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Der Israelit · 1894-02-05 · Heft 11 (5.2.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 11 (5.2.1894)
Date
1894-02-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. u Der Israelit. Et» Aenlrat-Hrgan für das orlhodore IudenLyum. Begründet von Dr. Lehm«ur in Mat«-. Montag, den 5. Februar 5654 (1894). Leitender Artikel. Arische Stammesvorzüge und Semitische Raeensehler. Von Rabbiner Heinrich Ctalandauer in Soborten (Böhmen). (Fortsetzung auö Nr. 7.) Nicht Hang, sondern Zwang, fanatische Unduldsamkeit, Beschränktheit und Bosheit riß mit Gewalt das israelitische Volk los von jeder anständigen Beschäftigung und trieb es dem Schacher zu. Der Jude hatte im Gegentheil sogar eine Antipathie gegen den Handel, so lange ihm die Wahl eines andern Berufes gestattet war und er galt ihm für weit weniger ehrenhaft als jedes andere Gewerbe. Obwohl die Nothwendtgkeit und Nützlichkeit des Handels für die wirthschaftliche Wohlfahrt eines Landes außer allem Zweifel ist, so spricht dennoch der Jude Hosea (12, 7) im verächtlichen Tone von demselben, indem er ausruft: „Der Handeltreibende hält in seiner Hand die Waage des Betruges", weil er jeden andern Erwerbszweig für weit ehrenhafter hält. Es ist das eben eine „semitische" Stammeseigenheit, jede Arbeit höher zu achten als den Handel. Und der Talmudjude denkt in dieser Beziehung auch nicht anders. Ihm gilt die Beschäftigung mit der Gotteslehre und der Wissenschaft als das Höchste, wer aber viel mit Handel sich abgibt, vermag sich dieselbe nicht anzueignen (Aboth 6, 6) und Jedem, der sich dem Handel ganz widmet, wird sogar die Fähigkeit zur Erlangung der Weisheit abg.sprochen (das. 2, 6). Der Handel mit Lebensmitteln, um daraus Gewinn zu erlangen, wird geradezu untersagt. (Baba Bathra 91.) Hingegen aber steht die Arbeit in hohen Ehren bei der jüdischen Race. Die Vornehmsten seines Stammes gehörten dem Arbeiterstande an. Die lichtvollen Gestalten der Bibel und des Talmud hatten die schwerste Arbeit zu ihrem Lebensberufe. Das Judenthum kann, wie kein anderes Volk, mit vollem Rechte das Arbeitervolk genannt werden. Gideon, Saul, David, Elischa, wer kennt nicht diese gewaltigen Helden des Schwertes und des Edelmuthes, die vom Pfluge weg an die Spitze ihres Volkes sich stellten, um ihre hohe Bestimmung zu erfüllen! Israels Könige, seine Richter, seine Propheten, seine Lehrer und Staatsmänner, alles was nur im öffentlichen Leben Bedeutung, Rang, Ansehen und Achtung besaß, gehörte im jüdischen Stamme dem Arbeiterstande an. Der große Hillel, der Nachkomme des gesalbten Königs David, der Lehrer seines Volkes, das Vorbild der Tugend für alle Zeiten, das Oberhaupt einer akademischen Talmudschule, dessen religionsgesetzlichen Aussprüche zum bindenden Gesetz wurden, der einem Heiden die ganze jüdische Lehre in den kurzen Satz zusammenfaßte„Was dir nicht gefällt, das thue auch einem anderen nicht." Was war dieser berühmte Mann? Ein Holzhauer! Was war der große Rabbi Jtzchak? Ein Schmied! Rabbi Jochanan? Ein Schuhmacher. Und Rabbi Elieser? Ein Bauer. (Aboth dt R. Nathan 11.) Auch der bekannte Rabbi Akiba, der eine Leuchte Israels war, der Gründer einer Hochschule, zu dessen Füßen tausende von Schülern saßen und seinen Lehren lauschten, auch dieser war nichts anderes als ein Holzhauer. Dieser Arbeiter hatte eine führende Rolle bei dem Bar-Kochba-Aufstand unter der römischen Herrschaft inne und hauchte als Märtyrer sein Leben aus. Rabbi Josua ben Chananjah war der Führer einer Gesandtschaft an den römischen Cäsar, und welchem Berufe gehörte er an? Er war ein Nagelschmied. Der Rang, die Würde, das hohe Ansehen dieser Männer galt ebenso ihrem Arbeiterberufe, als

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