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Der Israelit · 1894-02-12 · Heft 13 (12.2.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 13 (12.2.1894)
Date
1894-02-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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224 wenn sie nachher in den Hals gestochen werden, anfangen ganz lebhaft gegen diese — langsame Marter ihr Blut herzugeben, prostestiren tu Tönen, die gefühlvolle, zartbesaitete Seelen zur Verzweiflung treiben können. Ich glaube, daß jede Art der Tödtung von Thkeren auf den Nichtfachmann, wenn cr nicht gerade gefühllos ist, einen schaurigen Eindruck macht. Ich glaube sogar, daß wenn ein Laie einer ärztlichen Operation beiwohnt und die Aerzte sieht, wie sie mit aufgestülpten Hemdärureln scharfe Messer und Sägen und sonstige — Marterwerkzeuge fallen Blutes handhaben, um ihren Mitmenschen zu helfen, ihm das Blut in den Adern erstarrt und er die Aerzte mehr als — Folterknechte betrachtet. Es ist eben Gefühlssache. Uebrigens läßt sich Herr Dr. M. P. B. in P. in seinem wissenschaftlichen Eifer zu einigen Nebertreibungen hinreißcn, die nicht gerechtfertigt sind. Er spricht von einem „heiß vertheidigten Brauch" die Thiere mit Stricken niederzuretßen, wobei fast regelmäßige Brüche der Hüftknochen" erfolgen. Erstens veriheidigt Niemand diese Art des Niederlegens und die „fast regelmäßigen ^Brüche der Hüftknochen" werden so schon vor dem Schlachten die Thiere „Trefa" machen. Noch eine Schlußbemerkung läßt uns auf des Verfassers jüdischen Standpunkt schließen. „Eine ganze Reihe von Vorschriften, die unsere Vorfahren strenge hielten, kenn: die heutige Generation kaum noch .... Ist darum das Judenthum zu Grunde gegangen?" Und doch wendet sich der Antisemitismus gegen die heutige Generation! Auch gegen jüdische Aerzte, selbst wenn sie mit den Antisemiten gegen ihre Religion anstürmen. Gehen Sie doch Herr Dr. M. P. B. in P.! Ich würde mich doch schämen. .... Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen. Deutschland. Berlin, 11. Februar. Aus dem gestern veröffentlichen deutsch-russischen Handelsvertrag entnehmen wir: Mit einem russischen Auswanderungsscheine versehene jüdische Auswanderer russischer Abkunft und andere, welche von den deutschen Behörden nach Rußland zurückgesandt werden, müssen von den russischen Grenzbehörden zugelassen werden, vorausgesetzt, daß sich diese Personen in Deutschland nicht länger als einen Monat aufgehalten haben, von dem Tage an gerechnet, wo sie über die deutsch-russische Grenze gegangen sind. München, 9. Febr. (Bayerischer Landtag.) Im Petitionsausschuß wurde eine antisemitische Petition aus Weiden gegen das jüdische Schächten des Viehes verhandelt. Dr. Frank (Eentr.) beantragt Abweisung der Petition und stützt diesen Antrag auf ein sehr gründlich ausgcarbeitetes Gutachten, sowie besonders darauf, daß das Schächten ein religiöser Akt der Juden sei, in welchen man nicht eingreifen dürfe. Der sozialdemokratische Abg. Löwenstein, selbst Israelit, ist mit Dr. Frank einmal einverstanden, meint jedoch, che man den Juden das Schächten verbiete, solle mau erst die Jagd auf Wild verbieten. Denn durch das Jagen und Schießen leide das Wild mehr, wie beim jüdischen Schächten. Abg. Sellner (üb.) fragt den Abg. Löwenstein, wie man denn dann zu einem Wildpretbraten gelangen solle? Abg. Löwenstetn meine, man solle die Hasen mit Netzen fangen, und dann schächien? Schließlich wurde der Antrag Dr. Frank auf Abweisung der Petition angenommen. > Vermischtes. Lemberg. Unermüdlich auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit ist unser Eultusrath Herr Dr. Wilhelm Holzer. Wer die große Armuth, die in nnserer Gemeinde herrscht, kennt, der wird die mannigfaltige Bethätigung des Wohlthätigkeilssinnes des Herrn Dr. Wilhelm Holzer erst recht zu würdigen wissen. So berichtet man uns, daß 120 Mädchen der hiesigen Czackischen Schule täglich früh unentgeltlich auf Kosten des genannten Wohlthäters mit Thee und Semmeln bewirthet werden. Zur Winterszeit ist das ein Act der Humanität, der nicht genug gelobt werden kann. Rom. Im italienischen Parlamente hat der dreizehnte jüdische Abgeordnete, ein junger Advokat, Ange Pavia, seinen Einzug gehalten. In letzter Woche ist in Duna Lerdahely die Wittwe des Rabbiners Paschkus ein wahres 7>n nfiW gestorben. Durch ihre aufopfernde Pflege war es ihrem leidenden Manne mög'ich der mm und muy sich zu widmen, ihr ist das Verdienst anzurechnen, daß ihre Kinder den Weg der min eingeschlagen, ihr ganzes Leben war ein mustergiltiges._ Briefkasten der Redaktion S. K. Herzlichen Dank für freundliche Zusendung. Die Sache ist aber denn doch zu ernst und heilig, um in einem Preis Räthsel behandelt zu werden. B. I. in F. Freundlichst gesandter Bericht soll gelegentlich verwerthet werden. B M. Fin Freiburg. War zur Aufnahme leider nicht geeignet. Herrn H. Oppenheimer, Lehrer in Leutershausen. Wir bestätigen Ihnen auf Wunsch, daß Sie nicht der Einsender in einer unstrer jüngsten Nummern enthaltenen Notiz: „Ans dem Ansbacher Districts-Rabbinate" gewesen sind. Briefkasten der Expedition. Nathan Koüiu in Prag. Die gewünscheNr. 7 haben wir wiederholt an Ihre von Ihnen bezeichnete Adresse gesandt. Jedesmal kam sie aber mit dem Postvermerk retour: „Adressat nach Wien verzogen" und können wir Ihnen auf Wunsch die bttr. Streisbäuder noch einsenden.

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