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Der Israelit · 1894-01-29 · Heft 9 (29.1.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 9 (29.1.1894)
Date
1894-01-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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152 Meister (Mayor) lud den Stadtrath aus ungefähr fünfzig Rathen (Councillors) und Aldermen (Christen) bestehend zu diesem Gottesdienste ein. Alle erschienen in ihrer amtlichen Tracht und wurden mit in's Englische übersetzten Gebetbüchern versehen. Nach dem Minchagcbete wurde bei offner Lade das Gebet für das engl. Königshaus vorgetragen, worauf eine vom Rev. Herr Singer aus London gehaltene Rede folgte, in welcher der Redner die freiheitlichen Institutionen des Landes schilderte und die Erfordernisse einer Gemeinde, wie sie schon im Talmud vorgeschrieben sind, auseinanderfetzte. Der ganze Gottesdienst war sehr feierlich und ein „Ktddusch haschem" die religiöse Eintracht hier bekundend. Rumänien. Bukarest, 13. Jan. Obgleich die Regierung schon vor Jahresfrist eine Weisung an die Distrikts- Präfekten in dem Sinne gerichtet hat, daß auf solche Personen, welche der Militärpflicht im rumänischen Heere nachgekommen sind, die für Fremde vorgesehenen Beschränkungen des Aufenthaltsrechts in den Landgemeinden keine Anwendung zu finden haben, sind doch seitdem vielfache Klagen eingelaufen, daß diese ministerielle Ordre den einheimischen, aber nicht naturalistrten Juden gegenüber nicht berücksichtigt werde. Um nun der schreienden Ungerechtigkeit abzuhelfen, welche darin besteht, daß man zwar alle einheimischen Israeliten zum Militärdienst herbeizieht, sie aber nach zurückgelegter Dienstzeit doch wieder als heimathlose Fremde behandelt, hat der hiesige Verein einheimischer Israeliten kürzlich dem Könige ein Memorandum überreichen lassen, in welchem derselbe in seiner Eigenschaft als oberster Kriegsherr ersucht wird, seine wohlwollende Auf merksamkeit der sowohl in politischer, wie in moralischer Beziehung unhaltbaren Lage zuzuwenden, in welcher sich die als Fremde behandelten Reservisten jüdischen Glaubens befinden. Der König empfing die Deputation sehr freundlich und auf seine Einwirkung ist wohl auch ein jünst erschienener, auf die Fremden in den Landgemeinden bezüglicher Erlaß des Ministeriums des Innern an die Drstriktspräfekten zurückzuführen. In diesem Erlasse werde« nämlich jene Kategorien von Fremden speziell angeführt, welchen der Aufenthalt in den Landgemeinden Rumäniens nicht verweigert werden darf: Es sind das zunächst fremde Gutspächter und deren ständiges Hilfspersonal sowie landwirthschaftliche Hilfsarbeiter und deren Familien für die ganze Dauer ihres Arbeits-Engagements. Hierher gehören aber nach einem besonderen Hinweise des ministeriellen Zirkulars auch alle Fremden, welche im rumänischen Heere Militärdienste geleistet haben. Es wäre doch nur billig und gerecht, wenn man den außerhalb Rumäniens kein Vaterland besitzenden einheimischen Juden, nachdem sie einmal ihrer Militärpflicht im Lande Genüge geleistet haben, das rumänische Bürgerrecht zugestehen würde. Holland. Leyden. Herr Rabbiner Rafael Beuth, der an der hiesigen Synagoge ein halbes Jahrhundert lang das Amt eines ersten Predigers bekleidete, trägt sich mit der Absicht, in den Ruhestand zu treten. Serbien. Belgrad, 23. Januar. Ueber unser Vaterland sind jetzt unruhige Zeiten gekommen, indem die sogenannte liberale Partei sich wieder der Gunst des Hofes erfreuet, während die radikale Partei, die jetzt am Ruder ist und der auch das amttrende Ministerium angehört, den Boden unter ihren Füßen wanken sieht und die nun voraussichtlich von der Regierung gänzlich zurücktreten wird müssen. Wir Israeliten in Serbien können jedoch diesem Kampfe der beiden Hauptparteien im Lande um die Macht Im Staate ganz ruhig zuschauen, denn unsere soziale Stellung ist durch die Verfassung geregelt und sicher gestellt, und ob heute die Radicalen oder die Liberalen das Staatsschiff lenken, keine dieser Parteien denkt daran oder hat je daran gedacht, unsere Stellung zu ändern. Zudem wacht Se. Majestät unser erlauchter König Alexander I. eifrig darüber, daß allen seinen Unrerthanen, welcher Confession sie auch immer angehören, die gleiche Behandlung zu Theil werde. Das Haus Obrenowitsch, das jetzt regiert, war überhaupt stets wohlwollend und tolerant den Juden gegenüber. Vermischtes. < Harbura, Schwaben. Bei der kürzlich stattgehabten Wahl einer Gemeindeverwaltung hiesigen Städtchens ging Herr Kaufmann Gerson Stein, langjähriger Vorstand der isr. .Kultusgemeinde, siegreich aus der Urne als Bevollmächtigter hervor. In unserer vom Antisemitismus durchseuchten Gegenwart ist ein solcher Fall wohlthuend und verdient hier umsomehr bemerkt zu werden, als es schon über 40 Jahre her ist, seitdem kein Jsraelite mit dieser Ehrenüelle betraut wurde. “Oj/7 TOD jn pDl Daß der Odenwälder Jude auch in der Fremde seiner Heimath stets gedenkt, selbst wenn es ihm hier nicht allzugul, in der Fremde aber sehr gut geht, hat sich wieder einmal bewährt. Der im Jahre 1831 in Mümmlinst Crumbach gebor-ne Moses Reis starb vor wenigen Monaten als wohlhabender Mann in Wien. In seinem Testamente hatte er an Legaten für seine Geburtsstadt 1000 Gulden, und zwar 500 Gulden für solche christlicher Konfession bestimmt. Dieser Tage gelangte der Betrag im Beisein der Schwester des Legatars durch den Bürgermeistrr zur Vertheilung. Ebenso erhielt Michelstadt, wo Herr Reis s. Z. die Realschule besuchte, 1000 Gulden für Arme aller Konfessionen und die jüdische Gemeinde in Höchst ebenfalls 500 Gulden.

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