Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1894)
- Date
- 1894-01-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. Iwette Beilage;u J 6 des „Israelit". Literarische Gerichte. Leo Löweuthal. Wandersteins Tochter, Roman in zwei Büchern. Berlin 1893. Cassirer & Danztger. 264 S. Eine fesselnde Erzählung, die in origineller Weise ein alles Thema behandelt. Die von den Antisemiten zum Ueberdruß zur Diskussion gestellte Racenfrage wird darin in der Weise gelöst, daß die mit einem Manne aus altem Adel verbundene Jüdin, sowie die Sprößlinge der Mischehe neben anderen „Edelsten der Nation" durch geistige und körperliche Vorzüge hervorragen und sogar von einem Antisemitenführer, der von dem Judenthum der Hausfrau nichts weiß, als echte Teutonen gepriesen werden. Die steten Gewissensbisse, welche die Heldin quälen und ste zu Stechthum und ftühem Tode führen, warnen deßungeachtet eindringlich davor, die Assimilittonsfähigkeit des jüdischen Stammes durch dieses Experiment zu beweisen. Unangenehm berührt uns, daß dem Autor, wie er an mehr als einer Stelle verräth, das alte, gesetzestreue Judenthum, als dessen Anhänger die Mitglieder der Familie Wanderstein uns vorgeführt werden, gänzlich fremd ist. Auch ist in einem solchen Kreise ein Character, wie der des selbstsüchtigen, hartherzigen Aron, der sich aus Gewinnsucht über den Abfall der Schwester freut, unmöglich. Auch ein Schammes, wie der des Romans, den bei Allem nur durchaus niedrige Motive leiten, wird glücklicher Weise schwer zu finden sein. Möchte doch mancher unserer phtlosemitischen Schriftsteller sich erst prüfen, bevor er sich zum Schreiben setzt, ob nicht ein großer Theil seiner Kenntniß jüdischer Sitten aus ungenauen, wenn nicht gar judenfeindlichen Schilderungen stammt. * * * -©*© n’^x-o 'd Bon Josef Sofer, Bezirks-Rabbiner in Derecske, Com. Bikar, Ungarn. 226 Bl. gr. 8. Das vorliegende, vor einigen Wochen in Paks erschienene Buch enthält eine nach den Wochenabschnitten des rwx-p 'd geordnete Zusammenstellung des im Talmud Babli und Jeruschalmi, in Sifro und Sifri, in der Tosefta, in den Midraschim und in der unter dem Namen Targum Jonathan bekannten Paraprase vorkommenden auf Beschneidungen, Hochzeiten und Sterbefälle sich beziehenden Aussprüche der Weisen, nebst vielen, thetls aus älteren und neueren Werken mit Quellenangabe entnommenen, thetls vom Verfasser aufgestellten Erklärungen. Derselbe hat in diesem Werke den Weg betreten, den sein durch seine halachischen und agadischen Werke in den weitesten Kreisen berühmter Vater, "idid jbdit 'i jiwn Din, Oberrabbiner in Paks in seinen Schriften “>;y^x vixH' und pron -ny^N eingeschlagen. Die Anordnung des vorliegenden Werkes ist eine sehr zweckmäßige, da sie bei jedem Wochenabschnitte in drei gesonderten Gruppen, die mit ma rb'D, jww und NDON in irgend einem Zusammenhänge stehenden Aussprüche unserer Weisen vorführt; das Werk enthält auch auf pn vnö und msto -o sich beziehende Aussprüche, die aber nicht besonders gruppirt. sondern in der Gruppe rk'v nna angeführt sind. Daß der gelehrte Herr Versaffer in diesem Werke eine bedeutende Vertrautheit mit der agadischen Literatur bekundet, ist schon aus dem Umfange ersichtlich und es werden gewiß Viele, denen die Auffindung agadischer Stellen für Kasualreden Mühe verursacht, dem Verfasser für dieses Werk dankbar sein; der Preis desselben ist sehr billig, da es bei dem Verfasser für einen Gulden ö. W. zu beziehen ist. Je rascher die dem vorliegenden Werke zu wünschende Verbreitung stattfinden wird, desto früher wird es dem Verfasser möglich werden, dem ersten Theile die auf die anderen Bücher der Thora sich beziehenden Theile folgen zu lassen. -h- ZeitrrrrgSnachrichterr trab Correspondenzerr. Deutschland. Gchopfloch in Bayern. Tiefe Trauer bemächtigte sich unserer Gemeinde, als sich am 4. Januar die Kunde von dem Hinscheiden eines allgemein beliebten und geachteten Mannes, des Lehrers Jsac Ehrenreich r>"y verbreitete. 14 Jahre lang wirkte derselbe in hiesiger Gemeinde segensreich und wußte sich während dieser Zeit bei seinen Mitbürgern ohne Unterschied der Konfession in die höchste Achtung und Beliebtheit zu setzen. Sein Leichenbegängniß legte Kunde ab von der Verehrung, die er allseitig genossen. In dem langen Leichenkondukt bemerkte man die Gemeindeverwaltung, den Gesangverein, die Geistlichkeit, das Lehrerkollegium und zahlreiche Freunde des Verstorbenen aus der Nähe und Ferne. Am Grabe sprach der derzeitige Verweser der hiesigen Stelle, Lehrer M. Rosen st ein und feierte die unvergänglichen Verdienste des Dahingeschtedenen um seine Familie, der er Vater und Beschützer war, gedachte seiner Tüchtigkeit als Beamter, seiner Liebenswürdigkeit