Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 12 (8.2.1894)
- Date
- 1894-02-08
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. Zweite Beilage zu M 12 des „Israelit". Literarische Notiz. Benedict Hause, ein Lehrer-Beterau. Zu seinem 80. Geburtstage am 20. Februar 1894 von Leopold Katz, Lehrer in Ratibor. Ratibor 1894. Druck und Verlag von Reinhard Meyer. Preis 20 Pfennig. Benedict Hause in Eisenach, unfern Lesern als Correspondent und Novellist längst schon gut bekannt, wird vom Verfasser als Lehrer, Schriftsteller und Mensch ausführlich und anmuthtg geschildert. Hauses Schriften zeichnen sich von vielen gleicher Gattung dadurch vorlheilhaft aus, daß in ihnen in der anmuthigsten Form vielumstrittene Fragen religiöser Natur auf das glücklichste gelöst werden; seine Jugendschriften lassen schon durch ihren Titel: „Der Wahrheit Segen — der Lüge Fluch", „Schein und Sein" „der goldene Boden" — den Erzieher vermuthen, während seine „Novellen aus dem jüdischen Leben" den Lehrer in Israel verrathen. So behandelt er in einer Novelle die Speisegesetze, in einer zweiten spricht er sich kraftvoll gegen den Gräbercultus aus und räth mit klugem Sinn: doch all die Gaben für die Kränze der Todten lieber den lebenden Armen zufließen zu lassen. In einer dritten Novelle weiß er mit Prophetenetfer das Aufstellen eines Weihnachtsbaumes von Judenhand als so unschicklich, herausfordernd, ja verhöhnend darzustellen, daß manche Jüdin, die es betrifft, durch das Lesen dieser Novelle beschämt und belehrt, in Zukunft von dieser Nachäffung absehen dürste. Hauses Tischreden alter und neuer Zeit beweisen, daß der agadische Theil des Talmuds sein Arbeitsfeld, daß er auf ihm zu Hause ist; er ist immer bestrebt, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Der Reinertrag dieses Schriftchens ist zu einem Angebinde für Hause zu seinem 80. Geburtstage, zu welchem wir ihm unsere herzlichsten Glückwünsche senden, bestimmt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Der in weiten Kreisen bekannte königliche Musikdirektor Professor L. Lewandowski ist am Sonntag Morgen nach kurzem Krankenlager tm Alter von 75 Jahren an Altersschwäche gestorben. Professor L. war ca. 40 Jahre hindurch als Leiter des Synagogenchors der israelitischen Gemeinde thätig und hat sich in dieser Stellung sowohl, wie in derjenigen als Lehrer der Horwitzschen Knabenschule, sowie der Steinschnetder'schen Mädchenschule die Liebe und Verehrung vieler Tausende erworben. L. wurde unter Kaiser Wilhelm I. gelegentlich mehrerer vor dem Katserpaare veranstalteten Musikaufführungen zum königlichen Musikdirektor und von Kaiser Wilhelm II. zum Professor der Musik ernannt. Den greisen Gelehrten traf vor vierzehn Tagen noch der große Schmerz, daß ihm seine gleichfalls betagte Gattin starb. Zu dem 1876 stattqehabten 50jährigen Rabbiner-Jubiläum des Herrn Dr. Hildesheimer componirte er die Festhymnen. GL Hannover, im Januar. Durch die Großherzigkeit einer edlen Frau sind jüngst viele hiesige wie auch auswärtige gemeinnützige Anstalten mit ansehnlichen, zum Theil sehr reichen Zuwendungen bedacht worden. Der Name dieser Edlen ist Frau Georgin e Jacobsoh n, früher in Steyerberg bei Liebenau, zuletzt in Stolzenau wohnhaft, wo sie am 10. Tebeth (19. Dez. v. I.) etwas über 60 Jahre, alt verschieden ist. Ueberaus schlicht und einfach in ihrem Wesen und Auftreten, hat sie in ihrer Frömmigkeit ihre höchste Befriedigung gefunden und nur ein Vergnügen und einen Genuß gekannt, — das Wohlthun. Wenig hat sie für ihre Person gebraucht, desto mehr Anderen gegeben, Juden und Ntchtjuden, Keiner hat jemals vergeblich sich an sie gewendet. Ihre tiefe altjüdische Frömmigkeit ließ sie aber ganz besonders ihr Interesse an der religiösen Erziehung armer Kinder bethätigen. Für die Erziehung mancher armen Kinder aus Gemeinden, in denen es an einem Reltgtonslehrer fehlte, und die deßhalb hierorts untergebracht und unterhalten werden mußten, hat sie regelmäßige Jahresftipendien gewährt von einer Höhe, wie sie sonst besondere Stiftungen gewähren; vor einigen Monaten sogar ein solches, wohl in der Vorahnung ihres Todes, auf 6 Jahre im Voraus, damit das aufgenommene 8jährige Kind bis zum Ablaufe des schulpflichtigen Alters jüdischen Religionsunterricht hier erhalten könnte. Manche dieser durch ihre reiche Förderung aus körperlicher und geistiger Verkümmerung herausgerissenen Kinder sind später an dem hiesigen Seminar zu Lehrern herangebildet worden, und das war für ihr frommes, jüdisches Herz eine ganz besondere Freude. Doch ihre Wohlthätigkeit war nicht durch ihre Heimathprovinz begrenzt. Eine fleißige Leserin der jüd. Blätter fand sie in den verschiedensten Gegenden Gelegenheit, ihren Edelsinn zu bethätigen. In den verschiedenen Spendenlisten wird der Name Georgine Jacobsohn den Lesern gewiß besoders häufig begegnet sein, und es war wieder ein Zeichen ihrer Frömmigkeit, daß