Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1894)
- Date
- 1894-01-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DWWMWffWWM«! ■’Tww XXXV. Jahrgang. M 7. Der Israelit. «» Kenlrat-Hrgan für das orthodore ZudenLyum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den SS. Januar 5654 (1894). Leitender Artikel. Arische Stammesvorzüge und Semitische Raeensehler. Von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). (Fortsetzung.*) Wir wollen nun des Weiteren sehen, welche Anklagen gegen die Stammeseigenthümlichkeiten des semitischen Judenthums erhoben werden und wie weit dieselben begründet erscheinen. Das Arsenal des Feindes ist mit den schärfsten Waffen vollgespickt, so daß der Zaghafte sich ihm nicht zu nähern wagt und behutsam aus dem Wege geht, der Herzhafte und Muthige aber tritt entschlossen näher, prüft und untersucht genau die gefährlichen Waffen und findet, daß ihm dieselben zu seiner eigenen Vertheidigung dienen können, mit deren Benützung er sieggekrönt und ruhmerfüllt als edler Sieger aus dem Kampfe hervorgehen würde. So ist es mit den Waffen, mit welchen gegen den jüdischen Stamm zu Felde gezogen wird. Die niedrigsten Triebe, die schlechtesten Neigungen, die verwerflichsten Eigenheiten werden ihm angedkchtet und man entsetzt sich förmlich vor dem „semitischen" Ungeheuer, welches die Welt mit seinen eisernen Fangen umklammert hält und sie zu vernichten droht mit seiner Verderbtheit, mit seinem gräßlichen Laster, mit seiner schrankenlosen Gewalt. Besieht man sich aber diese scharfgeschliffenen Verleumdungen genauer, so findet man, daß alle diese Anklagen nicht. nur ganz unbegründet sind, sondern daß dieselben vielmehr dem Gegner mit vollem Rechte vorgehalten werden können, und das fälschlich angeklagte Judenthum in seiner Gesammtheit erscheint vor dem Forum der Geschichte unvergleichlich höher und edler als seine Widersacher, auf welche es in seiner erhabenen sittlichen Größe nur mit Stolz und Selbstbewußtsein herabblicken kann. Greifen wir aus der feindlichen Rüstkammer nur eine Waffe heraus, die geschärft worden ist, um uns tödtlich zu treffen, gleichviel w.lche sie sein mag, so finden wir, daß sie uns nicht nur nicht verletzen kann, sondern daß sie vielmehr den Gegner niederzustrecken geeignet ist. 1. Es wird z. B. dem Juden als Racenfehler von den Anklägern zur Last gelegt, daß er von seinem Ursprung her der mühevollen Arbeit abhold ist und seinem innersten Wesen nach nur dem Handel ergeben. und vomSchachergeistd urch unddurch erfüllt ist, während der „Arier" sich den Vorzug zuschreibt, der unermüdlichsten Thättgkeit von Natur aus geneigt zu sein. So wird z. B. der Urahn des jüdisch-semitischen Volkes, der Patriarch Abraham von einem „arischen", natürlich antisemitischen Gelehrten unserer Zeit (Dühring) als ein Mann hingestellt, der schon den Schacherjuden repräsentirt, der sich in einen regelrechten Handel mit der Gottheit einläßt und sich erdreistet, dem Weltenrichter Gerechtigkeit zu predigen, um Ihm von den 50 Gerechten, die sich möglicherweise in Sodom vorfinden könnten, bis auf zehn abschachern zu können. Man sollte dies kaum für möglich halten! Man könnte über diese originelle Idee lächeln, aber das Blut erstarrt Einem, das Rechtsgefühl schäumt unbändig im Innern auf und fühlt etwas, als wäre man in seinen heiligsten Empfindungen, in seinen erhabensten Gefühlen tödtlich getroffen worden, wenn man diese Worte liest. Vor tiefster Entrüstung weiß man im ersten Augenblick gar nicht, was man darauf erwiedern soll. Es ist, als sollte alles Edle, alles Erhabene, alles Ehrwürdige und Ehrfurchtgebietende, alles, was dem Menschen theuer, gut, heilig und als göttlich gilt, aus seinem *) S. Nr. 96 v. I.