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Der Israelit · 1894-02-08 · Heft 12 (8.2.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 12 (8.2.1894)
Date
1894-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. •~7r^F-.^^•^ewer'jr; 77 tr/t /fn? * ' M 12. Der Israelit. Et» Gentrak-Hrgan für das orlhodore IudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann tn Main-. Donner ft ag, den 8. Februar SSS4 (18S4). Leitender Artikel. Ein jüdischer Rechtsanwalt nichtjüdischen Bekenntnisses. Berlin, 6. Februar. Chamiffo erzählt uns die ergötzliche Geschichte von einem, dem's zu Herzen ging, daß ihm der Zopf so hinten hing, und dem der Zopf, trotz allerdrolligen Sprünge hinten hängen blieb zum großen Verdruß seines Besitzers. An diese Sprünge erinnert eine Schrift des Herrn Rechtsanwalt I. A. Emil Lehmann in Dresden, welche den Titel führt: „Der Deutsche jüdischen Bekenntnisses" und einen Vortrag zürn Gegenstand hat, den der Verfasser im Centralverein Deutscher Staatsbürgerjüdischen Glaubens zu Berlin hielt. Der Zopf dieses Vereins und seines Lodredners ist das Judcnthum. Dieser Zopf hängt ihnen vorn. Da sie ihn nicht los werden können, so haben sie sich rcstgnirr in das Schicksal, einen solchen Zopf zu besitzen, gefügt, wenn er ihnen nur nichl so vorne, sondern wenigstens hinten hinge! Sie wollen nicht Juden deutscher Nationalität, deutscher Sprache und Gesinnung sein, sondern Deutsche möchten sie sein jüdischen Bekenntnisses. Warum sie sich darauf so copricireii V Weil die Antisemiten sagen, die Inden seien keine Deutsche, so möchten sie ihr Deutschthum so recht in den Vordergrund stellen. Ob es ihnen was helfen wird? Der Verfasser gesteht in dem Vorwort, daß es ihm schwer fiel für seinen zöpfigen Weltschmerz einen Verleger zu finden! Es scheint somit nicht weit her zu sein mir der Behauptung, mit welcher der Verein in seiner vor Jahresfrist erschienenen anonymen Jungfern-Broschüre um sich warf, daß er für seine destruktiven Gesinnungen und Tendenzen die Mehrheit der Juden hinter sich habe. Wäre nach solchen Harleguinaden Nachfrage, dann wären auch Verleger dafür zu haben. So aber sitzen sie zwischen zwei Stühlen. Von den Juden werden sie für Deutsche und von den Deutschen werden sie für Juden gehalten. Daß sie Deutsche jüdischen Bekenntnisses seien, das glaubt ihnen kein Mensch und den versuchten Beweis dafür unter die Leute zu bringen, will kein Verleger riskiren. Ob diejenigen, welche an diese Tüftelet glauben, Recht haben, oder ob das Recht auf Setten der bösen ungläubigen Welt ist, das interesstrt uns hier wenig. Wenn Herr Lehmann lieber als Deutscher jüdischen Bekenntnisses, wie als Jude deutscher Nationalität gelten möchte, so ist dies seine höchst eigene Sache, wie auch die wenig glückliche, oft recht triviale Art und Weise der Argumentation, mit welcher er das zu beweisen sucht. Wir würden davon keinerlei Notiz zu nehmen Veranlassung haben, wenn Herr Lehmann nicht einige seiner alten Denunciationen in seinen Zops einzuflechten versuchte. — Die gröbsten unter ihnen, sollen hier kurz Revue passiren. „Und hier komme ich zu einem Punkte, in „dem ich einen Theil der sogenannten jüdischen „Presse, ja einen Theil der wirklichen — für „Juden geschriebene — Judenpresse von einer „gewissen Verschuldung nicht freispcechen kann — „von der der Vertuschung, Bemäntelung, Milde- „rung gewisser beklagenswerther Ausschreitungen „einzelner Juden, von der Aufbauschung dunkler „Punkte aus dem Privatleben der Antiscmiten- „führer. Daß deren Presse auch so verfährt, ge- „reicht nicht zur Entschuldigung. Anderer Fehler „tilgen die meinen nicht." Für diese Geständnisse einer deutsch-jüdischen Rechtsanwalts-Seele werden die Antisemiten-Häuptlinge schon dankend quittiren. Vielleicht findet Herr Lehmann bei ihnen für feine späteren Publikationen sogar einen Verleger. Einen solchen Mitarbeiter sollten sie sich nicht entgehen lassen. Herr Lehmann

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