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Der Israelit · 1894-01-25 · Heft 8 (25.1.1894) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 8 (25.1.1894)
Date
1894-01-25
Page
– (sequence 20)
Language
German
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"T^yy1 140 Büchel bejahte die Frage ängstlich zitternd. „Ich bin mit Ihm zufrieden. Und damit Ersteht, daß ich es gut mit Ihm meine, befehle ich Ihm, daß Er sich eine Gnade ausbitte." Der Ton des Königs verwandelte sich indeß sofort, als Büchel um die Gnade einer Anstellung bei der kgl. Münze ersuchte. „Hör' Er mal, das geht nicht. Er ist und bleibt doch ein Jude. Ja, wenn Er ein Christ wäre, dann ließe sich darüber sprechen; so aber wird Er wohl schon über eine andere Gnade Nachdenken müssen." — Vier Wochen später stand S. Büchel wieder dem großen Könige gegenüber. Doch er war nicht mehr derselbe. Der ehrwürdige Bart war gefallen. „Was ist denn mit ihm geschehen?" fragte der König, den Juden mit den Blicken fast durchbohrend. „Majestät," erwiederte Salomon Büchel in devotem Tone, „ist doch Ihr unterthänigster Diener verjüngt worden durch die Taufe, weil er ist übergegangen zu der Christenheit, weil Ew. Majestät haben versprochen, Ihrem unterthänigsten Diener zu geben ein Amt. wenn er ist geworden ä Christ." „Soll Er haben," erwiederte der König, nur mit Mühe seine Ruhe bewahrend. „Melde Er sich bet unserem Stallmeister als Vorläufer!" — Erschreckt und ungläubig wies Büchel auf sein Alter hin. „Schweig' Er," rief der König zornig. „Wenn Er in vier Wochen überlaufen konnte vom Glauben Seiner Väter zum Christenthum, dann wird Er auch Kraft genug haben, vor meinem Wagen herzulaufen. Merke's Er sich! Wir haben nie von Menschen etwas gehalten, die ihren Glauben wechseln wie einen Rock." Wie entsetzlich müssen doch damals die religiösen Zustände in Berlin gewesen sein! Aus dem alten Berlin. I. H. Reinkens erzählt in seiner Biographie der katholischen Dichterin Luise Hensel folgende hübsche Episode aus dem alten Berlin und aus dem Leben der protestantischen Mutter dieser Dichterin: „Die Zeit der materiellen Roth war mit dem Jahre 1808—1809 nicht vorüber. Besonders in Berlin erfuhr die Wittwe noch harte Bedrängniß. Sie erlangte zwar Pensionsberechtigung für 300 Thaler; aber Napoleon hatte u. A. auch die Wittwenkasse in Berlin geleert, und so konnte der Wittwe Hensel wie den übrigen Wittwen vorläufig nur der Schein der Berechtigung ausgehändigt werden, aber kein Geld. Im Besitze eines solchen Scheins konnte man immerhin noch den Hungertod sterben. Da wurden diese Pensions-Berechtigungsscheine Gegenstand des Handels und der kaufmännischen Spekulation. Den armen Wittwen wurde Gelegenheit geboten, ihre Scheine in der Art zu verpfänden, daß sie die einzelne Jahres-Berechtigung eigentlich verkaufen mußten. Sie erhielten meist für hundert Thaler ihrer Berechtigung vierzig Thaler ausgezahlt; so stellte sich das Geschäft. Zahlte nun später der Staat, so erhielten die betreffenden Spekulanten für ihre vierzig Thaler hundert, und die arme Wittwe, welche eine Pension von dreihundert zu beanspruchen hatte, war um hundertachtztg Thaler jedes Jahr verkürzt. Also in ähnlicher Art verkaufte auch die Prediger - Wittwe Hensel ihren Schein mehrere Jahre hindurch an einen christlichen Banquier zu vierzig Thalern pro Hundert. Du hörte sie durch eine Freundin, daß ein jüdischer Banquier sechzig Thaler bezahle. Darauf ging sie zu diesem und trug ihm die beiden folgenden Jahre ihren Schein hin. Unterdessen wurden die Freiheitskriege gekämpft, der Steg gewonnen, und König Friedrich Wilhelm III. benutzte in wahrhaft königlicher Gesinnung die ersten Einnahmen, um die Wittwenkasse wieder zu füllen. Auf die vorgelegten Scheine wurden nun alle rückständigen Pensionssummen ausgezahlt; auch der jüdische Banquier erhielt die volle Auszahlung; aber, was er im Stillen sich vorgenommen, führte er nun aus. Er beschied die Wittwen zu sich und zahlte ihnen Alles zurück, keinen Thaler Gewinn für sich nehmend. Als die Wittwe Hensel ihm staunend dankte, sagte er in edler Einfachheit: „Behüte mich Gott, daß ich von armen Wittwen Zmsen nähme!" Sie vermochte nicht den Dank in Worten auszudrücken; tiefgerührt kam sie nach Hause zu ihren Kindern, und nachdem sie die großmüthige Handlung ihnen erzählt, rief sie aus: „Gott segne diesen Juden." Auflösung des AätHsets in Wr. 3: yfö — die Wüste Schur “ritp — Ochs W — Fürst Richtige Lösungen sandten ein: Jsaac Rosenthal in Wronke, Julius Krämer in Ansbach, Leopold Fischer in Neuhäusel, Sally Lehmann in Darmstadt, Lehrer Eppstein in Unterdeufstetten, Mina u. Rebecca Fabian in Lessen, Ignatz Frankl in Preßburg, Moritz Deutsch in HanuSfalva, Leo Levin in Bruchsal. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit*, Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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