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Der Israelit · 1894-01-22 · Heft 7 (22.1.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 7 (22.1.1894)
Date
1894-01-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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116 thum interessieren? Ist es nicht das Fundament meiner Religion? Hat es mir nicht die zehn Gebote, die Propheten, Alles gegeben? — Aber noch mehr! Durch das Studium der Geschichte des Judenthums bin ich ein besserer Mensch geworden, denn solche Beispiele von Religionstreue, Glaubensmuth, an Pietät für die Eltern, Opferwilligreit für die Familie und treuer Gattenliebe sind mir nirgends in solchem Maße begegnet, als in der Geschichte der Juden und des Judenthums. „Diese Beispiele sind nicht ohne tiefen sittlichenden Einfluß auf meine geistige und gemüthliche Entwicklung geblieben. Für alles dieses bin ich dankbar, weiter nichts. Ich verwahre mich sogar ausdrücklich dagegen, daß nur Forschungstrieb und Wißbegierde — (so sehr auch sonst diese beiden mich anspornen) — mich zu dem immer eingehenderem Studium der Geschichte des Judenthums veranlassen, sondern nur Dankbarkeit, nur Verehrung! — »Wie Ruth, die Fremde, Eingewanderte, stehe ich unter den Söhnen und Töchtern Israels, aber wie Ruth wurde ich liebevoll ausgenommen — zum Dank dafür spreche ich eine Hoffnung aus: daß die Zeit kommen möge, in der die Völker kundiger und darum gerechter als heute, sich erinnern werden, daß sie die Lehre der Nächstenliebe Israel zu danken haben." Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Mainz, 21. Januar. Morgen feiert der in weiten Kreisen bekannte jüdische, auf dem Gebiete der Massorah bedeutendste jetzt lebende Gelehrte Herr Dr. S. Bä r in Biebrich sein 50jähriges Lehrerjubiläum. Aus Wunsch des Jubilars findet die Feier nur im engsten Kreise statt. Wir senden ihm die herzlichsten Glückwünsche. Möge ihm ein angenehmer Lebensabend beschieden sein! Herr Bär erhielt von Kaiser Wilhelm I. in Anerkennung seiner Verdienste um die Wissenschaft mehrfach sehr werthvolle Geschenke. Frankfurt a. M. Baron Hirsch beklagte sich bet einem Correspondenten der „Frankfurter Zeitung", daß ihm von den deutschen und österreichischen Comtte's die Auswanderer ohne gehörige Sichtung zugesandt wurden, infolgedessen sei ganz wie einst beim ersten Exodus viel Gesindel mit nach Argentinien gekommen. Jetzt sei Alles auf dem besten Wege. Die Kolonie in der argentinischen Republik enthalte gegenwärtig 3000 Leute, die hinter dem Pfluge gehen, säen und ernten. Die diesjährige Ernte sei eine gute gewesen. Eine große Schwierigkeit bereite die Leitung der Kolonien. Er habe mit den Direktoren aus verschiedenen Gründen oft wechseln müssen und werde wohl mit der Zeit die Sache selbst in die Hand nehmen müssen. (Ausführlicher Bericht in der Donnerstagsnummer.) Kempen, 18. Januar. Wir erhalten folgende Zuschrift: In den letzten Wochen brachten die Tageszeitungen einen Bericht über ein Vorkommniß in Kempen a. Rh., meistentheils der „Frankfurter Zeitung" entlehnt, dem auch Sie in Nr. 3 Ihres gesch. Blattes die Spalten öffnen. Gestatten Sie mir, Ihnen im Interesse der Wahrheit, genau den Vorgang zu schildern. „Der Metzger Lambertz von hier erwartete von Altekerk einen Knaben, der bei ihm Fleisch holen sollte. Auf dem Wege vom Bahnhof zu seiner Wohnung trifft er mit einem Jungen zusammen, der zwei leere Fleischkörbe am Arme trägt. Die Frage des L. ob der Knabe mit ihnen gehen wolle, bejaht derselbe, und so gehen sie zusammen der Behausung des L. zu. Dort angekommen, findet L. zwei christliche Metzger aus Hüls vor, die ebenfalls Fleisch holen wollten, weßhalb er den Jungen sich setzen heißt, bis er mit Jenen fertig ist. Der Knabe, der nicht aus Alfekerk war, sondern Laufbursche eines hiesigen Metzgers, sagt hier aus, er hätte keine Zeit, da er erst zu Hübberke, dem Metzger, der ihn ausgeschickt hatte, gehen müsse, dann wollte er wiederkommen." Dies der wahrheitsgetreue Bericht. Nach ca. 8 Tagen wurde mir in humoristischer Weise erzählt, daß jener Knabe ausgesagt habe, er hätte sich gefürchtet, da Lambertz ihn schlachten wollte. Ich verfügte mich darauf zu Lambers, der bis dahin noch nichts davon wußte, und veranlaßte ihn die Anzeige beim Herrn Bürgermeister zu erstatten. Dieser begab sich hierauf in die Wohnung des L. und ließ sich auch von dessen Ehefrau den Hergang erzählen. Er beschied hierauf, sowohl den Knaben, als auch deren Eltern zu sich, klärte sie über den Jrrthum auf und ertheilte Ihnen einen strengen Verweis. 1) Es ist also unwahr, „daß sich schnell ein gerngläubiger, angriffslustiger Pöbelhaufen zusammenfand", da erst durch den Bericht der „Frankfurter Zeitung" besagter Pöbelhaufen von dem Märchen Kenntniß erhielt. 2. Es ist ferner unwahr, „daß alsbald der Herr Bürgermeister Lambertz zu sich beschied und ihn so lange sesthielt bis auch dessen Ehefrau verhört war." 3. Ob der Junge, „trotz der von Seiten des Bürgermeisters gegebenen Aufklärung ganz fest daran glaubt", darüber bin ich nicht tnformirt, un-

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