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Der Israelit · 1894-02-08 · Heft 12 (8.2.1894) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 12 (8.2.1894)
Date
1894-02-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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210 sie dabei auch besonders die Armen des heiligen Landes bedacht hat. Doch die höchste Sehnsucht ihres Herzens, man konnte sagen das höchste Ideal ihres Lebens war es, daß ihr Vermögen auch nach ihrem Tode zu denselben edlen Zwecken verwendet werde, wie während ihres Lebens. Sie hatte das besondere Glück, hiefür bei ihrem vor nahezu zwei Jahrzehnten verstorbenen Gatten das vollste Verftändniß zu finden. Des Kindersegens entbehrend, waren beide Gatten darin einig, ihr Vermögen hauptsächlich wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken zu bestimmen, und wurden die Grundzüge zu dem von der überlebenden Gattin gemachten Testamente bereits in Uebereinstimmung mit ihr. von deren Gatten festgestellt. Nach diesem jüngst gerichtlich geöffneten Testamente erhalten die Verwandten einen kleinen Theil der Hinterlassenschaft, der weitaus größere Theil ist für wohlthätige Anstalten bestimmt, denen zum Theil die Verpflichtung auferlegt ist. das Trauerjahr wie den Todestag der beiden Gatten, durch Kaddisch und Schturlernen zu begehen. Es erhalten die Synagogengemeinde zu Stolzenau der Wohlthätigkeitsverein (Chewra-Kadischa) zu Hannover, das Waisenhaus zu Paderborn, ( das hiesige Jsr. Simon'sche Waisenhaus darf stiftungsmäßig keine Schenkung annehmen) je 3000 M., der Landrabbiner zu Hannover zur Verwendung für den Verein zur Unterstützung der Schule der Bildungsanstalt , die Samuel E. Meyer-Stiftung, einige namhaft gemachten palästinensischen Anstalten 6300 M., die Unterrichtsanstalt des Herrn Dr. Neustadt in Breslau 1500 M., die christliche Gemeinde in Steyerberg 400 M. Die Summe dieser Legate und der Vermächtnisse für Verwandte beläuft sich auf ca. 60,000 M. Der darauf verbleibende Rest des augenblicklich noch nicht festgestellten nach ungefährer Schätzung aber etwa 100,000 M. betragende Vermögen fällt der Synagogengemeinde Hannover unter demNamen „Heine Jacobsohn und Georgine, geb. Cohn-Stiftung" zu, mit der Bestimmung, daß die Hälfte dem jüdischen Krankenhause und je ein Viertel dem Seminar und der Unterstützungskasse für jüdische Lehrer zugewiesen wird. So hat denn die Verklärte, deren großherziges Leben und Wirken im Trauerhause und auf dem Friedhofe der zahlreichen tiefbewegten Trauerversammlung vom Landrabbiner Dr. Gronemann und darauf von Lehrer Spanier in Stolzenau vorgeführt wurde, an sich und ihrem Gatten das Schriftwort zur Wahrheit gemacht: „Ich habe da in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen errichtet, besser als Söhne und Töchter, einen ewigen Namen, der nicht aufhören wird." England. London. Seit der Anglo-Jewish Historical Exhibition, welche im Jahre 1887 in der hiesigen Albert Hall abgehalten worden, hat sich das Interesse für die Geschichte des Judenthums in Englands besonders rege entfaltet. Es sind in den letzten Jahren mehrere erschöpfende Monographien über kürzere Perioden, so Joseph Jacobs „die Juden in England Angevin's" erschienen, welche bewiesen, daß in den Staatsdokumenten, in städtischen Archiven, in den 8hstaroth u. f. w. ein überaus reiches Material für eine Geschichte des Judenthums vorhanden ist, und um die Nachforschungen desselben zu fördern, resp. die Veröffentlichung der Ergebnisse dieser Studien zu erleichtern, bildete man im vorigen Juni vornehmlich auf Betreiben Lucien's Wols's, eines der besten Kenner der Geschichte des englischen Judenthums, eine Jewish Historical Society of England. Von dieser Gesellschaft ist nun der Vorschlag ausgegangen, die Wiederzulaffung der Juden in England unter Cromwell fortab jährlich an einem bestimmten Tage in offizieller Weise zu feiern. Ueber das Datum dieses Ereignisses gehen die Meinungen der Historiker allerdings weit auseinander. Die ersten Schritte zur Aufhebung des 1290 von Eduard I. erlassenen Verbots gegen die Juden gingen von englischen Puritanern aus, welche seit 1648 mehrfach bei dem Parlamente dahin petitionirten. Am eifrigsten bemühte sich indessen der berühmte Amsterdamer Rabbiner Menasseh Ben Israel um die Erlaubniß zur Rückkehr. Cromwell war den Juden nicht ungünstig gesinnt. Mit ihren zahllosen Verbindnngen in Holland, Frankreich und Spanien unterrichteten sie ihn über alle Vorgänge in diesen Ländern so schnell und regelmäßig, daß man ihnen den Spitznamen „Cromwell's Jntelligencers" beilegte, und für diese werthvollen Dienste erkenntlich, berief er 1655 eine Kommission von Juristen, Kaufleuten und Geistlichen, welche auch erklärte, daß es nicht wider das Gesetz verstoße, die Juden in England zuzulaffen. Ueber die besonderen Bedingungen der Niederlassung konnte man sich indessen nicht einigen und die Angelegenheit blieb in der Schwebe. Am 4. Februar 1658 löste Cromwell sein letztes Parlament auf und nunmehr von aller Kontrolle frei, gestattete er auch bald darauf den Juden, sich in England niederzulassen. Aus diesem Grunde hat man den „Wtederzulafsungstag" am 4. Februar durch eine gesellige Vereinigung gefeiert, auf welcher der Oberrabbiner Dr. Adler einen Vortrag über Menaffeh Ben Israel gehalten hat._ Briefkasten der Expedition A. H. L. Betrag empfangen.

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