Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1894)
- Date
- 1894-01-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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102 als Mensch. Der Vater der Wittwen und Waisen tröste die tiefbetrübten Hinterbliebenen. Die Seele des Verstorbenen ist zurückgekehrt zu dem Herrn, um in der Urstätte des Friedens zu weilen, wo des Himmels Seligkeit sich ihr öffnet. n"yun Oester.-Ungar. Monarchie. Budapest, 13. Jan. Oberstaatsanwalt Kozma leitete das Verfahren wegen Aufreizung zu Gewalttaten gegen den klerikalen „Magyar Allam" ein, der für den Vorabend des Vincenztages jüngst eine allgemeine Judenhetze angedroht hatte. England. London. Wie unberechtigt die Vorurteile sind, die man man gegen die Tapferkeit der jüdischen Soldaten hegt und denen man besonders in Deutschland Feigheit vorwirft, beweist ein Artikel in „the Graphic“ vom 23. Dezember 1893 bei Gelegenheit eines Gottesdienstes (Chanukka) für jüdische Soldaten, etnberufen vom Rev. Francis L. Cohen in der Borough-Synagogue, Alderstet am 10. Dez. 1893 zur Erinnerung an die Kunst der Waffenhandhabung bei den alten Makkabäern. Es versammelten sich zu diesem Gottesdienste etwa 100 jüdische Offiziere und Soldaten der activen Armee, sowie der „Volunteers“. Nach dem gewöhnlichen Abendgebet, hielt Herr Cohen von seiner Kanzel, welche mit einer seidenen englischen Flagge drappirt war, eine militärische Predigt. Die Synagoge selbst war zu dieser patriotischen Feier ebenfalls mit Flaggenschmuck geziert. Flaggen in der Synagoge sind keine ungewöhnliche Erscheinung. In der alten Synagoge in Prag — genannt, die alte-neue Schul befindet sich eine Flagge, welche dieser Gemeinde vom Kaiser Ferdinand in Anerkennung ihrer Tapferkeit und Loyalität, welche sie bei der Belagerung der Stadt durch die Schweden 1648 entfaltete, geschenkt wurde, und die heute noch zum Schmucke der Synagogen-Decke dient. Jeder, der die geringste Kenntniß der jüdischen Geschichte hat, sagt das erwähnte englische Weltblatt, muß sich wundern, daß es überhaupt noch einer Widerlegung dieses Vorurtheils bedarf. — Abgesehen von den Kämpfen, welche die Bibel so oft darstellt, haben die Juden stets einen sehr entschiedenen militärischen Sinn gezeigt. Es konnte z. B. durchaus kein Zufall sein, daß eine große Anzahl jüdischer Freiwillige den Armeen Alexanders des Großen sich anschlossen, oder daß Onias und Dositheus zwei Juden, hervorragende Commandeure unter Ptolemäus Philometer, waren, oder daß Julius Cäsar auf die Tapferkeit der jüdischen Hilfe pochte. Daß Rom unter Titus und Hadrian vor Judäa zitterte, auch daß Mohamed es für nöthig hielt ein specielles Gebet an Allah zu richten, er möge ihm doch beistehen, sich der jüdischen Krieger bei Khaiber zu bemächtigen, ist allgemein bekannt. Alles dieses ist natürlich lange her, aber der wesentliche Charakter und das Gefühl eines Volkes kann sich unmöglich verändert haben, wenn es seine Rassen-Unterschiede so hartnäckig aufrecht erhielt, wie es bet den Juden der Fall ist. In der That, die neuere Geschichte beweist, daß in all ihren traurigen Demüthtgungen die Juden ihre Kampfeslust, welche sie in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit so sehr auszeichnete, durchaus nicht verloren haben. In den großen revolutionären Kämpfen der Neuzeit figurirten sie in großer Anzahl. Sie folgten Napoleon in allen seinen Feldzügen und viele von ihnen erreichten hohe Stellungen in der französischen Armee. — Ein ganzes Regiment jüdischer Freiwillige zeichnete sich im Unabhängigkeitskrieg in P ölen aus und Bcrek, ein Offizier dieses Regiments wurde Oberst und mit der Tapferkeits-Medaille auf dem Schlachtfelde beehrt. Als die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Unabhängigkeit erklärten, da sammelten sich eine große Anzahl jüdischer Offiziere mit dem Oberst Jsaac Frank, aid-de-camp des General - Feldmarschalls Washington an der Spitze, um das Sternen-Banner. — Während des Krieges zwischen dem Norden und Süden dienten, nicht weniger als 20 jüd. Feldoffiziere, 100 active jüd. Offiziere und 6000 freiwillige jüd. Soldaten bei den Vereinigten Armeen. — Gegenwärtig sind die Juden in allen Armeen Europas gemäß den Conicriptionsgesetzen der verschiedenen Länder ihrer Anzahl nach gebührend vertreten. Nur in Frankreich wurden sie zu hohen Stellungen zugelassen. In Rußland liefern sie im Vergleich zur Bevölkerung eine größere Zahl Rekruten als ihre christlichen Mitbürger, scheinbar deßhalb, weil die Gesetze gegen sie mit mehr Strenge »gewendet wurden, als auf die orthodox - slavischen Staatsangehörigen. Was Groß-Britanien anbetrifft, so war früher ein ganzes Chor jüdischer Freiwilligen in London, aber sie vermischten sich mit andern Corps seit 1861. Eine ganze Anzahl jüdischer Familien sind auch jetzt noch in der englischen Armee vertreten, wie z. B. die Montefiores, Mocattas, Goldsmids, Sasportas, BaseviS, Lousadas, Barrows und die Gomportz. Joshua Montefiore, ein Onkel des verstorbenen Sir Moses Montefiore war der erste Jude der in England einen hohen militärischen Posten bekleidete. Er diente in verschiedenen Theilen der Welt und 1808 als Offizier in der Aork-Light-Jnfantery;