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Der Israelit · 1894-02-05 · Heft 11 (5.2.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 11 (5.2.1894)
Date
1894-02-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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188 gegen die Schlußausführungen des Berichts, der jetzt bestehende Antisemitismus fei in erster Liwe auf die Agitation zurückzuführen', die in dem Bericht niedergelegten Wünsche, daß aus dem Judcnthum selbst heraus gegen eine unleugbar bedenkliche Geltendmachung seiner Eigenart Proteste geltend gemacht würden," könne er nicht gutheitzen, da darin eine gewisse Anerkennung des Antisemitismus liege. Landgerichlspräsident Kamm kann nicht bestreiten, daß im Volke über die Stellung der Juden im Staate eine Mißstimmung bestehe, die auf den Börsenschwindel und den Wucher zurückzuführen sei, zwei Erscheinungen im wirthschaftlichen modernen Leben, die vornehmlich auf die Juden zurückgeführt würden. Gerade der tiefsten Schichten der Bevölkerung hätte sich die antisemitische Bewegung bemächtigt, der man mit Energie entgegentreten müsse. Deshalb sei es Ausgabe der guten Elemente bei Christen wie Juden, dem Unrecht, wo es sich zeige, entgegenzutreten. Auch dürften die Juden, ohne ihre Religion zu verletzen, sich mehr als bisher mit den Christen amalgamiren und ihre Sonderstellung in der Gesellschaft mehr als bisher aufgeben. Nicht dem Antisemitismus habe er das Wort reden, wohl aber die Regierung auf Mißstände im öffentlichen Leben aufmerksam machen wollen, die der Abhilfe dringend bedürftig seien. Geh. Hofrath Dr. Meyer betont, daß in gewissen Theiten Deutschlands, vor allem in Hessen, wo der Bauernstand vielfach durch jüdischen Wucher verarmt und verschuldet sei, die antisemitische Bewegung im Volke bestanden habe und nicht hineingetragen worden sei, während in anderen Theilen Deutschlands, so in Sachsen, der Antisemitismus künstlich angefacht worden fei. Gewiß solle man gegen die wirthschaftlichen Schäden einschreiten, wie dies ja auch durch die Gesetzgebung und durch freie Vereinslhätigkeit geschehe, doch halte er es nicht geboten, den Juden alle diese Mißstände in die Schuhe zu schieben, umsoweniger, als die durch den Großkapitalismus zu Tage tretenden Mißstände, die besonders den Kleingewerbtreibenden zum Nachtheil gereichten, vielfach auf Elemente zurückzuführen sestn, die nicht jüdischer, sondern antisemitischer Natur seien. Wenn die Kommission auch nicht eine Befürwortung des Antisemitismus gewollt habe, so könne der Bericht doch nach Außen diesen Anschein erwecken. Oberlandesgerichtspräsident Schneider weist darauf hin, daß sowohl die Civil- und Strafgesetzgebung als auch die Sozialgesetzgebung bemüht sei, gegen die wirthschaftlichen Mißstände anzukämpfen. Aber einseitig gegen die Juden vorzugehen, oder, wie es der Kommissionsbericht thue, den Juden Rathschläge zu ertheilen, halte er nach keiner Seite hin gerechtfertigt. Ungereimt und den Thatsachen widersprechend müsse es genannt werden, wenn man den Juden gar Anwendung altjüdischer sogenannter Geheimgesetze imputire. Freiherr Ferdinand v. Bodmann- Lorettohof betont, daß die Ausbrüche gegen das Judenthum meistens zeitlich zusammenträfen mit wirthschaftlichen Depressionen, um so gefährlicher sei diese Bewegung, die, was nicht zu leugnen wäre, in vielen Kreisen des Volkes fest wurzle. Nach einem Schlußwort des Prälaten Doll wird der Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung einstimmig angenommen. Lichteuau (Baden), 29. Jan. Wie weit es die hiesigen „hohen" Herren mit ihren antisemitischen Hetzereien gebracht, beweist der Mordansall, den 2 junge Burschen am Samstag Abend, am Kaisers Geburtstag, auf einen Israeliten von etwa 60 Jahren machten. Der Angefallene trug 4 Wunden auf dem Kopfe davon. Der Anfall geschah auf der Brücke zwischen Ltchtenau und Ulm. Daß dieser Anfall geplant war, beweist der Umstand, daß die Strolche dem Ueberfallenen eine Strecke nachgeschlkchen waren. Gendarmerie wurde sofort benachrichtigt; durch verschiedene Aeußerungen der Thäter ist man denselben auf der Spur. — In derstlben Nacht wurde in Lichtenau einem Synagogenralh die kleine Thüre am Hofgitter ausgehoben und entwendet. Das also ist die Ernte, deren Saat die verschämten und unverschämten Antisemiten ausgestreut haben. England. London. Durch die freundliche Vermittlung von Doctor Heran hat Sir Joseph Lister F. R. S., der berühmte Gelehrte, welcher das antiseptische Verfahren in der Chirurgie eingeführt hat, dem Oberrabbiner D. Adler nachstehendes Gutachten über die Schächtfrage abgegeben. „Bei der in England üblichen Schlachtweise werden die Blutgefäße des Halses mit einem Messer durchschnitten, nachdem das Thier mit einem Beil geschlagen ist. Bei der jüdischen Methode entfällt die Anwendung des Beiles. „Wenn das Beil geschickt gebraucht wird, so daß das Thier mit einzigem Schlag gefällt wird, so ensteht absolute Empfindungslosigkeit und die ganze Procedur ist absolut schmerzlos, während die jüdische Methode während der Beibringung der Wunde Schmerz verursacht. Dieser .Schmerz ist allerdings von sehr kurzer Dauer, da dem empfindenden Gehirn aus einmal das Blut entzogen wird, welches für seine Functionen wesentlich nothwendig ist; auch wird das Leiden auf ein Mininum reducirt durch die scrupulöse Sorge, mit welcher — wie ich glaube — derjüdische Fleischer darauf sieht, daß das Messer stets außerordentlich scharfsei. Auf der anderen Seite wird die nöthige Geschicklichkeit im Gebrauche des Beiles thatsächlich nur durch sehr lange Uebuna erreicht und nicht selten ereignet es sich, daß" der Schlag nochmals wiederholt werden muß, während die jüdische Procedur den Zweck sicher auf einmal erreicht. „Es ist also die Frage, welche von den beiden Methoden durchschnittlich größere Leiden verursacht, eine offene. „Bemerkt muß werden, daß die jüdische Methode allgemein bei Schafen angewendet wird, während das Beil bei Hornvieh Anwendung findet mehr aus Bequemlichkeit als aus Humanität. Und den Juden in diesem Fall Grausamkeit vorzuwerfen, scheint mir ganz ungerecht." (Jewish Chronicle.) P a l ä st i n a. Jerusalem. Für den seligen Rabbiner Salomon Spitzer in Wien wurden hier zwei Trauerfeier abgehalten, bei denen jedesmal die weiten Räume der großen Synagoge dicht gefüllt waren. Bei der ertzen sprach Rabbiner CH. Sonnenfeld.

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