sondern — der Geldbeutel; — ist das nicht moralisch bedenklich? Dieser Wahlmodus wurde inhibirt und die Wahl nach Maßgabe der allerhöchsten M. E. vom 24. Dez. 1844 von hoher kgl. Regg. angeordnet. Ich war der Urheber der betr. Eingabe an die kgl. Regierung und wurde deßwegen vom Verwaltungsrathe in Ansbach in öffentlicher wie privater Weise in der moralisch bedenklichsten Art behandelt. Denunckationen. Insinuationen und ähnliche Waffen wurden gegen mich geführt, allein ich wurde nicht getroffen; weil ich eben dem Schützen zu hoch stand, reichte seine Kraft nicht aus, mich zu erreichen. Dem „gemäßigt "cMerbativen" Ausschreiben des Verwaltungsrathes in Ansbach folgte ein Inserat meinerseits, worin ich in Uebereinsttmmung meiner Freunde der Thatsache Ausdruck verlieh, die Wählerschaft wünsche einen streng orthodoxen Rabbiner. Das brachte den Verwaltungsrath in Ansbach außer Rand und Band. Auf solche Weise seine Kreise gestört zu sehen, das ist auch zu arg! Der Plan war doch zu schön: 1) Gibt uns der Wahlmodus ohnehin die Schwerkraft, 2) Hält das „gemäßigt conservative" Ausschreiben überhaupt jeden Orthodoxen fern, — und das alles durch den verflixten „Leutershäuser Lehrer" vereitelt — Grund genug, ihn zu Haffen! Der macht sich aber daraus gar nichts. Er hat seinen Plan auf Wahrheit und Recht gegründet, und weicht nicht von seinem Wege weder rechts noch links. Die gescheiterten Pläne haben natürlich eine neue Versammlung nöthig gemacht und hier sollte mir der letzte Stoß versetzt werden. Meine Absicht habe ich durch meine Thätigkeit nicht erreicht, ich täuschte mich nämlich an meinem Gegner. Ich habe ihm soviel Noblesse zugetraut, daß er wegen prinzipieller Fragen keinen persönlichen

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