Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 5 (15.1.1894)
- Date
- 1894-01-15
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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84 in der Synagoge des Rabbinatsitzes wurde eine oft unverständliche Belehrung gehalten und im jüdisch« deutschen Dialekt, denn die Rabbiner verstanden selbst kein richtiges Deutsch." Keinesfalls haben diese Rabbinen Ursache, uns um das Deutsch des „Anhangs" zu beneiden. Fast jeder Satz ist verschroben und undeutsch. Beispiele werden beweisen. „Schreien, Plaudern, Herein- und Hinauslaufen und dergleichen Störungen waren ganz gewöhnlich." Wenn das alles selbst wahr wäre, ist die Mittheilung desselben in der Schule aus schon erörterten Gründen unpäda gogisch. Der Schönheitssinn wird nicht an der Anschauung von Zerrbildern gebildet. Aber diese Karrikaturen sollen die Folie bilden für den Aufsatz : „Besserer religiöser Zustand." (Schluß folgt.) Mus uni» Cstuö. Weilburg a. d. Lahn, 10. October. (Bericht über die 4. Conferenz der isr. Lehrer Nassaus zu Limburg an der Lahn am 8. October 1898.) Die Versammlung, der eine von Herrn Lehrer Frank-Westerburg gehaltene Lehrprobe in der hebr. Grammatik vorausging, wurde vom 1. Vorsitzenden, Herrn Lomnitz in Diez, mit einigen herzlichen Begrüßungsworten und dem Hoch auf Se. Majestät, den deutschen Kaiser eröffnet. Punkt i der Tagesordnung sollte der Vortrag des Herrn Dr. Weingarten, Bez.-Rabb. zu Bad-Ems, über das Thema: „Wichtigkeit des Pentateuch-Unterrichtes" in der jüd. Religionsschnle sein. Da der Referent nicht erschienen war, so trat an Stelle des ausgefallenen Referates eine zwanglose Unterhaltung über die Fragen: „Sollen auch die Mädchen in Pentateuch unterrichtet werden und soll der Unterricht nach einem übersetzten Exemplare od. nach einem Vocabularium gegeben werden Schließlich gelangten folgende 2 Lehrsätze zur allgem. Annahme: „Den Mädchen soll nur da, wo cs die Zeit und die Begabung der Klasse ermöglicht. Pentateuch-Unterricht gegeben werden, und ein Vocabularium in der Hand der Schüler ist einem Pentateuch mit Uebersctzung vorzuziehen. Der 2. Punkt der Tagesordnung war die Besprechung der durch Herrn Lehrer Frank- Westerburg gehaltenen Probelektion. Herr Frank hatte in der letzten Versammlung über das Thema: „Der Unterricht in der hebr. Grammatik in der israel. Religionsschule" gesprochen und dabei 3 Thesen aufgestellt, welche für zu weitgehend befunden wurden und deßhalb in folgender Faffung zur Annahme gelangten. 1) Der Unterricht in der hebr. Grammatik ist unerläßliche Bedingung des Religions-Unterrichtes. 2) Korrektes Lesen — Leselehre — soll mit der 1. Unterrichtsstufe beginnen. 3) Dem Grammatik-Unterrichte muß bei Anfängern 1 Stunde und bei schon geübteren Schülern Vi Stunde wöchentlich gewidmet werden. Die begabtesten Schüler und Schülerinnen müssen es bis zur Conjugation der unregelmäßigen Verben incl. bringen, während Kinder von schwerem Begriff hiervon auszuschließen sind. Die heutige Lehrprobe, in der Alles vom Anschauungsunterrichte ausging, wurde von allen Mitgliedern als eine musterhafte anerkannt und dem Referenten allseitiger Dank hierfür gezollt. Zum 2. Punkt der Tagesordnung: „Anschluß an andere Lehrervereine" berichtete der 1. Vorsitzende, daß er seither mit den Vorständen verschiedener jüdischer Lehrervereine, deren letzte Versammlungen er besucht hatte, behufs Gründung eines Lehrerbundes, der alle jüdische Lehrervereine Deutschlands umfasse, Rücksprache genommen habe; doch sei dies bisher nur für seine Person geschehen, da er vom Vereine hierzu nicht ermächtigt gewesen wäre. Die ganze Versammlung begrüßte lebhaft das Zustandekommen eines solchen Vorhabens und beauftragte den Vorstand, an der Gründung dieses Vereines regen Antheil zu nehmen. Für die nächste Konferenz, die für Pfingsten 1894 in Diez festgesetzt wurde, Übernahme Herr Dr. Landau - Weilburg einen Vortrag über das Thema „Der Unterrlcht in der Religionsschule nach dem Grundsätze deS kleinsten Kraftmaßes?" Herr Lehrer Frank-Idstein übernahm eine Lehrp-obe in der bibl. Geschichte nach Herbart'scher Methode. Nachdem man sich gegenseitig über die Frage: „Was können wir zu unserer pekuniären Besserstellung thun" ausgesprochen hatte, und Herr Dr. Landau die Mitglieder gebeten, eine Stelle nicht eher zu verlassen, bis ein Nachfolger ernannt sei, damit der Religions-Unterricht keine Unterbrechung erleide, schloß Herr Lomnitz die Conferenz, die des Anregenden und Inter-, ssanten so viel geboren, mit einer Einladung zum recht zahlreichen Besuch der nächsten. A. Fröhlich, Schriftführer. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehinann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Ioh. Wirth'schen Hofbuchdrnckcrei-Actien-t^esellschaü in Mainz.